Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Römerbrief

Brief des Paulus an die Römer

Röm 14,1-12

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Röm 14,1-12



Übersetzung


Röm 14,1-12:1 Den aber, der schwach im Glauben ist, nehmt an, ohne in Streitereien über Skrupel zu verfallen. 2 Der eine glaubt, alles essen zu können, der andere aber ist schwach und nimmt nur Gemüse zu sich. 3 Wer [alles] isst, soll den, der nicht [alles] isst, nicht gering achten; wer aber nicht [alles] isst, soll den, der [alles] isst, nicht richten; (der) Gott hat ihn nämlich angenommen. 4 Wer bist du, dass du einen fremden Haussklaven richten [könntest]? Dem eigenen Herrn steht oder fällt er; er wird jedoch stehen bleiben, denn der Herr hat die Kraft, ihn aufrecht zu halten. 5 Der eine beurteilt einen Tag anders als einen [anderen] (Tag), der andere beurteilt jeden Tag [gleich]. Jeder soll zu seiner eigenen Überzeugung stehen. 6 Wer auf den Tag achtet, achtet auf ihn für [den] Herrn. Und wer [alles] isst, isst für [den] Herrn, denn er spricht das Dankgebet zu (dem) Gott. Und wer nicht [alles] isst, enthält sich für [den] Herrn und spricht [ebenfalls] das Dankgebet zu (dem) Gott. 7 Keiner von uns lebt nämlich für sich selbst und keiner stirbt für sich selbst. 8 Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. 9 Denn dazu ist Christus gestorben und [wieder] lebendig geworden, damit er über [die] Toten wie über [die] Lebenden Herr sei. 10 Du aber, warum verurteilst du deinen Bruder (oder: deine Schwester)? Oder auch du, warum achtest du deinen Bruder (oder: deine Schwester) gering? Werden wir doch alle vor den Richterstuhl (des) Gottes treten [müssen], 11 denn es steht geschrieben: „‘[So wahr] ich lebe’, spricht [der] Herr: ‘Mir wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge wird (den) Gott preisend bekennen’“. 12 Also [gilt] nun: Jeder von uns wird über sich selbst Gott Rechenschaft ablegen [müssen].



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V. 1


Beobachtungen: Mit V. 1 beginnt ein neuer Abschnitt. Ging es in 13,1-14 um die Erfüllung der Pflichten der Regierungsgewalt gegenüber und um die Erfüllung des Gesetzes durch Liebe im Wissen um die nahe Wiederkunft Christi, so kommt in 14,1-15,13 das Verhältnis der Christen untereinander in den Blick. Der gesamte Abschnitt hat mahnenden Charakter, wobei Paulus in erster Linie auf das Verhältnis zwischen den Glaubensstarken und den Glaubensschwachen zu sprechen kommt.


Die Glaubensstarken und Glaubensschwachen sollen einander annehmen. Die Ermahnung zeigt, dass die gegenseitige Annahme nicht die Regel ist. Vielmehr scheint das Verhältnis zwischen Glaubensstarken und Glaubensschwachen von gegenseitiger Ablehnung geprägt zu sein. Dabei bleibt jedoch offen, worin sich die gegenseitige Ablehnung äußert.

Paulus spricht davon, dass es nicht zu „diakriseis dialogismôn“ kommen solle. Der Begriff „diakrisis“ enthält die Aspekte der Unterscheidung, Trennung und Entscheidung. Unterscheidung, Trennung und Entscheidung betreffen die „dialogismoi“, also die Gedanken oder Überlegungen, aus denen die Meinung entspringt. Paulus möchte also vermutlich verhindern, dass Verschiedenheiten bezüglich der Meinungen zu einer Spaltung der Gemeinde führen. Eine Spaltung zeigt sich gewöhnlich in Streitereien, die im Beharren der Streitenden auf der eigenen Meinung und in der Ablehnung der abweichenden Meinung bestehen. Es mangelt den Streitenden an gegenseitiger Toleranz und Rücksichtnahme. Aus den folgenden Versen geht hervor, dass sich die Meinungsverschiedenheiten an einem ganz bestimmten Streitpunkt festmachen lassen, wobei die verschiedenen Meinungen zu verschiedenen Verhaltensweisen führen. V. 1 ermahnt konkret die Glaubensstarken, die im Gegensatz zu den Glaubensschwachen jedoch nicht ausdrücklich genannt werden. Die Glaubensschwachen nehmen von einem bestimmten Verhalten der Glaubensstarken Abstand, haben also Skrupel, was den Glaubensstarken ein Dorn im Auge ist und zur Ablehnung der Glaubensschwachen führt. Dieser Hintergrund der Worte des Apostels geht am besten aus der Übersetzung „Streitereien über Skrupel“ hervor.


Unklar ist, wie die Konjunktion „mê eis“, deren wörtliche Übersetzung „nicht zu“ lautet, zu verstehen ist. Ist gemeint, dass es nicht zu Streitereien über Skrupel kommen soll, indem die Glaubensstarken die Glaubensschwachen annehmen? Oder ist gemeint, dass die Annahme der Glaubensschwachen selbst nicht zu Streitereien führen soll?


