Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Erster Korintherbrief

Der erste Brief des Paulus an die Korinther

1 Kor 11,23-34

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

1 Kor 11,23-34

 

 

Übersetzung

 

1 Kor 11,23-34:23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er [das] Brot, 24 dankte und brach’s und sprach: "Das ist mein Leib, der für euch [gegeben wird]; das tut zu meinem Gedächtnis!“ 25 Desgleichen [nahm er] auch den Becher nach dem Mahl und sprach: "Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr [daraus] trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ 26 Denn sooft ihr [von] diesem Brot esst und [aus] dem Becher trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. 27 Wer nun unwürdig [von] dem Brot isst oder [aus] dem Becher des Herrn trinkt, wird schuldig am Leib und Blut des Herrn. 28 [Der] Mensch prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke aus dem Becher. 29 Denn wer isst und trinkt, der isst und trinkt sich selbst zu[m] Gericht, wenn er den Leib nicht unterscheidet. 30 Darum sind unter euch auch viele Kranke und Schwache, und nicht wenige sind entschlafen. 31 Würden wir uns selbst richtig beurteilen, so würden wir nicht gerichtet. 32 Indem wir aber vom Herrn gerichtet werden, werden wir erzogen, damit wir nicht zusammen mit der Welt verdammt werden. 33 Also, meine Geschwister, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, wartet aufeinander. 34 Hat jemand Hunger, so esse er daheim, damit ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das Übrige aber werde ich anordnen, sobald ich komme.

 

 

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V. 23

 

Beobachtungen: Paulus begründet nun, warum er das Verhalten der korinthischen Gemeindeglieder, die das Gemeinschaftsmahl vorzeitig beginnen, missbilligt. Er bezieht sich auf, das, was er vom "Herrn“, Jesus Christus, empfangen und auch den Korinthern überliefert hat, und zwar die folgenden Abendmahlsworte. Wann er diese empfangen hat, sagt Paulus nicht. Es ist nicht gesagt, dass Paulus die Worte vom "Herrn“ persönlich hat, denn dann wäre zunächst an das Damaskuserlebnis zu denken. Eher ist anzunehmen, dass Paulus die Abendmahlsworte auf indirektem Wege über Anhänger Christi übermittelt wurden. Auch dann hätte er sie vom "Herrn“, dem Ursprung der Tradition, empfangen, nur eben auf indirektem Wege.

Auch wird auch nicht ausdrücklich gesagt, wann Paulus die Worte den Korinthern überliefert hat. Es ist davon auszugehen, dass dies bei der Gemeindegründung in Korinth geschehen ist, denn Paulus selbst dürften die Worte kurz nach seiner eigenen Bekehrung zu Ohren gekommen sein. Es ist kaum anzunehmen, dass Paulus von den für den christlichen Glauben zentralen Worten erst vor kurzer Zeit erfahren haben sollte.

 

Paulus zitiert nun die Abendmahlstradition samt den Worten, die Jesus bei seinem letzten Mahl mit den Jüngern vor seinem Verrat und Tod gesprochen hat. Den Adressaten des Briefes sind die Worte schon bekannt, doch ist deren tiefere Bedeutung in Vergessenheit geraten. Das dürfte der Grund sein, weshalb Paulus sie an dieser Stelle in Erinnerung ruft.

 

Weiterführende Literatur: Einen Überblick über Konsens und Dissens der Ausleger zu den verschiedenen Streitfragen im Hinblick auf die Texte 1 Kor 10,3-4.16-17; 11,17-34; 16,20-22 bietet W. Schrage 1996, 191-198.

 

T. Engberg-Pedersen 1991, 592-627 legt 11,17-34 aus und zieht aus der Exegese Schlüsse im Hinblick auf die Theologie des Paulus im Allgemeinen.

Auf verschiedene Auslegungsprobleme bezüglich 11,17-34 geht kurz C. Perrot 1983, 94-96 ein. E. Ruckstuhl 1988, 69-99 widmet sich verschiedenen Auslegungsproblemen, die konkret mit den Abendmahlsworten zusammenhängen.

 

Das Herrenmahl hat auch J. D. G. Dunn 1998, 599-624 zum Thema. Er befasst sich dabei mit folgenden Aspekten: Problematik der Bewertung von Paulus’ Herrenmahls-Theologie, Einflüsse seitens anderer Religionen, die Herkunft des Sakraments, die Situation in Korinth. Bezüglich der paulinischen Herrenmahls-Theologie geht J. D. G. Dunn auf das geistliche Essen, die Teilhabe am einen Leib und die Christologie ein.

 

D. Horrell 1995, 196-202 befasst sich mit der (v. a. gesellschaftlichen) Situation in Korinth, die den Hintergrund von 10,16-17 und 11,27-34 bildet, und mit Paulus’ Antwort und wirft Fragen bezüglich der gegenwärtigen eucharistischen Praxis auf.

 

F. Hahn 1986, 23-33 untersucht, wie die drei Texte, in denen sich Paulus über das "Herrenmahl“ äußert (1 Kor 10,[1/]3-4; 10,16-22; 11,17-34), aufeinander zu beziehen sind. Es empfehle sich dabei, von 1 Kor 11,17-34 auszugehen, weil hier ein eindeutiger Bezug auf vorpaulinische Tradition vorliege, dann die beiden Stellen in 1 Kor 10,(1/)3-4 und 10,16-22 zu besprechen, und im Anschluss daran ihre wechselseitige Beziehung zu erörtern.

 

J. A. Gibbs 1995, 148-163 geht der Frage nach, welche Aussagen die Texte 1 Kor 10,14-22 und 11,17-34 zu einem Abendmahl machen, das bei dem Gottesdienst Anwesende ausschließt. Dabei versucht er auch für Nichtlutheraner und darüber hinausgehend auch für Nichtchristen verständlich zu schreiben.

 

O. Hofius 1988, 371-408 befasst sich mit der Herrenmahlsparadosis 1 Kor 11,23b-25 selbst sowie dem Kontext 1 Kor 11,17-34, in dem sie ihren Ort habe und auf den sie bezogen sei. Dabei gehe es um drei unlöslich miteinander verbundene Fragenkomplexe: Es solle erörtert werden, welche Funktion der Herrenmahlsparadosis in dem genannten Kontext zukommt, wie Paulus selbst in diesem Zusammenhang die Aussagen des von ihm zitierten Textes verstanden hat und welche Rückschlüsse auf die liturgische Gestalt des Herrenmahls aus der Paradosis einerseits und ihrem Kontext andererseits gezogen werden können.

 

S. K. Stowers 1996, 68-83 meint, dass neuere Forschungsarbeit zur Rhetorik von 1 Kor 10-11 zu stark den Aspekt der Einheitlichkeit betont hätten. Er selbst macht dagegen deutlich, dass in den beiden Kapiteln die Spannungen zwischen den verschiedenen ritualisierten Formen des Essens widergespiegelt würden, und legt dar, welche Stellung das Essen im Rahmen des Herrenmahls aus soziologischer Sicht einnimmt.

