Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Erster Korintherbrief

Der erste Brief des Paulus an die Korinther

1 Kor 3,10-17

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

Wenn Sie diese Bibliographie zum ersten Mal nutzen, lesen Sie bitte die Hinweise zum Gebrauch.

Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

1 Kor 3,10-17

 

 

Übersetzung

 

1 Kor 3,10-17: 10 Gemäß der Gnade (des) Gottes, die mir verliehen wurde, habe ich als weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf weiter baut. 11 Denn einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 12 Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, 13 so wird eines jeden Werk offenbar werden; denn der Tag wird [es] erweisen, weil [er] sich mit Feuer offenbart. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer zeigen. 14 Wenn jemandes Werk, das er darauf baute, Bestand haben wird, so wird er Lohn empfangen. 15 Wenn aber jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden erleiden; er selbst aber wird gerettet werden, jedoch so wie durch[s] Feuer hindurch. 16 Wisst ihr nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist (des) Gottes in euch wohnt? 17 Wenn jemand den Tempel (des) Gottes zugrunde richtet, so wird Gott denjenigen zugrunde richten; denn [der] Tempel (des) Gottes ist heilig - [und] das seid ihr!

 

 

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V. 10

 

Beobachtungen: Das Bild von "Gottes Bau“, das Paulus in 3,9 anführt, liegt dem gesamten Abschnitt 3,10-17 zugrunde.

 

Paulus wurde die Gnade Gottes verliehen, die zur Gemeindegründung führte. Die Gemeindegründung bezeichnet Paulus bildlich als Legen des Fundamentes. Dabei versteht sich Paulus als Baumeister. Welche Aufgaben der Baumeister über das Legen des Fundamentes hinaus hat, wird nicht gesagt.

Paulus bezeichnet sich als "weiser“ Baumeister. In 1 Kor 1-2 hat Paulus zwei Arten der Weisheit beschrieben: die weltliche und die geistliche. Die weltliche dürfte Paulus in 3,10 wohl kaum im Blick haben, wertet er sie doch negativ. In Frage kommt also nur die geistliche Weisheit. Das Fundament der Gemeinde, das der weise Baumeister Paulus legt, besteht also aus dem Wort vom Kreuz, aus der Verkündigung des gnadenvollen Handelns Gottes an den Menschen im erniedrigenden Kreuzestod Jesu Christi. Ob das Adjektiv "weise“ auch die Sachverständigkeit meint, bleibt offen, ist aber gut möglich. Zu beachten ist jedoch, dass diese Sachverständigkeit nicht einem besonderen Können des Paulus zuzuschreiben ist, sondern allein der Gnade Gottes.

 

Auf dem Fundament des Paulus baut "ein anderer“ weiter. Dieser andere wid nicht genauer bestimmt. Dass Apollos gemeint ist, ist eher unwahrscheinlich, denn die Unbestimmtheit und die Zeitform des Präsens - es wird weiterhin gebaut, obwohl Paulus und Apollos aus Korinth abgereist sind - sprechen dagegen. Wahrscheinlicher ist, dass für Paulus hier nicht von Interesse ist, wer weiter baut, sondern dass und wie weiter gebaut wird. Paulus ist wichtig, dass in seinem Sinne am Bau gearbeitet wird, so dass er seinen Worten einen drohenden Beiklang gibt.

 

Weiterführende Literatur: M. Bünker 1984, 56-57 befasst sich unter rhetorischen Gesichtspunkten knapp mit 3,1-17 als "probatio“.

 

