Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (15,1-35)

Die Apostelversammlung in Jerusalem

Apg 15,30-35

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 15,30-35

 

 

Übersetzung

 

Apg 15,30-35:30 Als sie nun verabschiedet worden waren, gingen sie nach Antiochia hinab, und sie versammelten die Menge und übergaben den Brief. 31 Als man [ihn] vorgelesen hatte, freute man sich über den Zuspruch. 32 Judas und Silas, die auch selbst Propheten waren, gaben den Brüdern mit manchem Wort Zuspruch und stärkten [sie]. 33 Nachdem sie einige Zeit gewirkt hatten, wurden sie mit Frieden von den Brüdern zu denen entlassen, die sie gesandt hatten. (34 [Der] Silas aber beschloss, dort zu bleiben.) 35 Paulus und Barnabas aber hielten sich in Antiochia auf, lehrten und verkündigten mit noch vielen anderen zusammen das Wort des Herrn.

 

 

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V. 30

 

Beobachtungen: Der Abschnitt 15,30-35 berichtet davon, dass die Beschlüsse der Apostel und Ältesten bei ihrer Versammlung in Jerusalem (vgl. 15,22-29) umgesetzt wurden: Es wurden Judas und Silas zusammen mit Barnabas und Paulus nach Antiochia (am Orontes) geschickt, um den Brief mit den zu befolgenden Bestimmungen an die dortige Gemeinde, konkret die Heidenchristen, zu übergeben und den Inhalt mündlich zu wiederholen und zu erläutern.

 

Die Verabschiedeten gingen nach Antiochia und sie versammelten die Menge und übergaben den Brief. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wer verabschiedet wurde. Sowohl Barnabas und Paulus als auch Judas und Silas verließen Jerusalem und reisten nach Antiochia. Dies lässt annehmen, dass alle vier Männer verabschiedet worden waren. Da allerdings nur Judas und Silas Gesandte der Jerusalemer Gemeinde waren, ist durchaus möglich, dass sich die Verabschiedung nur auf sie bezog. Allerdings werden in dem Brief der Apostel und Ältesten Barnabas und Paulus als "Geliebte“ bezeichnet und Judas und Silas mit ihnen gesandt (vgl. 15,25-27). Nach der "Apostelversammlung“ scheint das Verhältnis zwischen Barnabas und Paulus und der Jerusalemer Gemeinde also gut gewesen zu sein. Dies wiederum spricht dafür, dass auch Barnabas und Paulus verabschiedet wurden und somit nicht zwischen Barnabas und Paulus auf der einen Seite und Judas und Silas auf der anderen Seite zu unterscheiden ist. Es stellt sich aber die Frage, ob tatsächlich Judas und Silas als Jerusalemer Gesandte die antiochenische Menge − gemeint ist wohl die Gemeinde - versammeln konnten. Eine solche Aufgabe wird eher Barnabas und Paulus zugekommen sein, die aufgrund ihrer missionarischen Arbeit der antiochenischen Gemeinde zugerechnet wurden, auch wenn gemäß 11,22 Barnabas ursprünglich ein Gesandter der Jerusalemer Gemeinde war. Fazit: Die Verschiedenheit der Argumente lässt eine Begrenzung der Verabschiedeten nur auf Judas und Silas oder Barnabas und Paulus nicht angemessen erscheinen. Vielmehr wurden alle vier Männer verabschiedet und waren anschließend Handelnde. Alle vier Männer gingen gleichermaßen nach Antiochia hinab, die Menge dürften aber vorrangig Barnabas und Saulus versammelt haben und die Briefübergabe dürfte zuvörderst durch Judas und Silas erfolgt sein.

 

Das Verb "hinabgehen“ ("katerchomai“) macht einen Höhenunterschied deutlich. Jerusalem lag im judäischen Bergland und somit höher als Antiochia. Folglich musste hinabgehen, wer von Jerusalem nach Antiochia reisen wollte. Vielleicht weist die Höhe Jerusalems auch auf die besondere Bedeutung der Stadt hin.