 

J. A. Díaz 1999, 31-61 befasst sich mit den Besonderheiten der paulinischen Eucharistievorstellung: die Vernachlässigung der eigentlichen Mahlzeit im Hinblick auf das letzte Abendmahl Jesu und die Hervorhebung des Gedächtnisaspektes. Er bezeichnet diese Besonderheiten als "eucharistische Reform“, wobei er eine Parallele zur "deuteronomischen Kultreform“ sieht. Die paulinische Eucharistievorstellung wird schließlich mit Aussagen verschiedener Texte des 2. Jhs. zum christlichen Gemeinschaftsmahl bzw. zur Eucharistie verglichen.

 

H. Maccoby 1991, 247-267 geht der Frage nach, ob Paulus Jesu Abendmahlsworte von den Leitern der Jerusalemer Gemeinde überliefert bekommen oder ob er sie in einer persönlichen Offenbarung empfangen hat. Seiner Meinung nach sei die Annahme früherer Exegeten, dass Paulus in V. 23 von einer persönlichen Vision spreche, vorschnell aufgegeben worden.

 

A. Heindl 2009, 63-70 geht der Frage nach, ob Judas im paulinischen Schrifttum Erwähnung findet. Ergebnis: Paulus nenne Judas niemals beim Namen. Dass er sich implizit auf ihn beziehen soll, könne für 1 Kor 15,5 als so gut wie ausgeschlossen gelten und erscheine im Blick auf 1 Kor 11,23 mehr als unsicher. Dieser Befund passe zu der Tatsache, dass Paulus an den historischen Umständen des Prozesses Jesu, an den Vorgängen, die konkret zu seiner Exekution führten, keinerlei Interesse zeige.

 

E. B. Aitken 1997, 359-370 untersucht, welche Konsequenzen es im kultischen Rahmen der korinthischen Gemeinde hat, dass Worte und Taten Jesu für autoritativ gehalten werden und ihrer gedacht wird. Der Aufsatz ist Teil einer umfassenderen Untersuchung, die die Richtigkeit der These überprüfen soll, dass das Gedenken an Jesu Leiden und Tod, die Passionserzählung, sich in Beziehung zur kultischen Praxis kultischen Praxis verschiedener frühchristlicher Gemeinden entwickelt habe.

 

E. Reinmuth 1995, 13-27 versucht, am Beispiel des Ersten Korintherbriefes auf die mimetische Kompetenz des Erzählers Paulus hinzuweisen, die zu den Voraussetzungen seiner Verwendung narrativer Elemente in argumentativen Zusammenhängen gehöre. Dabei wendet er sich abschließend konkret dem detailliertesten narrativen Teilstück, der Abendmahlsparadosis 11,23b-25, zu.

 

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V. 24

 

Beobachtungen: Jesus handelte wie ein Hausherr. Zunächst nahm er jüdischer Sitte gemäß das Brot. Welches der Inhalt des Dankgebets war, wird nicht gesagt. Am ehesten ist an den Lobpreis zu denken, der zu Beginn des Mahls vom Gastgeber gesprochen wurde. Er lautete "Gepriesen seist du, JHWH/Adonaj, unser Gott, König der Welt, der Brot aus der Erde hervorgehen lässt.“ (vgl. mBer 6,1). Auch könnte der dritte (oder vierte) Becher des Passamahles gemeint sein (vgl. mPes 10,7), doch lässt sich aus Paulus’ Worten nicht erschließen, dass es sich bei Jesu letztem Mahl mit den Jüngern um ein Passamahl handelte.

 

Nach dem Lobpreis wurde das Brot - vermutlich ein Brotfladen - gebrochen und weitergereicht. Das Weiterreichen erwähnt Paulus nicht, doch wird man sich dies zu denken haben.

 

Jesus deutete das Brot auf seinen Leib, der für die Jünger (hin)gegeben wird. Damit ist auf das zur Sündenvergebung führende Kreuzigungsgeschehen angespielt. Die Hingabe des Leibes erfolgt im Hinblick auf alle Jünger, genauso wie auch das Brot alle erhalten. Daher ist es nicht angemessen, dass einige korinthische Gemeindeglieder aus dem "Herrenmahl“ ein Privatvergnügen machen.

Das "Herrenmahl“ ist ein Gemeinschafts- und Gedächtnismahl, und zwar zum Gedenken an das zur Sündenvergebung führende Kreuzesgeschehen. Das Gedächtnis ist dabei vermutlich als Vergegenwärtigung und nicht als bloße Erinnerung zu verstehen. Nicht ganz klar ist, zu welchem Tun Jesus die Jünger aufforderte. Wahrscheinlich ist die gesamte Symbolhandlung gemeint, die das Nehmen des Brotes, den Lobpreis und das Brechen und Verteilen des Brotes umfasst.

 

Weiterführende Literatur: G. Garlatti 1984, 321-341, fortgesetzt 1995, 1-25 befasst sich mit verschiedenen Aspekten des Herrenmahls, wie es Paulus in 11,23-26 überliefert. Fazit: Brot und Wein seien nicht nur als Symbole zu verstehen, mittels derer man des Todes Jesu Christi gedenkt. Vielmehr überreiche die Kirche bei der Eucharistie tatsächlich Leib und Blut Christi.

 

Die Abendmahlsüberlieferung in 1 Kor 11,23b-25 hat M. Gaukesbrink 1999, 105-119 zum Thema.

 

Auf das Brotwort gemäß der markinischen Tradition (Mt 26,26; Mk 14,22) und der antiochenischen Tradition (Lk 22,19; 1 Kor 11,24) geht X. Léon-Dufour 1983, 157-181 ein.

 

J. Duplacy 1983, 27-46 geht auf verschiedene Varianten von V. 24 ein. Er kommt zu dem Schluss, dass sowohl die kurze Lesart to hyper hymôn ("das für euch“) als auch die Lesart to hyper hymôn klômenon ("das für euch gebrochen wird“) ursprünglich sein könnte. Am ehesten würde er sich aber für letztere Lesart entscheiden, denn die Unterschlagung des Partizips sei wahrscheinlicher als dessen Hinzufügung und die Textzeugen seien nicht zu gering zu gewichten.

 

Die Anamnesisformel ("tut dies…zu meinem Gedächtnis“) hat F. Hahn 1986, 303-314 zum Thema. Neben der Funktion der Aufforderung zu einer regelmäßigen Wiederholung der Feier handele es sich bei dieser Wendung, und das sei das Wichtigere, um den Hinweis auf ein ganz bestimmtes sachliches Verständnis des Herrenmahls. So stelle sich die Frage: Welche Voraussetzungen werden hier wirksam? Der Hinweis auf Totengedächtnismahle in der hellenistischen Umwelt reiche nicht aus. Aufschlussreicher sei ein Blick in die at.-jüdische Tradition, wo das Verb zakar ("sich erinnern“) und die Wendung lezikkarôn ("zum Gedächtnis“), die eine Entsprechung zu der griechischen Formel eis tên anamnêsin darstelle, begegne. Im NT liege die entscheidende Form des Gedenkens im Zusammenhang mit der Mahlfeier vor. Davon ausgehend befasst sich F. Hahn mit den Problemen des Herrenmahls, wie sie in 1 Kor 11,17-29 von Paulus erörtert werden. Abschließend macht er deutlich, dass es Paulus im Zusammenhang mit dem Herrenmahl um die eine Kirche Gottes gehe.