C. G. Müller 1995, 80-98 fragt nach dem Bildfeld und Kontext der Bildes der Gemeinde als "Gottes Bau“ und geht der Geschichte der Metaphorik im AT, Judentum, Hellenismus, NT und im kulturübergreifenden Bereich nach. Er untersucht die heuristische und paränetische Valenz, die Verbindung zur nachfolgenden metaphorischen Prädikation und schließlich die Verarbeitung des Bildfelds in weiteren neutestamentlichen Texten. Das Substantiv "oikodomê“ könne Verschiedenes bedeuten: Einen Bau, der schon zum Abschluss gekommen ist, einen Bau, der noch im Entstehen begriffen ist, oder auch das Bauen an sich. Die angeführten Baumaterialien ließen sich nach zwei Kriterien ordnen: nach der Kostbarkeit und nach der Entzündbarkeit bzw. Feuerbeständigkeit. Im Hintergrund der Aufzählung stehe das Bild der Feuerprobe. Die metaphorischen Wendungen seien auf alttestamentlich-jüdischem Hintergrund als traditionell einzustufen. Auch jüdisch-hellenistische Einflüsse seien nicht von vornherein auszuschließen. Ähnliche Wendungen zum "Bau“ ließen sich in verschiedenen Kulturkreisen nachweisen. Mit dem Bild des Baues sei zwar ein statisches Moment vorgestellt, doch sei er eher als Baustelle, auf der fortwährend gearbeitet wird, zu verstehen. Paulus verstehe die Gemeinde als Eigentum Gottes, die Bauleute seien Gottes Mitarbeiter. Paulus habe den Anfang gemacht, das Fundament (= Jesus Christus) gelegt, andere müssten verantwortungsvoll weiterbauen. Die Verbindung der Bilder von Pflanzung, Bau und Tempel finde sich auch in frühjüdischen Texten, insbesondere in Qumran.

 

J. S. Lamp 2000, 180-182 geht knapp auf die Metaphern vom Bau und vom Tempel Gottes ein.

M.-A. Chevallier 1980, 109-129 versucht zu zeigen, dass Paulus die zusammenhängenden Metaphern von der Pflanzung und vom Bau mit seiner traditionellen Bedeutung übernommen habe. Indem er mit ihnen die Tempel-Metapher verbinde, bleibe er gleichen eschatologischen Vorstellungen verhaftet. Nach einer Relecture des Abschnitts bestimmt M.-A. Chevallier die paulinische Ekklesiologie.

 

J. Shanor 1988, 461-471 weist auf eine interessante Konvergenz zwischen 1 Kor 3,9b-17 und einer in Tegea auf der Peloponnes gefundenen Inschrift aus etwa dem 4. Jh. v. Chr. hin. Die Inschrift überliefere einen genau formulierten Bauvertrag. Der Vergleich mit dem Paulustext führe zu der Erkenntnis, dass Paulus nicht nur die Probleme kennt, um die es in solchen Verträgen geht, sondern dass er auch eine Terminologie benutzt, die den Verträgen nahe steht. Dies lasse sich im Detail aufweisen. K. Romaniuk 1991, 164-169 geht von dieser Parallele aus, um anhand des Beispiels der Metapher vom Bau die Stimmigkeit folgender Feststellungen nachzuweisen: Das Lehren mittels der bildhaften Redeweise, die Bilder aus der alltäglichen Wirklichkeit benutzt, solle den Prozess der Übernahme der vermittelten Lehrinhalte erleichtern und eine größtmögliche Effektivität der Lehre sichern. Es ermögliche gewisse Rückschlüsse auf den Lehrenden; mehr noch: es enthülle etwas von seiner Persönlichkeit, besonders von seinem Verhältnis zu Gott.

 

R. Gebauer 2000, 132-148 untersucht den Zusammenhang von Charisma und Gemeindeaufbau, wobei er sich auf die paulinischen Briefe konzentriert. Er geht speziell auf 1 Kor 14 und auf S. 137-142 auf 1 Kor 3,5-17 ein und kommt abschließend auf weitere Texte zu sprechen. In 3,5-17 gehe es sowohl um fundamentalen als auch inneren Gemeindeaufbau. Während ersterer in charismatischer Vollmacht grundlegender, auf Glauben und Entstehung von Gemeinde zielender Christusverkündigung geschehe und in dieser Eigenart dem Apostel obliege, lasse sich für letzteren der charismatische Charakter und die primäre Zuordnung zur innergemeindlichen Verkündigung von Propheten und Lehrern nur vermuten.