 

Es fällt auf, dass der Brief zuerst an die "Menge“ in Antiochia (am Orontes) übergeben wurde, obwohl er "an die Brüder in Antiochia, Syrien und Kilikien, die aus [den] Heiden sind“ adressiert war. Antiochia erscheint also als erster Anlaufpunkt in Syrien und im zur Zeit der geschilderten Ereignisse (zu einem Teil) politisch mit Syrien verbundenen Kilikien. In Antiochia müssen Heidenchristen gelebt haben und Antiochia muss ein Missionszentrum gewesen sein, denn von hier aus wurden die Bestimmungen in weiteren Gemeinden bekannt gemacht. Bedenkt man, dass die Bestimmungen des Briefes aufgrund ihrer Grundsätzlichkeit für die ganze Kirche von Bedeutung waren, so erscheint Antiochia als weltweit führendes Missionszentrum.

 

Weiterführende Literatur: Eine literarische Analyse von Apg 14,27-15,35 bietet A. T. M. Cheung 1993, 137-154. Der Bericht über die Jerusalemer Apostelversammlung habe in 14,27-28, nicht in 15,1, seinen Ausgangspunkt. Lukas versuche auch die kritischen Leser davon zu überzeugen, dass zwischen den juden- und heidenchristlichen Gemeinden Harmonie geherrscht habe. Dazu betone er die untergeordnete Rolle der antiochenischen Gemeinde und des Paulus bei der Jerusalemer Apostelversammlung. A. T. M. Cheung sieht 14,27-15,35 als eine wohlkomponierte Einheit an, nicht als einen aus verschiedenen Quellen aufs Geratewohl zusammengesetzten Flickenteppich. Dabei schlössen literarische Kunstfertigkeit und historische Zuverlässigkeit des Berichteten einander nicht aus.

 

Mit den Entscheidungen der Jerusalemer Versammlung (Apg 15,1-41) befasst sich R. Neuberth 2001, 147-235, wobei er zunächst eine synchrone und danach eine diachrone Analyse bietet.

 

Mit 15,1-34 befasst sich A. Weiser 1984, 145-167, der auf Aufbau, Form, Historizität, Überlieferungsgrundlage und redaktionelle Komposition, inhaltliche Schwerpunkte der lukanischen Gestaltung und Anregungen aus der lukanischen Darstellung für die Kirche heute eingeht. A. Weiser hält den Abschnitt in formaler Hinsicht für eine geschlossene und ausgewogene Texteinheit. Die Darstellung des Verhandlungsverlaufs und des Ergebnisses (V. 7-29) stamme ganz von Lukas. Er habe sie aber nicht völlig frei gestaltet, sondern dabei auch Elemente aus verschiedenen Überlieferungen aufgenommen und sie miteinander zu einer Einheit verwoben.

 

M. Rothgangel 2001, 237-246 legt dar, dass in Apg 15 nur die V. 1-4 (12b) vom so genannten Jerusalemer Apostelkonvent geprägt seien und im Wesentlichen ab Apg 15,5ff. der Antiochiazwischenfall und seine Lösung die Überlieferungsgrundlage von Apg 15 bildeten.

 

H. Ponsot 2002, 556-586 geht − im Gegensatz zu zahlreichen anderen Auslegern − nicht davon aus, dass es sich bei der in der Apg berichteten Apostelversammlung in Jerusalem um eine einzige Versammlung gehandelt hat. Vielmehr sei von zwei verschiedenen Versammlungen auszugehen, die zwar beide in Jerusalem stattgefunden haben, jedoch in einem mehrjährigen zeitlichen Abstand und mit verschiedenen Teilnehmern. Die erste Versammlung (vgl. Apg 15,1-12; Gal 1,18; 2,7-8) habe sich der Frage gewidmet, ob Heidenchristen beschnitten werden müssen, und habe vermutlich im Jahr 37 n. Chr. zu Beginn der paulinischen Mission stattgefunden. Bei dieser Versammlung hätten sich Paulus und Petrus getroffen und man sei sich bezüglich der zukünftigen Missionsgebiete einig geworden. Die zweite Versammlung dagegen habe sich der Tischgemeinschaft von Juden- und Heidenchristen gewidmet und erst 52 oder 53 n. Chr. stattgefunden, und zwar nach dem "antiochenischen Zwischenfall“. Bei dieser zweiten Versammlung seien Paulus und Petrus aufgrund missionarischer Aktivitäten nicht anwesend gewesen, sondern nur eine antiochenische Gesandtschaft und die Ältesten der Jerusalemer Gemeinde um Jakobus den Herrenbruder (vgl. Apg 15,13-34; Gal 2,1-10). Hier sei das "apostolische Dekret“ über die Tischgemeinschaft verabschiedet worden.