O. Hagemeyer 1984, 101-117 legt dar, dass der Anamnesis-Auftrag im Abendmahlsbericht des Paulus und des Lukasevangeliums (Lk 22,19) seinen Wurzelgrund im at. Kult habe. Im zikkarôn, im Kultgedächtnis, sei Gottes Heilstun gegenwärtig und wirksam geworden. Zu fragen sei jedoch, ob das Wort anamnêsis der Bedeutung von zikkarôn entspricht. Bei der Übertragung von zikkarôn mit anamnêsis gehe es nicht nur um die Bedeutung eines Wortes, sondern um das Verständnis des Wiederholungsauftrags, wie er uns in 1 Kor 11,24f. und Lk 22,19 überliefert sei. Ergebnis: Das Wort anamnêsis sei eine angemessene Übertragung von zikkarôn. Der beim Wort anamnêsis aufgezeigte kulturelle und religiöse Kontext zeige sogar einige Merkmale, die dem Anamnesis-Auftrag Jesu beim letzten Abendmahl besser entsprechen, als das hebräische Grundwort zikkarôn vermuten lässt.

Ausführlich mit dem Begriff anamnêsis ("Gedächtnis“) und der ihm zugrunde liegenden Vorstellung befassen sich auch F. Chenderlin 1982 und X. Léon-Dufour 1983, 137-156.

 

O. Knoch 1983, 31-42 spürt der Eigenart und Bedeutung der Eucharistie im Leben der Urkirche nach dem Zeugnis des NT nach und fragt nach dem Sinn dieses Mahlgeschehens, um von dort her Anstöße für die rechte Feier der Eucharistie heute zu gewinnen. Dabei geht er nicht davon aus, dass Jesus sein Abschiedsmahl als Modell für Gedächtnismähler seiner messianischen Gemeinde in einer sich dehnenden Zwischenzeit verstanden hat, denn Jesus habe das Reich Gotte als nahe erwartet. O. Knoch sieht vielmehr den Aspekt der Gemeinschaft und Einheit bei eschatologischer Perspektive als wesentlich an.

 

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V. 25

 

Beobachtungen: Nach dem Lobpreis und dem Brotbrechen gingen Jesus und seine Jünger zum Sättigungsmahl über. So wichtig das Brot gewesen sein mag, so ist doch nicht gesagt, dass dieses nur aus Brot bestand, wozu Wein gereicht wurde.

 

Wenn man der von Paulus überlieferten Tradition Glauben schenken darf, folgte auf das Sättigungsmahl das Becherwort. Es ist möglich, aber keineswegs sicher, dass das von Paulus in 11,20 erwähnte "Herrenmahl“ weitgehend dem gleichen Ablauf folgte.

 

Jesus deutete den Becher auf "den neuen Bund in meinem Blut“, wobei verwunderlicherweise der explizite Hinweis "...,das für euch [vergossen wird]“ fehlt. Wiederum dachte er an seinen Kreuzestod, bei dem er sein eigenes Blut zur Vergebung der Sünden der Menschen vergießen würde. Dieses Kreuzesgeschehen verstand er als "neuen Bund (lateinisch: novum testamentum)“, der den Bund mit dem "Israel dem Fleische nach“ schließlich zu einem "alten Bund (lateinisch: vetum testamentum)“ machte. Geschlossen wurde der Bund zwischen Gott und den Gläubigen, den Christen. Gott hat die Initiative ergriffen, die Christen haben mit ihrem Glauben auf das Bundesangebot geantwortet.

Bei dem Becher handelt es sich wohl um ein gewöhnliches Trinkgefäß. Der Begriff "Kelch“ passt besser in einem liturgischen Zusammenhang späterer Gottesdienste. Dass der Becher gefüllt war, lässt sich daraus schließen, dass vom Trinken die Rede ist, wobei wiederum der Gedächtnisaspekt im Zentrum steht. Vermutlich war der Becher mit Wein gefüllt, der gewöhnlich zu Speisen getrunken wurde und sich aufgrund seiner roten Farbe gut auf das Blut beziehen ließ.

Was mag der Grund dafür sein, dass es zwar heißt "sooft ihr [daraus] trinkt“, die Parallele "sooft ihr [davon] esst“ im Hinblick auf das Brot jedoch fehlt? Liegt der Grund darin, dass in armen frühchristlichen Gemeinden das Herrenmahl möglicherweise nur mit Brot und nicht mit Wein gefeiert wurde? Möglicherweise ist dem Hinweis "sooft ihr [daraus] trinkt“ aber keine besondere Bedeutung beizumessen, denn in V. 26 ist die gleiche Formulierung sowohl auf das Brot als auch auf den Becher bezogen. Das Vorhandensein des Hinweises wäre dann ausschließlich traditionsgeschichtlich zu begründen.

 

Wieder ist nicht klar, zu welchem Tun genau die Jünger von Jesus aufgefordert wurden. Vermutlich ist die gesamte symbolische Handlung gemeint, die das Nehmen des Bechers genauso umfasst wie auch das gemeinsame Trinken daraus. Von einem Lobpreis ist merkwürdigerweise nicht die Rede, doch ist dieser im Hinblick auf jüdische Tischsitte (vgl. mBer 6,1) anzunehmen. Dass das Trinken aus demselben Becher erfolgen soll, geht aus den Worten nicht hervor; allerdings ist dies aus der symbolischen Bedeutung, die dem einen Becher zukommt, zu schließen.

 

Weiterführende Literatur: Einen knappen, als Einstieg geeigneten Überblick über die Diskussion bezüglich der Rekonstruktion des Herrenmahls gibt H.-J. Klauck 2002, 18-20. Er selbst geht davon aus, dass in Analogie zum antiken Symposion ein Teil der wohlhabenden Korinther am späten Nachmittag mit der Mahlzeit begonnen habe, während die Doppelhandlung zu Brot und Wein parallel zu den Trankspenden beim Symposion bereits geschlossen an das Ende der Mahlzeit gerückt gewesen sei und zum Folgenden übergeleitet habe. Ausführlich zu dieser Ansicht siehe H.-J. Klauck 1989, 46-50, wonach in Korinth Sättigungsmahl und die vermutlich folgende Doppelhandlung über Brot und Wein, in späterer Terminologie Agape und Herrenmahl, noch eine spannungsvolle Einheit bildeten. Beides zusammen mache jene Größe aus, die Paulus "Herrenmahl“ nennt. Unklar sei, wer bei dem Herrenmahl Vorsitz führt, wenn Paulus − wie so oft − nicht anwesend ist. Kritisch mit H.-J. Klaucks These setzt sich O. Hofius 1988, 371-408 auseinander. Er kommt bei ausführlicher Begründung zu dem abweichenden Ergebnis, dass am Anfang der Mahlzeit das Brot mit begleitenden Worten gebrochen und am Schluss der Bechersegen gesprochen worden sei.