 

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V. 11

 

Beobachtungen: Paulus macht deutlich, dass der (theologische) Grund, den er gelegt hat, der maßgebliche ist. Seine Worte lassen durchschimmern, dass in Korinth eine Theologie aufgekommen ist, die nicht mit seiner eigenen übereinstimmt. Im Zentrum dieser Theologie steht nicht Jesus Christus. Mit "Jesus Christus“ meint Paulus sicherlich weniger die Person an sich als das Kreuzesgeschehen, das untrennbar mit der Person Jesu Christi verbunden ist.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 12

 

Beobachtungen: Paulus vergleicht nun die Qualität der Verkündigungstätigkeit nach seinem eigenen, gemeindegründenden Wirken mit den bei einem Bau benutzten Materialien. Dabei hat Paulus sicherlich kein reales Gebäude im Blick, an dem er die Materialien misst, denn Gold und Silber sind noch nicht einmal bei Prunkschlössern das wichtigste Baumaterial; außerdem fehlen wichtige Baustoffe wie gewöhnliche Steine, Ziegel oder Lehm. Es ist zunächst anzunehmen, dass es Paulus um den Wert und um die Festigkeit des Baumaterials geht. Da Gold und Silber kostbar und fest sind, dürfte ihnen wohl der höchste Wert zukommen. Gleich danach kommen in der Rangfolge die kostbaren Steine, wobei nicht klar ist, ob Edelsteine oder kostbare Quadersteine gemeint sind. Das Holz dürfte vom Wert und der Stabilität her durchschnittlich sein. Da die Holzart vermutlich keine Rolle spielt, wird sie nicht genannt. Unter dem Gesichtspunkt des Wertes und der Stabilität sind das trockene Gras, das Heu, und die trockenen Getreidehalme, das Stroh, am schlechtesten zu bewerten. Paulus’ Aufzählung der Baustoffe entspricht also genau der Reihenfolge des materiellen Wertes und der Festigkeit.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 13

 

Beobachtungen: Laut V. 13 erweist der "Tag“, wie das Werk eines jeden beschaffen ist. Bei dem "Tag“ dürfte es sich um den "Tag des Herrn“, also um die Wiederkunft Christi handeln. Er erweist es deshalb weil er mit dem Feuer verbunden ist. Dieses zeigt nun an, was von dem Werk eines jeden zu halten ist. Nicht auf den Wert oder die Stabilität des Materials kommt es im Wesentlichen an, sondern auf dessen Verhalten im Feuer. So wie die Materialien ein Bild für die Qualität der jeweiligen Verkündigung sind, so ist auch das Feuer als Bild zu verstehen, und zwar als Bild für die eingehende Prüfung.

 

Zu beachten ist, dass sich V. 13 syntaktisch verschieden auffassen lässt. Die erste Möglichkeit ist, dass "das Werk“ ("to ergon“) das Objekt von "erweisen“ ("dêloô“) ist. Dann wäre die oben gebotene Übersetzung zu wählen. Nimmt man jedoch an, dass "das Werk“ das Subjekt von "sich offenbaren / offenbart werden“ ("apokalyptomai) ist, dann lautet die Übersetzung: "...so wird eines jeden Werk offenbar werden; denn der Tag wird erweisen, dass es im Feuer offenbart wird.“ Aber würde in diesem Fall der folgende Satz "Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer zeigen.“ nicht wiederholen, was schon vorher ausgesagt worden ist? Dagegen lässt sich einwenden, dass "sich offenbaren / offenbart werden“ in einer präsentischen Verbform, "zeigen“ dagegen in einer futurischen Verbform steht. Somit könnte der V. 13 abschließende Satz die generelle Aussage des vorhergehenden dahin gehend konkretisieren, was in Zukunft passieren wird.

 

Die Vorstellung, dass Gott mit Feuer Gericht hält, findet sich schon im AT (Jes 66,15-16; Mal 3,2-3.19), wonach die Gläubigen und die Ungläubigen durchs Feuer hindurch müssen und verbrannt oder (nach Läuterung) gerettet werden.

 

Weiterführende Literatur: H. W. Hollander 1993, 242-244 geht auf das Problem ein, dass im griechischen Text das zum Verb "apokalyptetai“ ("sich offenbaren / offenbart werden“) gehörige Subjekt fehlt. Es stellt sich die Frage, was sich offenbart oder offenbar wird: "es / das Werk“ oder "er / der Tag (des Herrn)“? H. W. Hollander geht davon aus, dass "das Werk“ Subjekt sei. Dabei fügt er zur Beobachtung, dass dieses Subjekt gut in den Kontext passe, weitere Argumente hinzu.