 

R. Pesch 1981, 105-122 geht von den Thesen F. Mußners in dessen Kommentar von 1974 aus, dass trotz der zahlreichen Unterschiede kein Grund zu der Annahme bestehe, Gal 2,1-10 und Apg 15 würden von zwei verschiedenen Ereignissen berichten, und dass vermutlich das "Aposteldekret“ erst einige Zeit nach dem "Apostelkonzil“ zustande gekommen und von Lukas in den Bericht über dasselbe hineingenommen worden sei. R. Pesch stellt nun die Frage, wie Lukas überhaupt dazu kommt, das "Aposteldekret“ in seinen Bericht über das "Apostelkonzil“ hineinzunehmen. Ergebnis: Lukas habe (aus Antiochenischer Tradition) neben dem Bericht über die dortige Gemeindegründung (Apg 11,19-26) einen Bericht über das Jerusalemer Abkommen (Apg 11,27-30; 12,25; 15,1-4.12b) und das Zustandekommen des Aposteldekrets (Apg 10,1-11,18; 15,5-12a.13-33) gekannt. Da ihm daran gelegen sei, die Heidenmission ganz in die Kontinuität der urchristlichen Gemeinde einzubetten und an Jerusalem zurückzubinden, lasse er sie im Werk des Petrus grundgelegt sein. Weil er die Eröffnung der beschneidungsfreien Heidenmission Petrus zuschreibe, dessen Initiative durch die Jerusalemer gebilligt werde, könne er die Berichte über das Jerusalemer Abkommen und die Lösung des Antiochenischen Konflikts zusammenziehen, wobei er freilich die mit dem Jerusalemer Abkommen zusammenfallende Kollekte der Antiochener ablöse und im (vielleicht ursprünglichen) Anschluss an die Erzählung von der Gründung der Gemeinde kurz erwähne; den knappen Bericht schachtele er um die Überlieferung von der Verfolgung durch Agrippa I.

 

R. Trevijano Etcheverría 1997, 295-339 legt dar, dass Apg 9,26-30 auf den authentisch paulinischen Informationen über den ersten Besuch in Jerusalem Gal 1,18-19.21 gründe. Den zweiten, in Gal 2,1-10 thematisierten Besuch in Jerusalem, der die Beschneidungsfrage zum Inhalt gehabe habe, teilten Apg 11,27-30; 12,25 und 15 in zwei (oder sogar drei) Reisen auf. Sei in Gal 2,1-10 von der privaten Vorlage des Evangeliums und von der Übereinkunft mit den Jerusalemer Gemeindeleitern die Rede, so habe bei Lukas eine Reise die Übergabe der antiochenischen Kollekte und die andere Reise die Anerkennung der paulinischen Mission durch eine Apostelversammlung zum Thema. Dabei füge Lukas das "apostolische Dekret“ ein, zu dem es jedoch erst nach dem "antiochenischen Zwischenfall“ (Gal 2,11-14) komme. Die Heidenmission des Petrus (Apg 10,1-11.18; 15,7-9) und die erste Missionsreise des Barnabas und Paulus (Apg 13-14) seien zeitlich nach der Übereinkunft von Jerusalem anzusetzen.