 

J. Schröter 2009, 78-100 fragt, ob bzw. inwiefern sich aus den Texten 1 Kor 10,16 und 11,23b-25 Schlussfolgerungen im Hinblick auf eine urchristliche Mahlliturgie ziehen lassen. Für die Interpretation der Texte innerhalb von 1 Kor sei das insofern von Bedeutung, als sich daraus ergebe, ob Paulus einen bestimmten Ablauf der frühchristlichen Mahlfeier voraussetzt, der auch in der korinthischen Gemeinde bekannt war und an den er sie nunmehr erinnert. Die Alternative wäre, dass Paulus nicht auf eine urchristliche Mahlliturgie rekurriert, sondern die Korinther mit Hilfe dieser Überlieferungen an die Bedeutung des urchristlichen Mahles erinnert, der sie in ihrer Praxis gerecht werden sollen. Ergebnis: Paulus korrigiere in den beiden von ihm aufgenommenen Überlieferungen 1 Kor 10,16 und 11,23b-25 die an heidnischen Kultmählern orientierte korinthische Mahlpraxis mit Hilfe urchristlicher Mahlüberlieferungen. Dabei gehe es ihm nicht um einen liturgischen Mahlverlauf, sondern um die exklusive Bedeutung des christlichen Kultmahls im Gegenüber zu heidnischen Kultmählern sowie um dessen rechte Feier angesichts der Spaltungen in der korinthischen Gemeinde. Ein bestimmter Ablauf des christlichen Mahles lasse sich dem ebenso wenig entnehmen wie eine liturgische Funktion der Einsetzungsworte. Vermutlich sei es zunächst in Anlehnung an Mahlformen der heidnischen bzw. jüdischen Umwelt gefeiert und mit neuen Inhalten besetzt worden. Im Zentrum der urchristlichen Mahlfeier hätten wohl nicht die Einsetzungsworte gestanden, sondern Segens- bzw. Dankgebete über Brot und Wein, die diesen die Qualität "pneumatischer Speise“ und "pneumatischen Tranks“ verliehen.

 

F. J. King 1997, 161-173 befasst sich kritisch mit der These, dass das Herrenmahl in Korinth im Rahmen eines Sättigungsmahles stattgefunden habe. Wahrscheinlicher sei, dass es sich um zeichenhafte Mähler gehandelt hat. Die Vorgeschichte des Rituals und das letzte Abendmahl seien eher mit einer Qumran-Mahltradition als mit einem Passamahl zu identifizieren. Die johanneische Tradition sei verlässlicher als der markinische Passionsbericht. Zudem seien Begriffe wie z. B. deipnon ("Mahl“) nicht, wie meist angenommen, auf ein Sättigungsmahl zu beziehen, sondern auf die kultisch-zeichenhafte Tradition. Auch J. J. Meggitt 1998, 189-193 steht der Annahme eines Sättigungsmahles kritisch gegenüber.

Ausführlicher zur Frage, ob es sich bei Jesu letztem Abendmahl um ein Passamahl gehandelt habe, siehe O. Betz 1990, 217-251: Im Gegensatz zu zahlreichen katholischen Exegeten sehe die Mehrheit der evangelischen Exegeten − abgesehen von J. Jeremias und H. Patsch − das Zeugnis der drei ersten Evangelien, Jesus habe sein letztes Mahl als ein Passa gefeiert, als unsichere und auch theologisch unwichtige Nachricht an. Zum einen sei es fraglich, ob man eine ursprüngliche Verbindung mit dem Passa voraussetzen könne, zum anderen sei für das Verständnis der Abendmahlsworte Jesu aus der Situation des Passa kaum etwas zu gewinnen. Die Passatradition habe schon deshalb kein konstitutives Element für die Feier des Herrenmahls gebildet, weil dieses ohne Bindung an das Passadatum das ganze Jahr hindurch gehalten wurde. Laut O. Betz sei dies jedoch ein vorschnell gefälltes Urteil, das es zu revidieren gelte, und zwar gerade aufgrund des paulinischen Berichts vom Mahl des "Herrn“, der angeblich den Bezug zum Passa am stärksten vermissen lasse.

W. Whallon 1994, 126-132 befasst sich mit der Deutung des Passamahls (pascha) unter dem Gesichtspunkt des Leidens (pathein). Es liege eine etymologische Typologie vor. Im Gegensatz zu O. Betz sieht W. Whallon keinen ursprünglichen Bezug des letzten Abendmahls und Kreuzigungsgeschehen auf das Passafest. Erst nachträglich sei bei der jährlichen Feier des Passafestes der unverständliche Begriff "Passa“ auf das Leiden bezogen worden, was auch eine entsprechende Deutung verschiedener Aspekte des Festes mit sich gebracht habe.

 

P. Lampe 1991, 183-213 fragt nach den Umwelt-Hintergründen für das Fehlverhalten der korinthischen Christen. Dabei setzt er bei den alltäglichen Gastmählern der Umwelt an, denn die heidenchristlichen Korinther seien in ihrem Sakramentsvollzug von der alltäglichen Mahlpraxis beeinflusst gewesen. Das religiöse Element sei bei der abendlichen christlichen Mahlzeit nichts Neues gewesen, sondern habe sich auch bei den alltäglichen Mählern der heidnischen Umwelt gefunden. P. Lampe legt ausführlich den Ablauf der alltäglichen Mähler dar, wobei er zahlreiche Quellen- und Sekundärliteraturangaben bietet. Schließlich geht er auf das korinthische Abendprogramm nach und −ausführlich − vor dem Herrenmahl ein und befasst sich mit den paulinischen praktischen Empfehlungen.

 

Von der Vermutung ausgehend, dass Jesus die Einsetzungsworte des letzten Abendmahls auf Hebräisch gesprochen habe, beschäftigt sich D. W. A. Gregg 1979, 165-168 mit der Frage, wie die hebräische Vorlage der griechischen Gedächtnisformel gelautet haben mag.

Gegen die Annahme, dass Jesus die Worte über dem Becher in hebräischer Sprache gesprochen habe, wendet sich M. Casey 1990, 1-12, der zu Beginn einen kurzen Überblick über die Problemstellung und den Stand der Diskussion gibt: Die älteste Form der Becherworte Jesu finde sich in Mk 14,24. Dies sei jedoch mit dem Hinweis auf die Unmöglichkeit, anhand des markinischen Verses die aramäische Urfassung zu rekonstruieren, bestritten worden. So habe J. Jeremias gemeint, dass ein Nomen mit einem Personalpronomen (to haima mou; "mein Blut“) nicht mit einem Genitiv (tês diathêkes; "des Bundes“) zusammen stehen könne, und daraus geschlossen, dass es sich bei den Worten tês diathêkes um eine spätere Ergänzung handeln müsse. M. Casey lehnt diese Annahme aber genauso ab, wie die Vermutung, dass Jesus die Becherworte nicht in aramäischer, sondern in hebräischer Sprache gesagt habe. Jesus habe sicherlich gewöhnlich Aramäisch gesprochen; es sei somit kaum anzunehmen, dass er zum Hebräischen übergegangen ist, um mit seinen Aramäisch sprechenden Jüngern bei dieser wichtigen Gelegenheit zu kommunizieren. Wie J. A. Emerton versucht auch M. Casey die Urfassung auf Aramäisch zu rekonstruieren, doch geht dieser nicht von der Möglichkeit aus, dass sich an gegebener Stelle im Aramäischen ein Suffix ("mein“) befinden könne. Vielmehr sei eine Änderung der Reihenfolge der Worte vorzunehmen.