 

W. Radl 1981, 99-105 befasst sich mit 3,12-15 unter traditionsgeschichtlichen Aspekten. Zunächst geht er auf den Einfluss der Tradition auf die Vorstellung vom Tag der Feuerprobe ein. Dabei unterstreicht er, dass es in diesem Text im Gegensatz zu vielen anderen um das prüfende und nicht um das vernichtende Feuer gehe. Er vergleicht 3,12-15 mit TestAbr XIII und kommt zu dem Ergebnis, dass die Parallelität keine direkte Abhängigkeit des Paulus beweise, aber auch kein Zufall sei. Wahrscheinlich bedienten sich beide Texte derselben traditionellen Topoi. Danach geht er auf die Frage der Qualität des weiteren Baus und auf die Feuerprobe ein. Er geht von vier Feuer-Motiven in V. 13-15 aus: brennendes Haus, mit Feuer erscheinender Tag des Herrn, Feuerprobe (= Schwerpunkt), Rettung "wie durch Feuer“. Bei dem letzten Motiv liege eine Redensart vor, die das knappe Davonkommen beschreibe. Ähnlich ist die Fragestellung von H. W. Hollander 1994, 89-104, der der Frage nachgeht, ob die Gerichtsdarstellung auf traditionellen Topoi basiert oder ob sie eine paulinische Eigenheit darstellt. Ergebnis: Traditionell sei wohl die Vorstellung der Prüfung der Menschen durch das Feuer, die TestAbr 12-13 und 1 Kor 3,13-15 vermutlich unabhängig voneinander übernommen hätten, wobei Paulus diese Vorstellung ausgearbeitet habe. Dass Paulus von einer Prüfung der Werke spreche, hänge damit zusammen, dass die Prüfung des Menschen durch das Feuer mit dem Lohnempfang aufgrund der Werke verbunden sei. Beide Motive hätten einen zentralen gemeinsamen Aspekt: die grundsätzliche Unparteilichkeit und Objektivität von Gottes Gericht. Auffällig sei, dass TestAbr 12-13 zwar von der Prüfung der Werke der Menschen spreche, in der eigentlichen Gerichtsszene jedoch die Seelen geprüft werden.

Auch C. A. Evans 1984, 149-150 sieht TestAbr XIII als Parallele und Vorlage von 1 Kor 3,13-15 an. Die Aussage von 1 Kor 3,15b, dass sogar jemand gerettet werde, dessen Werk im prüfenden Feuer nicht besteht, weiche jedoch von der Parallele ab. Die Prüfung der Werke der Apostel durch das Feuer sei nicht mit dem Jüngsten Gericht zu verwechseln, sondern ihr Ergebnis sei Ausgangsbasis für das endgültige Urteil. Ähnlich M. Klinghardt 1997, 59-61, der davon ausgeht, dass die Formulierung "Rettung, aber wie aus Feuer“ weder ein Purgatorium (Fegefeuer) noch ein Entkommen aus dem Vernichtungsgericht bezeichne, sondern vielmehr die Überprüfung der Werke. Dass der unqualifizierte Apostel gerettet wird, sei nicht zu bezweifeln. Da nach TestAbr 13 aber derjenige, dessen Werk verbrennt, verurteilt wird, erhebe sich die Frage, was denn den schlechten Apostel zur Rettung qualifiziert. Antwort: Selbst wenn man davon ausgehe, dass für Paulus das "posse non peccare“ (= die faktische Abwesenheit von Sünden) der Christen möglich und normal war, sei doch eindeutig, dass Paulus das Phänomen christlicher Sünden (im Gegensatz zur Annahme der liberalen Theologie) kennt, auch wenn er sie in der Regel (im Gegensatz zu Luther) nicht so nennt. Die Möglichkeit zur Rettung trotz solcher Verfehlungen beruhe auf der Validität der Erwählung bzw. des Bundesverhältnisses und der darin implizierten Möglichkeit, Verfehlungen durch Züchtigung zu tilgen.

 

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V. 14

 

Beobachtungen: Paulus konkretisiert, welches Verhalten des Materials im Feuer des "Tags“ gefordert ist: Es muss Bestand haben. Wenn dies der Fall ist, so erhält der Prediger bzw. "Mitarbeiter Gottes“ Lohn. Wie der Lohn beschaffen sein wird, sagt Paulus nicht.