 

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V. 31

 

Beobachtungen: Wie in V. 30 handelt es sich bei den Verben um die dritte Person Plural, weshalb das nicht ausdrücklich genannte Subjekt der Handlungen eine aus mehreren Personen bestehende Gruppe ("sie“) ist. In V. 30 bestand diese Gruppe aus Judas und Silas und wahrscheinlich auch Barnabas und Paulus. Da zwischen V. 30 und V. 31 kein Subjektwechsel zu erkennen ist, ist zunächst anzunehmen, dass Judas und Silas und wahrscheinlich auch Barnabas und Paulus auch den Brief vorgelesen und sich über den Zuspruch gefreut haben. Da sie jedoch nicht Adressaten des Briefes waren und den Inhalt längst kannten, ist unwahrscheinlich, dass es Judas, Silas, Barnabas und Paulus waren, die sich freuten. Die Freude dürfte bei den antiochenischen Heidenchristen aufgekommen sein, aus deren Reihen wahrscheinlich auch die vorlesende Person stammte. Unmerklich hat also zwischen V. 30 und V. 31 ein Subjektwechsel stattgefunden, der in der Übersetzung dadurch kenntlich gemacht werden kann, dass V. 31 mit "Als man [ihn] vorgelesen hatte, freute man sich über den Zuspruch“ statt mit "Als sie [ihn] vorgelesen hatten, freuten sie sich über den Zuspruch“ übersetzt wird.

 

Das Wort "paraklêsis“ kann "Ermahnung“ oder "Zuspruch/Trost“ bedeuten, wobei beide Aspekte gleichzeitig im Blick sein können. In V. 31 liegt der Schwerpunkt auf dem Zuspruch, denn die Adressaten reagierten mit Freude. Den Heidenchristen wurde keine Beschneidung zur Pflicht gemacht und sie brauchten auch das "Gesetz“, die Tora (= die fünf Bücher Mose), nicht in Gänze zu befolgen. Der einzige Aspekt der Ermahnung, der erkennbar ist, ist die Ermahnung, sich bezüglich des Heils nicht auf Beschneidung und Halten des "Gesetzes“ zu verlassen.

 

Weiterführende Literatur: M.-É. Boismard 1988, 433-440 geht davon aus, dass es sich bei Apg 15 um einen komplexen Bericht handele, bei dem zwei verschiedene Berichte miteinander verwoben wurden. Darauf wiesen folgende Beobachtungen hin: V. 1 und V. 5 bildeten eine Dublette; auf die jeweilige Beschneidungsforderung der Verse folge jeweils eine Diskussion (V. 2.7). Der Beschluss der Versammlung in Jerusalem werde auf zweierlei verschiedene Weise den "Brüdern“ in Antiochia überbracht: in V. 27 werde auch mündliche Überbringung erwähnt, gemäß V. 30b-31 werde ein Brief verlesen. Gemäß V. 30b-31 sei der Zuspruch mittels des Briefes erfolgt, gemäß V. 32 durch Worte. Die beiden Berichte entstammten vermutlich nicht dem gleichen historischen Zusammenhang. Der eine Bericht habe seinen historischen Ort in der Folge der Bekehrung des Kornelius und seines "Hauses“ (vgl. Apg 10-11). Der andere Bericht habe seinen historischen Ort im Aufenthalt des Paulus und Barnabas in Antiochia am Orontes, der gemäß dem Bericht der Apg nach der ersten Missionsreise erfolgte.

 

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V. 32

 

Beobachtungen: In V. 32 werden als konkrete Tätigkeiten der Propheten Judas und Silas der Zuspruch und die Stärkung der Gemeinde genannt. Vermutlich kamen die beiden Propheten damit der Aufgabe nach, mündlich die im Brief enthaltenen Bestimmungen zu wiederholen und zu erläutern (vgl. V. 27). Damit taten sie nicht im Sinne von "Sprachrohren Gottes“ den ihnen von Gott selbst vermittelten Willen Gottes kund, sondern den Beschluss der Versammlung der Apostel und Ältesten, der auch als Beschluss des heiligen Geistes verstanden wurde. Dass Judas und Silas die Zukunft vorhersagen konnten, geht aus V. 32 nicht hervor. 11,27 lässt sich entnehmen, dass Judas und Silas nicht die einzigen Jerusalemer Propheten waren, sondern dass es neben ihnen auch noch welche gab, die von Jerusalem nach Antiochia gekommen waren und dort prophezeit hatten (vgl. 11,27). Ob auch Judas und Silas zu dieser Gruppe gehört hatten, zwischenzeitlich jedoch wieder nach Jerusalem zurückgekehrt waren, lässt sich nicht sagen.