Die aramäische Urfassung der Einsetzungsworte versucht auch B. D. Smith 1992, 165-186 zu rekonstruieren.

 

Allgemeiner mit den Beziehungen zwischen den verschiedenen Versionen der Herrenmahlsberichte und mit der ältesten nachösterlichen Tradition befasst sich T. Söding 1995, 134-163. Dabei geht er von folgender grundlegender Feststellung aus: Schon auf den ersten Blick ließen sich zwei Überlieferungstypen erkennen, einerseits der markinische und matthäische, andererseits der lukanische und paulinische. Am auffälligsten sei, dass bei Markus und Matthäus das Kelchwort im Anklang an Ex 24,8, bei Paulus und Lukas aber im Anklang an Jer 31,31 gestaltet sei. Die Haupt-Schwierigkeit der traditionsgeschichtlichen Analyse bestehe darin, das Verhältnis zwischen der vormarkinischen und der vorpaulinischen bzw. vorlukanischen Tradition zu klären. Häufig werde zwar für die Priorität der lukanisch-paulinischen Variante plädiert, doch sprächen verschiedene Gründe für das höhere Alter der vormarkinischen Tradition. T. Söding geht nun der Frage nach, weshalb die vormarkinische Motivfolge in der vorlukanisch-vorpaulinischen Tradition nicht weitergeführt, sondern durch eine neue, theologisch verwandte, aber doch anders akzentuierte Deutung ersetzt worden ist. Im dritten Teil seines Aufsatzes untersucht er, welches die älteste nachösterliche Tradition ist, und im vierten Teil geht er der Frage nach, welche Beziehung zwischen dem letzten Abendmahl Jesu, das die ntl. Einsetzungsberichte in Erinnerung rufen, und der urchristlichen Herrenmahlsfeier, die sie begründen, besteht.

Auch J.-M. van Cangh 1996, 623-637 hält die Tradition, auf der der markinische Bericht basiert, für die ältere und versucht anhand von Mk 14,22-26 den ursprünglichen Ablauf des Herrenmahls zu rekonstruieren. Dabei sei jedoch die Bezeichnung des Weins als Blut (Mk 14,24) als eine nachträgliche liturgische Hinzufügung zu verstehen. Bezüglich des Bechers vertritt J.-M. van Cangh die These, dass in den Berichten vom Herrenmahl von zwei verschiedenen Bechern die Rede sei: ein eschatologischer Becher sei Bestandteil der ursprünglichen Passaerzählung gewesen (Mk 14,25; Lk 22,18); ein eucharistischer Becher sei zusammen mit der Deutung des Weines als Blut unter dem Einfluss der Liturgie nachträglich hinzugefügt worden (Mk 14,24; Lk 22,20; 1 Kor 11,25). Dass beide Hauptstränge der Abendmahlsüberlieferung traditionsgeschichtlich jüngere wie ältere Momente bieten und weder der markinische noch der lukanisch-paulinische Text als ganzer den Vorzug verdienen, sei gemäß W. Schrage 1996, 193 ein gewisser Konsens der Ausleger.

E. Gräßer 1985, 117-122 setzt sich kritisch mit der These, dass sich 1 Kor 11,25 auf den in Jer 31,31ff. verheißenen Bund beziehe, auseinander.

 

M. Karrer 1990, 198-221 erörtert das Verständnis des Herrenmahls nach 1 Kor 11,23b-25 und geht dabei insbesondere auf die Kelchhandlung mit dem Kelchwort ein, wobei er den Becher/Kelch als "Segenskelch“ versteht.

 

P. F. Johnson 1982, 265-270 deutet die Einsetzungsworte und weist einleitend darauf hin, dass die Annahme zu hinterfragen sei, dass der Becher stellvertretend für dessen Inhalt genannt werde. Hätten wir nur die Informationen des Paulus zur Verfügung, wüssten wir nicht, dass der Becher Wein enthielt.

 

L. D. Chrupcała 2003, 123-156 geht der Frage nach, was denn genau die Jünger zum Gedächtnis Jesu tun sollen. Gewöhnlich werde "dies“ auf das Vorhergehende, auf das Essen und Trinken bezogen. Tatsächlich beziehe es sich jedoch auf das Folgende, heiße es doch in V. 26 "verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“. "Dies“ beziehe sich also ebenso auf das Mahl an sich (materiell/rituell) wie auf das, was das Mahl ausdrücken soll (symbolisch/mysterisch).

 

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V. 26

 

Beobachtungen: Die Feier des Herrenmahls ist nicht nur ein vergegenwärtigendes Gedächtnis, sondern zugleich auch Verkündigung. Das vergegenwärtigte Geschehen ist also nicht nur für die Feiernden relevant, sondern weist über die feiernde Gruppe hinaus.

Verkündigt wird der Tod des "Herrn“ am Kreuz, und zwar deshalb, weil mit ihm die Sündenvergebung verbunden ist, die nicht nur die Feiernden, sondern alle Menschen betrifft. Von der Auferstehung ist nicht die Rede.

 

Die Verkündigung erfolgt, bis dass der "Herr“ kommt. Die Wiederkunft Christi ist nicht nur der Schlusspunkt, der den Gedächtnisfeiern ein Ende setzt, sondern zugleich das ersehnte Ereignis schlechthin.

 

Weiterführende Literatur: J. Calloud 1983, 117-129 untersucht anhand von 11,2-16, 11,17-22 und 11,23-27 das Verhältnis von gottesdienstlichen Wortäußerungen wie Prophetie und Gebet zum "Körper“, wie er sich aus den Texten herauslesen lässt.

 

P. Lampe 1994, 36-49 legt dar, dass die Sakramente in Paulus’ Denken keine besondere Rolle spielen. Vielmehr gehe er auf die Taufe und die Sakramente in erster Linie in ethischen Zusammenhängen ein. Sowohl die Taufe als auch die Eucharistie seien als Identifikationsprozesse zu verstehen. Die Gläübigen identifizierten sich mit dem gekreuzigten Christus, indem sie die Kreuzigung vergegenwärtigten und sich selbst als mit Christus am Kreuz Sterbende verstünden. Mit diesem "Sterben mit Christus“ gehe die "Nachahmung“ einher, die praktische ethische Konsequenzen für das eigene Leben habe.

 

B. R. Gaventa 1983, 377-387 meint, dass oftmals gegenwärtig aktuelle Fragen an den Text 1 Kor 11,17-34 herangetragen würden, wozu die Frage nach der rechten Feier des Herrenmahls und die Frage nach möglichen Ausschlüssen gehörten. Für Paulus stehe dagegen im Mittelpunkt, ob beim Herrenmahl der Tod des "Herrn“ verkündet wird, und nicht Maßstäbe und Werte der Gesellschaft im Allgemeinen.

 

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V. 27

 

Beobachtungen: Paulus kommt nun zu den Schlussfolgerungen aus dem Gesagten: Das Herrenmahl soll nicht unwürdig eingenommen werden. Hinsichtlich der unwürdigen Einnahme hat Paulus vermutlich konkret das Verhalten der korinthische Gemeindeglieder im Blick, die verfrüht mit dem Mahl beginnen und es so zu einer Art Privatmahl degradieren.