Am ehesten dürften wohl Gold und Silber und kostbare Steine im Feuer Bestand haben. Gold und Silber werden wohl schmelzen, aber nicht verbrennen. Auch kostbaren Steinen dürfte das Feuer nicht allzu viel anhaben. Es fällt auf, dass im Hinblick auf die Feuerfestigkeit unerheblich ist, wie kostbar die Steine sind. Dies zeigt, dass die Feuerfestigkeit zwar der wesentliche Aspekt für die Bewertung des Materials ist, zusätzlich aber auch der Wert des Materials eine Rolle spielt, was die erste Annahme (vgl. V. 12) zumindest im Ansatz bestätigt.

 

Weiterführende Literatur: B. Byrne 1987, 83-87 legt dar, dass in 1 Kor 1,10-4,21 drei Themen im Vordergrund ständen: Spaltungen in der Gemeinde; Weisheitspredigt; die rechte Bewertung des christlichen Dienstes. Diese Themen seien ineinander verwoben, so dass ihr Verhältnis untereinander zu klären sei. Außerdem sei nach Ursache und Symptom der korinthischen "Krankheit“ zu fragen. Frühere exegetische Studien hätten die Parteiungen fokussiert, später hätten Exegeten aber auch eine christologische Häresie in Korinth angenommen. Die meisten Exegeten nähmen jedoch an, dass die falsche Erwartung, dass die Prediger Weisheit predigen sollten, Schuld an den Streitigkeiten sei. B. Byrne unterstreicht, dass Paulus’ Dienstverständnis theozentrisch sei und das Kreuz in den Mittelpunkt stelle. Mit dem rechten Verhältnis zu Gott sei auch die Bewahrung der menschlichen Würde und Freiheit und das rechte Verhältnis zur Welt verbunden.

 

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V. 15

 

Beobachtungen: Verbrennen dürften wohl Holz, Heu und Stroh. Wer also mit Holz, Heu oder Stroh auf dem von Paulus gelegten Fundament weiter baut, der wird am "Tag“ Schaden erleiden. Damit ist vermutlich eine Bestrafung gemeint. Die Bestrafung wird jedoch nicht so hart sein, dass der Mensch zugrunde geht. Damit gleicht der unbefriedigende Verkündiger einem "Holzscheit, das aus dem Feuer gerissen wird“ (vgl. Am 4,11; Sach 3,2) und damit ankohlt, aber nicht verbrennt. Mehr sagt Paulus zur Bestrafung nicht.

Mit 3,15 wurde seit frühchristlicher Zeit die Vorstellung vom "Fegefeuer“ begründet, doch sprechen zwei Argumente gegen eine solche Begründung: Erstens ist nicht von einer Läuterung die Rede, sondern von einem Schaden, den der fehlgeleitete Verkündiger am "Tag“ erleidet. Zweitens ist das Feuer nicht wörtlich zu nehmen, sondern es handelt sich um ein Bild für die eingehende Prüfung. Allerdings haben 3,15 und das Dogma vom Fegefeuer gemeinsam, dass beide die Härte des Dualismus Verwerfung - Eingehen zu Gott bzw. Jesus Christus zu lindern suchen, indem sie einen Mittelweg finden, der schließlich doch zu Gott bzw. Jesus Christus hinführt.

 

Weiterführende Literatur: R. L. Yinger 1999, 215-222 geht auf die Baumetapher ein und geht speziell der Frage nach, wie V. 15b zu deuten sei. Er setzt sich mit der These auseinander, dass es sich bei dem Halbvers um einen nachträglichen Einfall oder um eine Korrektur der vorausgehenden Aussage handele, die deutlich mache, dass trotz der Zerstörung des Werks im Feuer der Missionar nicht in Mitleidenschaft gezogen werde. R. L. Yinger sieht dagegen V. 15b nicht als nachträglichen Einfall oder als Korrektur an, sondern, sondern als Intensivierung der vorhergehenden Warnung. Die Betonung liege auf "wie durchs Feuer hindurch“, also auf der Knappheit der Rettung.