Laut dem Codex Bezae Cantabrigiensis waren die Propheten Judas und Silas "voll von heiligem Geist“. Der heilige Geist erscheint gemäß dieser Textvariante also als eine die Prophetie leitende oder bewirkende Kraft.

 

"Brüder“ meint hier nicht "leibliche Brüder“, sondern Glaubensbrüder. Dabei sind wohl die Glaubensschwestern eingeschlossen, die jedoch von der männerzentrierten Sprache, die gemischtgeschlechtliche Gruppen als reine Männergruppen erscheinen lässt, unterschlagen werden.

 

Die Formulierung "dia logou pollou“ ("durch manches Wort“, "durch häufige Rede“) besagt, dass Judas und Silas vielfach den "Brüdern“ durch ihr Reden Zuspruch gaben und sie stärkten. Die Zahl der Worte ist − anders als die durchaus mögliche, allerdings missverständliche Übersetzung "durch viele Worte“ annehmen lässt - nicht entscheidend.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 33

 

Beobachtungen: Auch wenn die Aoriste "parekalesan“ ("sie gaben Zuspruch“) und "epestêrixan“ ("sie stärkten“; vgl. V. 32) nicht die Dauer der Handlungen betonen, so dürften diese doch nicht nur bei der Versammlung der "Menge“ im Anschluss an die Verlesung des Briefes, sondern auch in der folgenden Zeit des Aufenthaltes des Judas und Silas in Antiochia erfolgt sein.

 

Die Formulierung "met' eirênês“ bedeutet wörtlich übersetzt "mit Frieden“. Damit wären Judas und Silas "mit Frieden“ wieder nach Jerusalem entlassen worden. "Mit Frieden“ wäre so zu deuten, dass der Kompromiss, den die Apostel und Ältesten in Jerusalem gefunden hatten, zum Frieden in der antiochenischen Gemeinde geführt hatte und dazu tauglich war, in der ganzen Kirche Frieden zu stiften. In diesem Sinne kann die Übersetzung auch "in Frieden“ lauten. Es ist auch möglich, dass konkret an einen Friedensgruß gedacht ist, mit dem Judas und Silas verabschiedet wurden.

 

Diejenigen, die Judas und Silas gesandt hatten, waren die Apostel und Ältesten der Jerusalemer Gemeinde (vgl. 15,22.25.27). Zu diesen kehrten Judas und Silas nun zurück.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 34

 

Beobachtungen: V. 34 findet sich nicht in dem am besten bezeugten, von Nestle-Aland, 27. Aufl. gewählten Text, sondern nur in Textvarianten. So bieten zahlreiche Minuskeln und (bei geringfügiger Abweichung im Wortlaut) der Codex Ephraemi sowie verschiedene syrische und koptische Übersetzungen den Einschub "(Der) Silas aber beschloss, dort zu bleiben“. Auch der westliche Text geht davon aus, dass Silas in Antiochia geblieben sei, merkt jedoch zusätzlich an: "nur Judas zog nach Jerusalem“ ("nach Jerusalem“ findet sich nur in einem Teil der Textzeugen). Die Textvarianten versuchen wahrscheinlich den (scheinbaren) Widerspruch zwischen V. 33 und V. 40, wo die Anwesenheit des Silas in Antiochia vorausgesetzt wird, auszugleichen. Es ist allerdings möglich, dass vom Verfasser der Apg ein größerer Zeitraum zwischen V. 33 und V. 40 vorausgesetzt wird, womit Silas zwischenzeitlich wieder nach Antiochia zurückgekehrt sein kann.