Die Art, wie gefeiert wird, gibt die Bedeutung wieder, die dem Kreuzestod Christi beigemessen wird. Wenn die wahre Bedeutung des Heilsgeschehens aus dem Herrenmahl nicht deutlich wird, so werden die Feiernden am Leib und Blut Christi schuldig. "Leib und Blut Christi“ kann als anschaulicher Ausdruck für Christi Kreuzestod gedeutet werden, aber auch auf die Symbole Brot und Wein verweisen.

 

Weiterführende Literatur: N. M. Pritchard 1980, 55-70 legt anhand der Passagen 1 Kor 11,27-34; 14,23; 16,22 dar, dass Paulus möglicherweise auch Ungläubige zum Herrenmahl zugelassen hat. Er geht von dem Abschnitt 11,27-34 aus. Dann stellt er anhand von 14,23 die These auf, dass Abendmahlsgottesdienste nicht nur für Gläubige zugänglich gewesen seien, und versucht nachzuweisen, dass der frühchristliche Gottesdienst sowohl das Wort als auch das Sakrament umfasst habe. 16,22 schließlich lasse annehmen, dass die Ungläubigen auch an dem Herrenmahl teilnehmen konnten. Die Verfluchung solle die Teilnehmer − auch die ungläubigen! − am Herrenmahl ermahnen, sich dem Herrenmahl mit Bedacht und vorsichtig zu nähern. Von daher sei zweifelhaft, ob sich die Forderung der Kirche, vor dem Abendmahl den Glauben zu bekennen, mit der Lehre des NT begründen lässt.

 

L. Schottroff 2000, 51-60 macht deutlich, dass die soziale Ungerechtigkeit, die aus dem Handeln einiger wohlhabender Gemeindeglieder resultiert, die Heiligkeit des Leibes Christi verletze. So wie das Essen und das Sakrament im urchristlichen Herrenmahl verbunden seien, so seien auch Heiligkeit und Gerechtigkeit miteinander verbunden.

 

L. D. Chrupcała 1996, 53-86 versucht eine Antwort auf diejenigen Fragen zu geben, die V. 27 aufwirft, und untersucht zu diesem Zweck den engeren und weiteren Zusammenhang des Verses.

 

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V. 28

 

Beobachtungen: Paulus sieht die Gläubigen selbst in der Pflicht, auf das Heilsgeschehen in rechter Form zu antworten. Sie sollen sich selbst, d. h. ihre Einstellung, prüfen. Eigentlich soll nur essen, wer seine Einstellung geprüft und für recht befunden hat. Jedoch kann auch jemand, der das Kreuzesgeschehen nicht ernst nimmt, zum Herrenmahl hingehen und aus ihm ein Privatmahl machen. Dann hat er allerdings die Folgen zu tragen.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 29

 

Beobachtungen: Der Begriff "Leib“ ist mehrdeutig: Er kann den Körper Christi bezeichnen, der für die Sünden der Menschen hingegeben wurde, oder auch das Brot, das ja Symbol für den Leib Christi ist. Darüber hinaus kann aber auch der "Leib Christi“, die Gemeinde, gemeint sein.

 

Der "Leib“ soll "unterschieden“ oder "richtig beurteilt“ werden. Beide Übersetzungen für das Verb "diakrinô“ sind möglich. Beides hängt eng miteinander zusammen: Wenn der "Leib“ richtig beurteilt wird, so wird er auch von einem anderen Leib unterschieden. Nur wenn der Körper Christi richtig beurteilt wird, dann wird dessen Heilsfunktion (im Hinblick auf alle Menschen) erkannt und der Körper Christi von einem gewöhnlichen Menschenkörper unterschieden. Dies ist Voraussetzung für den Glauben. Das Brot wiederum wird richtig beurteilt, wenn es als Leib Christi erkannt wird. Dann ist das Brot nicht mehr nur reine Materie, die satt macht, sondern es vergegenwärtigt auch den sühnenden Kreuzestod Christi. Und wenn die Gemeinde als "Leib Christi“ erkannt wird, dann ist sie von anderen Gemeinschaften unterschieden.

Wer mit dem Herrenmahl beginnt, obwohl noch nicht alle Gemeindeglieder anwesend ist, der verkennt den "Leib (Christi)“, und zwar gleich dreifach: den Körper Christi, das Brot und die Gemeinde. Er isst das Herrenmahl wie ein privates Mahl daheim, bei dem das Brot keinerlei symbolische Bedeutung hat. Ein solches Mahl essen aber auch Heiden, die nicht an den Tod Christi für die Menschen glauben. Und selbst wenn er nun vorgibt, dass er sehr gläubig sei und das Herrnmahl als solches esse, verkennt er den "Leib Christi“, und zwar die Gemeinde. Diese ist nämlich nur in ihrer Ganzheit "Leib Christi“, denn Christus ist für alle Gemeindeglieder gestorben. Diese Ganzheit wird nur gewahrt, wenn das Herrenmahl gemeinschaftlich eingenommen wird.

Wer den "Leib“ in seinen drei Aspekten nicht richtig beurteilt und unterscheidet und daher verfrüht mit dem Mahl beginnt, der isst sich selbst zum Gericht.

 

Das "Gericht“ kann das Jüngste Gericht oder auch ein Gericht in der Gegenwart meinen. Auf jeden Fall weist der Begriff auf eine negative Folge des Handelns hin und es klingt die Verurteilung an.

 

Mit der Mehrdeutigkeit des Begriffes "Leib“ ist wohl zu erklären, dass Paulus nicht von der Unterscheidung des "Blutes“ spricht.

 

Weiterführende Literatur: J. M. Gundry Volf 1990, 99-105 vertritt die Ansicht, dass Paulus nicht von einem zukünftigen, sondern von einem gegenwärtig eintreffenden Gericht, das aus körperlichen Strafen bestehe, spreche. Das Futur estai ("wird sein“) in V. 27 sei nicht als eschatologisches Futur zu deuten, sondern als futurum intensivum. Vgl. O. Hofius 1988, 374, Anm. 20-21.

 

M. Pesce 1990, 495-513 geht anhand des konkreten Textes 1 Kor 11,27-34 (insbesondere V. 29-30) der Frage nach, inwiefern sich im spezifisch christlichen Gedankengut und Handeln Elemente der hebräischen Kultur erhalten haben. M. Pesce weist auf Num 5,11-31 (Eifersuchtsordal) hin, wo die Einnahme von heiligem Wasser die Wahrheit offenbart und im Falle der Schuld im unreinen Körper der Schuldigen zum Fluchwasser wird. Dieses bewirkt ein göttliches Gericht, in dessen Folge der Leib der Schuldigen Schaden nimmt. Ähnlich, wenn auch im Detail verschieden äußere sich die Mischna (mSota 3,4-5).

 

Mit dem Begriff "Leib (Christi)“ befasst sich H.-J. Klauck 2002, 15-21, der darüber hinausgehend Mahlformen in der griechischen und jüdischen Umwelt skizziert und den Versuch der Rekonstruktion der Herrenmahlsfeier in Korinth wagt. "Leib (Christi)“ stehe gleichermaßen für die Gabe des Mahls, das gebrochene Brot, das den Leib des "Herrn“ darstellt, und für die Gemeinde, die sich um diese Gabe formiert.