J. R. Busto Saiz 1993, 333-338 fragt nach der Bedeutung von V. 15b. Die Bedeutung sei unklar; die Deutung, dass von einer haarscharfen Rettung die Rede sei, keinesfalls zwingend. Auch habe die Fegefeuer-Deutung keinen Anhaltspunkt im Text. Nach einer Analyse von 3,12-15 samt Kontext kommt er zu dem Ergebnis, dass (mit Anmerkungen) "…así pues, éste (que digo) será salvado [(o no,)] del mismo modo que [una construcción resiste (o no,) cuando es probada] por el fuego.“ zu übersetzen sei. Jeder frühchristliche Missionar bestehe also so im Feuer wie sein Werk. Damit entspreche die Aussage V. 8: "Jeder aber wird seinen besonderen Lohn empfangen nach seiner besonderen Arbeit.“ Diese Konzeption ergänze die Vorstellung von der Rechtfertigung durch Glauben.

 

R. Herms 2006, 187-210 geht der Frage nach, inwieweit es zwischen der Symbolwelt des Apostels Paulus und jüdischen eschatologischen Traditionen, wie man sie im Äthiopischen Henochbuch (1 Hen) 50 finde, Anknüpfungspunkte gibt. R. Herms vermag keine direkte Abhängigkeit eines Textes vom anderen zu erkennen. Allerdings gebe es symbolische und rhetorische Ähnlichkeit zwischen 1 Kor 3 und der Vorstellung von 1 Hen 50, wonach es eine Gruppe "Anderer“ gebe, die zwar gerettet werden könnten, aber ohne Ehre.

 

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V. 16

 

Beobachtungen: Statt von den Baumaterialien spricht Paulus nun von der Art des Baus. Er bezeichnet die Adressaten als "Tempel Gottes“. Dieser "Tempel“ soll aus wertvollen und (feuer)beständigen Materialien gebaut sein, d. h. im übertragenen Sinn, dass er mittels rechtmäßiger Verkündigung aufgebaut und beständig sein soll.

Die vorwurfsvolle Frage "Wisst ihr nicht,...?“ macht deutlich, dass einige Christen, die am Gemeindeaufbau beteiligt sind oder waren, nicht der paulinischen theologischen Lehre folg(t)en und Paulus somit das Wesen der Gemeinde ins Bewusstsein rufen muss.

 

Alle Gemeindeglieder bilden gemeinsam - nicht der Körper jedes Gemeindegliedes für sich! - einen Tempel Gottes. In diesem wohnt der Geist Gottes. Dabei sagt Paulus nicht, wie der Geist Gottes wirkt.

 

Dass Paulus die Adressaten als "Tempel Gottes“ bezeichnet, ist insofern bemerkenswert, als zur Zeit der Abfassung des Ersten Korintherbriefes der Jerusalemer Tempel noch existiert. Da Paulus Jude ist, ist eigentlich dieser Jerusalemer Tempel und die Vorstellung der dortigen "Einwohnung“ Gottes auch für ihn maßgeblich. Seine Worte zeigen jedoch, dass er sich als Christ im Hinblick auf das Verständnis der Gemeinde Gottes und ihren Kult vom jüdischen Glauben entfernt hat

 

Weiterführende Literatur: C. G. Müller 1995, 98-112 fragt nach dem Bildfeld und Kontext der Bildes der Gemeinde als "Tempel Gottes“ und geht der Geschichte der Metaphorik im AT, Judentum, Hellenismus, NT und im kulturübergreifenden Bereich nach. Er untersucht die heuristische und paränetische Valenz, die Verbindung zur nachfolgenden metaphorischen Prädikation und schließlich die Verarbeitung des Bildfelds in weiteren neutestamentlichen Texten. Wir hätten es mit einem aus jüdischem Kontext stammenden Bild zu tun, wie vor allem die Texte aus Qumran und die frühjüdischen Texte, die von der Erwartung eines eschatologischen Heiligtums sprechen, belegten. Die Spiritualisierung des Tempelbegriffs, wie sie in Qumran, in der Urgemeinde und bei Paulus zu beobachten sei, habe hier ihren Hintergrund. Zu beachten sei allerdings, dass Paulus nicht wie die Qumran-Essener die endzeitlich-eschatologische Wiederherstellung des Tempels von Jerusalem erwartete. Der ermahnende Charakter der paulinischen Aussagen sei unverkennbar.