 

Weiterführende Literatur: É. Delebecque 1984, 47-52 hält die vom Codex Bezae Cantabrigiensis gebotene Textvariante von Apg 15,34 und 15,38 für ursprünglich. Sie führe in V. 34 zu einem guten Übergang von V. 33 hin zu V. 35; in V. 38 unterstreiche sie kraftvoll die Persönlichkeit des Paulus. Die Qualität der Sprache und der Informationsgehalt dieser Textvariante seien Lukas durchaus würdig.

 

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V. 35

 

Beobachtungen: Paulus und Barnabas erscheinen als mit der antiochenischen Gemeinde verbunden. Die Verbindung gründete auf der lehrenden und verkündigenden Tätigkeit, die sie schon zuvor ausgeübt hatten (vgl. 11,26). Welches die vielen anderen Personen waren, die das Wort des "Herrn“ lehrten und verkündigten, bleibt offen. Dass es in Antiochia zahlreiche geeignete Personen gab, geht aus 13,1 hervor, wo neben Paulus (= Saulus) viele andere Propheten und Lehrer genannt werden. 15,35 bestätigt, dass Paulus ein Lehrer war. Ob er auch ein Prophet war, kann allerdings weder aus 13,1 noch aus 15,35 sicher erschlossen werden.

 

Die Formulierung "Wort des Herrn“ ("logos tou kyriou“) ist eine der vom Verfasser der Apg am häufigsten gebrauchten Wendungen. Der Genitiv kann besagen, dass das Wort vom "Herrn“ − Gott oder Jesus Christus - stammt oder den "Herrn“ zum Inhalt hat. Gemeint ist mit dem "Wort“ nicht ein einzelnes Wort, sondern eine Botschaft, nämlich die "frohe Botschaft“ (Evangelium). Sie hat göttliches Heilshandeln − insbesondere Tod und Auferstehung Christi − zum Inhalt, ist also nicht vom Menschen ersonnen. Auch die Art und Weise der Verkündigung der "frohen Botschaft“ ist nicht dem Ermessen des Menschen anheim gestellt. Soll die Verkündigung der "frohen Botschaft“ recht sein, so muss sie vom "Herrn“ bewirkt werden.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Boismard, Marie-Émile; Le "Concile“ de Jérusalem (Act 15,1-33). Essai de critique littéraire, ETL 64/4 (1988), 433-440

Cheung, Alex T. M; A Narrative Analysis of Acts 14:27-15:35. Literary Shaping in Luke’s Account of the Jerusalem Council, WTJ 55/1 (1993), 137-154

Delebecque, Édouard; Silas, Paul et Barnabé à Antioche selon le texte “occidental” d’Actes 15,34 et 38, RHPR 64/1 (1984), 47-52

Neuberth, Ralph; Demokratie im Volk Gottes? Untersuchungen zur Apostelgeschichte (SBB 46), Stuttgart 2001

Pesch, Rudolf; Das Jerusalemer Abkommen und die Lösung des Antiochenischen Konflikts. Ein Versuch über Gal 2, Apg 10,1-11,18, Apg 11,27-30; 12,25 und Apg 15,1-41, in: P.-G. Müller, W. Stenger [Hrsg.], Kontinuität und Einheit, FS F. Mußner, Freiburg i. Br. 1981, 105-122

Ponsot, Hervé; Peut-on encore parler de "concile“ de Jérusalem? À propos d’Ac 15 et de la chronologie paulinienne, RB 109/4 (2002), 556-586

Rothgangel, Martin; Apg 15 als Darstellung des Jerusalemer Apostelkonvents? Eine "einleitungswissenschaftliche“ Reminiszenz, in: J. Frühwald-König u. a. [Hrsg.], Steht nicht geschrieben?, Regensburg 2001, 237-246

Trevijano Etcheverría, Ramón; El contrapunto lucano (Hch 9,26-30; 12,25 y 15,1-35) a Gal 1,18-20 y 2,1-10, Salm. 44/3 (1997), 295-339

Weiser, Alfons; Das “Apostelkonzil” (Apg 15,1-35). Ereignis, Überlieferung, lukanische Deutung, BZ 28/2 (1984), 145-167

 

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