 

Mit der Diskussion um das ekklesiologische Bild der Kirche als Leib Christi befasst sich L. O. R. Yorke 1991, der auf S. 40-41 auf 1 Kor 11,29 eingeht.

 

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V. 30

 

Beobachtungen: V. 30 macht deutlich, dass in V. 29 nicht von einem Gericht bei der Wiederkunft Christi, sondern von einem Gericht in der Gegenwart die Rede ist. Wer sich selbst das Gericht isst und trinkt, wird krank und schwach und stirbt möglicherweise. Und weil viele korinthische Gemeindeglieder das Herrenmahl unwürdig zu sich nehmen, gibt es in Korinth viele Kranke und Schwache, und nicht wenige sind entschlafen.

 

Weiterführende Literatur: Weil das in Christus geschenkte Heil auch Anteil an der Gesundheit und Lebensfülle Jesu Christi schenke, setze Paulus gemäß O. Knoch 1983, 291-292 voraus, dass der Christ, wenn er voll und ganz in Gemeinschaft mit Christus und der Kirche lebt, normalerweise sich auch einer guten Gesundheit erfreut.

 

S. Schneider 1996, 3-19 setzt sich kritisch mit der gängigen These auseinander, dass in V. 30 von leiblich Kranken, Schwachen und Verstorbenen die Rede sei. Er führt inhaltliche und grammatisch-semantische Schwierigkeiten an. Die beiden inhaltlichen Haupteinwände seien, dass der leibliche Tod dem Menschen jegliche Änderungs- und Verbesserungsmöglichkeit nimmt, und dass ähnlich schwerwiegende Folgen einer unwürdigen Teilnahme am Herrenmahl im ganzen NT nirgends mehr greifbar sind. S. Schneider vertritt daher die Meinung, dass eine übertragene Redeweise vorliege. Der Vers sei somit "Deshalb (sind) unter euch (geistlich gesehen) viele Schwache und Kranke und schlafen sogar zahlreiche.“ zu übersetzen. Es sei von Mängeln im Glaubensleben vieler Gemeindeglieder die Rede. Mögliche Einwände gegen diese These werden von S. Schneider diskutiert.

 

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V. 31

 

Beobachtungen: Nicht nur der "Leib“ soll richtig beurteilt und unterschieden werden, sondern die Christen sollen auch sich selbst richtig beurteilen und unterscheiden - wie auch in V. 29 taucht das Verb "diakrinein“ auf. Ein Christ der sich selbst richtig beurteilt und unterscheidet, wird nicht gerichtet. Daraus ist zu schließen, dass solch ein Christ das Herrenmahl würdig isst. Er isst dieses aus zweierlei Gründen würdig: Erstens hat er erkannt, dass Christus für ihn gestorben ist, und ist daher gläubig geworden. Folglich isst er das Herrenmahl nicht wie eine gewöhnliche Mahlzeit. Zweitens ist er sich bewusst, dass die Sündenvergebung nicht ihn alleine oder nur wenige Gemeindeglieder betrifft, sondern alle Gläubigen. Sie alle sind Glieder des einen Leibes Christi. Folglich wartet er auf die anderen Gemeindeglieder, so dass das Herrenmahl gemeinschaftlich begonnen werden kann.

 

Da Paulus in V. 28 davon ausgeht, dass die Selbstprüfung zur würdigen Teilnahme am Herrenmahl führt, entspricht sie weitgehend der richtigen Selbstbeurteilung. Es ist daher anzunehmen, dass die Verben "dokimazein“ ("prüfen“; V. 28) und "diakrinein“ ("richtig beurteilen / unterscheiden“; V. 29.31) weitgehend bedeutungsgleich sind. Dass Paulus in V. 31 das Verb "diakrinein“ benutzt, lässt sich wahrscheinlich damit erklären, dass ihm am Wortspiel diakrinein ("richtig beurteilen / unterscheiden“) - krinein ("richten“) gelegen ist. Wer sich richtig beurteilt, wird nicht gerichtet.

Die Tatsache, dass in Korinth viele Gemeindeglieder krank, schwach oder entschlafen sind, lässt Paulus wahrscheinlich den Irrealis wählen. Ein Großteil der Gemeindeglieder beurteilt sich derzeit nicht richtig.

Warum Paulus die erste Person Plural benutzt und er sich damit einschließt. ist unklar. Die Begründung könnte sein, dass Paulus die Ermahnung abschwächen will. Es ist aber auch möglich, dass Paulus an seine eigene (zumindest zeitweise) angeschlagene Gesundheit (vgl. v. a. 2 Kor 12,7) denkt.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 32

 

Beobachtungen: Dass Gott richtet, ist nicht nur als Strafe, sondern auch als Schutz anzusehen. Das Gericht ist eine Züchtigung, hat also erziehende Funktion. Es soll die Christen, die sich verfehlen, zur Umkehr anhalten. Würden die Christen nicht schon zu Lebzeiten gezüchtigt, dann würden sie im Endgericht - wie die Heiden auch - verdammt werden. Die Verdammnis setzt voraus, dass die sündenvergebende Wirkung des Kreuzestodes außer Kraft gesetzt wurde. Im Hinblick auf das Herrenmahl lässt sich die Außerkraftsetzung mit der falschen Beurteilung des "Leibes (Christi)“ begründen. Wer getauft ist, ist noch lange nicht automatisch gerettet, sondern mit der Taufe geht der Christ Verpflichtungen gegenüber seinem Bundespartner, Gott, ein. Dazu gehört die würdige Einnahme des Herrenmahls.

 

Weiterführende Literatur: J. M. Gundry Volf 1990, 105-107 geht der Frage nach, ob diejenigen, die körperliche Strafen erleiden, dem Gericht am Ende der Tage entkommen. Es sei zu vermuten, dass Buße, die durch das züchtigende Gericht bewirkt wird, vor der letztendlichen Verdammung bewahrt. Ähnlich M. Klinghardt 1997, 64-65, der auf die ähnliche Vorstellung in 1 Kor 5,1-13 verweist. Dass Gott den, denn er liebt, züchtigt, sei eine seit der älteren Weisheit geläufige Vorstellung.

 

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V. 33

 

Beobachtungen: Paulus zieht nun seine Schlussfolgerung für das Verhalten beim Herrenmahl: Die Gemeindeglieder (= Paulus' Glaubensgeschwister) sollen aufeinander warten. Mit dem Warten ist der Aspekt der freundlichen Aufnahme in den Kreis der Feiernden verbunden (ekdechesthai = warten, aufnehmen).

 

"Geschwister“ meint hier nicht leibliche Geschwister, sondern Glaubensgeschwister, nämlich Christinnen und Christen. Bei dem Substantiv "adelphoi“ handelt es sich zwar um eine maskuline Form, die zunächst mit "Brüder“ zu übersetzen ist, jedoch sind hier vermutlich auch die "Schwestern“ eingeschlossen. Dass diese unkenntlich bleiben, liegt an der männerzentrierten Sprache, die gemischtgeschlechtliche Gruppen als reine Männergruppen erscheinen lässt.