 

C. Böttrich 1999, 411-425 legt zunächst die jahrzehntelang vorherrschende These bezüglich der paulinischen Tempelmetaphorik dar. Sie gehe davon aus, dass nach urchristlichem Verständnis durch die Offenbarung Gottes in Jesus Christus eine Substituierung des Jerusalemer Tempelkultes erfolge und alle kultische Terminologie im Sprachgebrauch der christlichen Gemeinde deshalb Ausdruck einer Spiritualisierung kultischer Vollzüge sei. Die paulinische Tempelmetaphorik sei das Ergebnis einer Abkehr von dem bestehenden Heiligtum. Diese These sei in den letzten Jahren zunehmend in Frage gestellt worden. Denn wo vom Tempel die Rede ist, gehe es nie allein um das Bauwerk in Jerusalem. Der Kult in Jerusalem sei stets von einer umfassenderen Theorie getragen gewesen, die sich auch als "Tempelidee“ oder "Tempelkonzept“ bezeichnen lasse. Es liege nahe, dass Paulus mit der Tempelmetapher auf dieses Konzept statt allein auf den realen Tempel Bezug nimmt. Zuletzt habe G. Hagenow dieses sog. Tempelkonzept in Auswertung der bisherigen Forschung herauszuarbeiten versucht und dessen Anwendung vor allem in den nachpaulinischen und nachapostolischen Schriften verfolgt. C. Böttrich geht auf die paulinischen Aussagen (1 Kor 3,16-17; 6,16; 6,19) ein, die von G. Hagenow bewusst ausgeblendet worden seien. Fazit: Die paulinische Metaphorik beziehe sich auf die Idee, die dem realen Tempelkult zugrunde liege. Paulus gehe es nicht um Abgrenzung, sondern vielmehr um Anknüpfung. Er greife auf das Konzept zurück, weil er mit der Tempelmetapher nicht allein Judenchristen anzusprechen, sondern auch Heidenchristen zu erreichen vermöge.

Verschiedene Aspekte kultischer Symbolsprache beleuchtet H.-J. Klauck 1983, 107-118, der auf S. 108-109 konkret auf die Tempelmetaphorik in 1 Kor 3,16-17 eingeht. Paulus zeige sich an dieser Stelle beeinflusst von der jüdischen Erwartung des neuen Tempels der Endzeit (vgl. etwa Jub 1,17). Dabei werde der Tempelbegriff (wie in Qumran) auf die Gemeinde übertragen und im wortwörtlichen Sinn "spiritualisiert“.

 

1 Kor 3,16-17 stehe gemäß J. Becker 2006, 9-25 in der paulinischen Ekklesiologie alleine da. Die Metaphorik vom Tempel Gottes erscheine zwar in 1 Kor 6,19 noch einmal, jedoch hier individualisiert auf den "Leib“ des Menschen hin. Das sei uminterpretierte Aufnahme von 3,16-17. Sonst könne Paulus den Zusammenhang von heiligem Geist und Heiligung ohne das Tempelmotiv aufbauen. Auch die Hauptstichworte der paulinischen Ekklesiologie, nämlich "in Christus“ und "Leib Christi“, hätten mit der Tempelmetaphorik nichts zu tun. Dieser Befund singulärer Verwendung stütze die Annahme, dass in 1 Kor 3,16-17 Tradition vorliegt. Wahrscheinlich gebe 3,16-17 das Kirchenverständnis der frühen Jerusalemer Urgemeinde wieder, und zwar der gesamten Urgemeinde aus "Hebräern“ und "Hellenisten“. Da die Tradition griechisch vorliegt, sei sie offenkundig von den "Hellenisten“ weitergegeben worden.

 

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V. 17

 

Beobachtungen: In V. 17 verschärft Paulus plötzlich den Ton: Hatte er in den vorhergehenden Versen von schlechten Baumaterialien und der Errettung der schlecht Bauenden aus dem Feuer gesprochen, so geht es nun darum, dass Christen den Tempel zugrunde richten und sie dafür von Gott zugrunde gerichtet werden. Paulus scheint die Lage in Korinth sehr ernst zu nehmen. Er sieht die Gemeinde, den "Tempel Gottes“, als gefährdet an, und zwar bis ins Fundament hinein. In V. 17 ist sicherlich nicht mehr von Christen die Rede, deren Predigt und vielleicht auch weitere Gemeindearbeit - warum auch immer - nur unbefriedigend ist, sondern es geht um Gemeindeglieder, die den "Tempel Gottes“ mit falscher Lehre und unchristlichem Verhalten - dazu gehört vermutlich auch das Fördern von Spaltungen - zugrunde richten und letztendlich vernichten. Wen Paulus konkret im Auge hat, ist nicht sicher.

 

Das Vernichten des "Tempels Gottes“ erfolgt in der Gegenwart, das Vernichten der Vernichter erfolgt dagegen in der Zukunft. Die harte Reaktion Gottes lässt sich mit der Heiligkeit des "Tempels Gottes“ erklären, die nicht angetastet werden darf.

 

Das abschließende "[und] das seid ihr!“ ruft den Korinthern nochmals nachdrücklich ins Bewusstsein, dass sie der "Tempel Gottes“ und somit heilig sind. Daher ist an Verkündigung und christliches Verhalten ein hoher Anspruch anzulegen.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Becker, Jürgen; Die Gemeinde als Tempel Gottes und die Tora, in: D. Sänger, M. Konradt [Hrsg.], Das Gesetz im frühen Judentum und im Neuen Testament (NTOA 57), FS C. Burchard, Göttingen 2006, 9-25

Böttrich, Christfried; “Ihr seid der Tempel Gottes”: Tempelmetaphorik und Gemeinde bei Paulus, in: B. Ego u. a. [Hrsg.], Gemeinde ohne Tempel (WUNT 118), Tübingen 1999, 411-425

Bünker, Michael; Briefformular und rhetorische Disposition im I Korintherbrief, Göttingen 1984

Busto Saiz, Jose Ramon; ?Se salvera como atravesando fuego? 1 Cor 3,15b reconsiderado, EstE 68/226 (1993), 333-338

Byrne, Brendan; Ministry and Maturity in 1 Corinthians 3, ABR 35 (1987), 83-87

Chevallier, Max-Alain; La construction de la communauté sur le fondement du Christ (I Co 3,5-17), in: L. de Lorenzi [ed.], Paolo a Una Chiesa Divisa (1 Cor 1-4), (Serie Monografica di “Benedictina”: Sezione biblico-ecumenica 5), Roma 1980, 109-129

Evans, Craig A.; How are the Apostles Judged? A Note on 1 Corinthians 3:10-15, JETS 27 (1984), 149-150

Gebauer, Roland; Charisma und Gemeindeaufbau. Zur oikodomischen Relevanz der Paulinischen Charismenlehre, in M. Karrer u. a. [Hrsg.], Kirche und Volk Gottes, Neukirchen-Vluyn 2000, 132-148

Herms, Ronald; “Being Saved without Honor”: A Conceptual Link between 1 Corinthians 3 and 1 Enoch 50?, JSNT 29/2 (2006), 187-210

Hollander, Harm W.; Revelation by Fire: 1 Corinthians 3.13, BiTr 44/2 (1993), 242-244

Hollander, Harm W.; The Testing by Fire of the Builders’ Works: 1 Corinthians 3.10-15, NTS 40 (1994), 89-104

Klauck, Hans-Josef; Kultische Symbolsprache bei Paulus, in: J. Schreiner [Hrsg.], Freude am Gottesdienst, FS J. G. Plöger, Stuttgart 1983, 107-118

Klinghardt, Matthias; Sünde und Gericht von Christen bei Paulus, ZNW 88/1-2 (1997), 56-80

Lamp, Jeffrey S.; First Corinthians 1-4 in Light of Jewish Wisdom Traditions (SBEC 42), Lewiston et al. 2000

Müller, Christoph Gregor; Gottes Pflanzung − Gottes Bau − Gottes Tempel: die metaphorische Dimension paulinischer Gemeindetheologie in 1. Kor. 3,5-17 (Fuldaer Studien 5), Frankfurt a. M. 1995

Radl, Walter; Ankunft des Herrn. Zur Bedeutung und Funktion der Parusieaussagen bei Paulus (BET 15), Frankfurt a. M. 1981

Romaniuk, Kazimierz; “…wie ein guter Baumeister…” (1 Kor 3,9b-17), in: J. J. Degenhardt [Hrsg.], Die Freude an Gott − unsere Kraft, FS O. B. Knoch, Stuttgart 1991, 164-169

Shanor, Jay; Paul as Master Builder. Construction Terms in First Corinthians, NTS 34 (1988), 461-471

Yinger, Kent L.; Paul, Judaism, and Judgment according to Deeds (SNTS.MS 105), Cambridge 1999

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