 

Weiterführende Literatur: E. de la Serna 1990, 85-98 versucht zu zeigen, dass Paulus von dem befreiungstheologischen Dreischritt des "sehen-urteilen-handeln“ Gebrauch gemacht habe. Nachdem sich Paulus einem Problem, das die Gemeinde beschäftigt, gegenübergestellt sieht (> sehen), gehe er dazu über, dieses vom christlichen Glauben her zu analysieren, indem er das AT und die Worte Jesu heranzieht. Auf dieser Grundlage arbeite er ein theologisches Urteil aus, von dem aus er dann Antworten auf das gestellte Problem suche (> urteilen). Von hier aus nun versuche Paulus für die Gemeinde annehmbare Schlussfolgerungen zu ziehen (vgl. 1 Kor 10,14.31; 11,27.33), indem er sie zu einem veränderten Leben ruft (> handeln).

 

G. Theißen 1979, 290-317 vertritt die Meinung, dass die reichen Christen nicht nur für sich gegessen und vor dem regulären Herrenmahl begonnen, sondern auch mehr und vor allem auch bessere Speise zur Verfügung gehabt hätten. Diese habe nicht nur Brot und Wein umfasst, sondern darüber hinaus auch eine Zukost, wie sie damals üblich gewesen sei. Das Herrenmahl habe nicht die Einheit des Leibes Christi begründet und dargestellt, sondern sei zum Anlass genommen worden, soziale Unterschiede zu demonstrieren.

 

B. Mayer 1983, 189-199 versucht angesichts der Streitigkeiten um die rechte Form der Eucharistiefeier, das Hauptaugenmerk auf das wirklich Entscheidende zu lenken. Nicht das sakramentale Geschehen hätten die Korinther vernachlässigt, sondern die Tatsache, dass Abendmahl und Herrenmahl es entscheidend mit dem Tod Christi zu tun haben. Der Tod des "Herrn“ aber verweise auf den "Bruder“, für den Christus gestorben ist. Wer ihn vergisst und zumal in der Herrenmahlfeier, bei der Teilhabe am sakramental gegenwärtigen Todesleib Christi und seinem für uns vergossenen Blut geschenkt werde, der esse und trinke sich das Gericht.

 

R. Fabris 1995, 135-145 befasst sich mit der "Gemeinschaft“ ("koinônia“) bei Paulus. V. Scippa 1995, 191-203 geht speziell auf die "Gemeinschaft“ in 1 Kor 11 ein, wobei er sich auf S. 198-201 11,23-34 widmet. Auch in diesem Abschnitt gehe es implizit um die "Gemeinschaft“, und zwar um die christologische und um die ekklesiologische.

 

B. Holmberg 1995, 767-780 verweist darauf, dass Tischgemeinschaft selbst in der Bibel nicht immer vergnüglich und friedlich ablaufe. 2 Thess 3,6-15 handele von der Aussetzung der Tischgemeinschaft, in 1 Kor 10,14-22 werde Tischgemeinschaft abgelehnt und in 1 Kor 11,17-34 und Gal 2,11-14 werde sie gefordert.

 

C. D. Passakos 1997, 192-210 legt in seiner soziologischen Studie dar, dass Paulus nicht − wie oftmals angenommen − Ungleichheiten innerhalb der christlichen Gemeinde als gegeben ansehe und nur Verbesserungen durch gegenseitigen Respekt einfordere. Vielmehr gehe aus den paulinischen Aussagen zum Herrenmahl ein Ethos der Gleichheit, Gerechtigkeit und Einheit innerhalb der Gemeinde und der Solidarität mit den Geringen und Geringgeschätzten hervor, das auf Verwandlung der Welt abziele.

 

Auf dem Hintergrund der afrikanischen Kultur betrachtet J. A. Adewuya 2007, 95-112 die V. 27-34. Afrika sei zwar kulturell kein einheitlicher Kontinent, jedoch ließen sich bezüglich gemeinschaftlicher afrikanischer Mähler folgende Charakteristika herausarbeiten: sie stärkten persönliche Bindungen, trügen zur Versöhnung bei, hätten hinsichtlich der Handlung des Teilens mystische Kraft, seien für Gäste offen und beinhalteten den sozialen Aspekt der Unterstützung der Armen und Unterdrückten.

 

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V. 34

 

Beobachtungen: Paulus weiß: Ein guter Grund für verfrühten Mahlbeginn könnte der Hunger der Teilnehmer sein. In diesem Fall sollen sie zu Hause essen. Ob damit gemeint ist, dass sie daheim einen vorzeitigen Imbiss zu sich nehmen sollen, um den größten Hunger zu stillen, oder ob sie daheim (en oikô = "im/zu Hause) ihr Abendessen zu sich nehmen sollen, ohne bei dem Herrenmahl zu erscheinen, bleibt offen. Wichtig ist Paulus auf jeden Fall, dass das Herrenmahl würdig eingenommen wird.

Paulus will die korinthischen Gemeindeglieder vor dem Gericht bewahren. Das Gericht entspricht demjenigen, von dem in V. 29-32 die Rede ist.

 

Paulus ist nur auf das eingegangen, was ihm von vorrangiger Wichtigkeit war. Alles Übrige will er anordnen, sobald er nach Korinth kommt. Paulus hat also den festen Beschluss gefasst, Korinth bald wieder zu besuchen. Da er es bei der Feststellung belässt und keinerlei weitere Hinweise gibt, ist anzunehmen, dass die Korinther von seinem Plan wissen (zum Besuch vgl. 4,19; 16,5-8). Was "das Übrige“ ist, das noch anzuordnen ist, wird nicht gesagt. So ist auch fraglich, ob es sich auf das Herrenmahl bezieht.

 

Weiterführende Literatur: J. J. Meggitt 1998, 120-121 vertritt die Ansicht, dass die Erwähnung des Begriffs oikos/oikia ("Haus“) nichts über den Wohlstand der Korinther aussage. Weder sei klar, ob die Häuser Eigentum oder gemietet sind, noch ließe sich auf die Bauweise der Häuser schließen.

 

S. W. Henderson 2002, 195-208 hält die Interpretation, dass Paulus die hungrigen Mahlteilnehmer zum Essen daheim auffordere, für abwegig. Es sei kaum anzunehmen, dass er eine auf Teilung abzielende Forderung erhebt, wo er doch die Einheit der Gemeinde spaltendes Verhalten ablehnt. Der Begriff oikos/oikia (vgl. V.22.34) bezeichne nicht das private Heim der Angesprochenen, sondern die Versammlungsorte der korinthischen Gemeinde. Paulus fordere also nicht die hungrigen Gemeindeglieder auf, daheim zu essen, sondern ermahne im Gegenteil dazu, die hungrigen Gemeindeglieder am Versammlungsort der Gemeinde am Mahl teilhaben zu lassen.

K. O. Sandnes 2007, 248-265 hat von dieser, von ihm ebenfalls anfangs vertretenen Ansicht Abstand genommen. Er begründet dies damit, dass der Begriff "oikos“ ("Haus“) auf den privaten Bereich hinweise, "ekklêsia“ ("Gemeinde“) dagegen auf den öffentlichen und heiligen Bereich. Paulus wende sich gegen die Verwischung der Grenzen zwischen den beiden Bereichen und somit auch zwischen dem privaten Sättigungsmahl und dem öffentlichen und heiligen Herrenmahl.

 

 

Literaturübersicht

 

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