Weiterführende Literatur: W. A. Meeks 1987, 290-300 legt dar, dass Ausleger häufig den Römerbrief in zwei Teile teilten, in einen theologischen/didaktischen und einen ethischen/paränetischen. W. A. Meeks hält eine solche Zweiteilung für irreführend. Die großen Themen der Kapitel 1-11 würden in den Kapiteln 12-15 entfaltet. Ohne die Erkenntnis, dass es Paulus auf die Verwirklichung der Theologie in den römischen Hausgemeinden ankommt, ließen sich die Funktion und die Bedeutung der theologischen Themen im großen Briefzusammenhang nicht erfassen.


A. Lindemann 1997, 29-50 befasst sich mit dem paulinischen Kirchenverständnis, wobei er sich auf S. 32-35 Texten widmet, in denen der Apostel das Problem innergemeindlicher Konflikte erörtert. In 14,1-15,13 gehe es um das Miteinander von Menschen, die in ganz wesentlichen Fragen des Glaubens und der Glaubenspraxis unterschiedlicher, ja sogar gegensätzlicher Meinung sind.


K. B. McCruden 2005, 229-244 untersucht, was sich aus den paulinischen Aussagen zu den „Starken“ und „Schwachen“ in 14,1-15,13 an Einblick in den Anlass des Römerbriefes und in die Theologie des Briefes als Gesamtheit gewinnen lässt.


Laut R. A. J. Gagnon 2000, 64-82 werde von vielen Auslegern angenommen, dass es sich bei den Glaubensschwachen teilweise oder ganz um jüdische Christen oder christliche Juden handele. Auf jeden Fall herrsche die einhellige Meinung, dass es sich um Christen handele, seien sie heidnischer oder jüdischer Herkunft. Anders M. D. Nanos 1996, 85-165, der die Meinung vertritt, dass es sich bei den Glaubensschwachen um nichtchristliche Juden handele. Die „Schwäche“ beziehe sich nicht auf das eingeschränkte Gottvertrauen, das dazu führe, dass Christen dem Halten der Gebote des jüdischen Religionsgesetzes verhaftet bleiben. Vielmehr bezeichne die „Schwäche“ die Unfähigkeit eines Juden zu erkennen, dass die Verheißungen in Jesus Christus erfüllt sind. R. A. J. Gagnon setzt sich ausgiebig mit der Begründung von M. D. Nanos auseinander, weist jedoch dessen These zurück.

D. J. Bolton 2009, 617-629 vertritt die Ansicht, dass „koinos“ („gemein“, „unrein“; Röm 14,14) ein halachischer Begriff sei. Es gehe um die Frage, ob halachisch reines Fleisch gemieden werden soll, nur weil es beim Götzendienst verwendet wurde, bevor es auf dem Markt verkauft wurde. Diejenigen, die zum Essen des Fleisches bereit sind, stünden ebenso wie diejenigen, die die Vermeidung fordern, nicht außerhalb des Gesetzes. Die Konfliktlinie sei nicht ethischer Art, führe also nicht zwischen Heiden- und Judenchristen entlang, sondern sei halachischer Art. Die einen, die „Glaubensschwachen“ (14,1), legten also die Tora strikter aus als die anderen, die „Glaubensstarken“ (15,1).


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V. 2


Beobachtungen: V. 2 legt kurz und knapp dar, was genau der Streitpunkt ist und wie sich die Glaubensstarken und die Glaubensschwachen jeweils verhalten. Der eine - gemeint ist ein Glaubensstarker - glaubt, alles essen zu können. Der andere, den Paulus ausdrücklich als „schwach“ bezeichnet, nimmt nur Gemüse zu sich. Es handelt sich also um einen Vegetarier.

Im Adjektiv „schwach“ klingt eine negative Bewertung an, wobei fraglich ist, ob der Begriff „schwach“ und der negative Unterton auf die Nichtvegetarier zurückgeht, die sich demnach selbst als „Glaubensstarke“ ansähen, oder auf Paulus. Sollte ersteres der Fall sein, so würde Paulus den Begriff kritiklos übernehmen und ihn sich damit zu eigen machen. Die Höherschätzung der Glaubensstärke gegenüber Glaubensschwäche verleitet den Apostel aber nicht dazu, die Glaubensschwachen gering zu achten oder gar zu verurteilen. Vielmehr benutzt er den Begriff „schwach“ in Zusammenhängen, in denen es ihm um gegenseitige Annahme geht, so auch im Streit um das Essen von Götzenopferfleisch (vgl. 1 Kor 8).

Glaubensstärke zeigt sich darin, dass ein Christ Dingen, die für den Glauben nicht relevant sind, keine Bedeutung beimisst. Er ist insofern stark, als er sich von äußerlichen Dingen oder Handlungen wie dem Essen von (Götzenopfer-)Fleisch nicht verunsichern lässt. Die Glaubensschwachen stehen dagegen nicht über solchen Dingen. Sie haben bezüglich des Essens von (Götzenopfer-)Fleisch Skrupel. Dass sich Paulus selbst zu den Glaubensstarken zählt, lässt sich zwar im Rahmen von Röm 14,1-12 nur vermuten, wird jedoch durch 15,1 belegt.


Offen bleibt, warum die Vegetarier kein Fleisch essen. Der Grund ist auf jeden Fall im Bereich des Glaubens anzusiedeln. Zu bedenken ist, dass die Mehrheit der Adressaten den Heidenchristen zuzuordnen ist (vgl. Röm 1,5-6 u. a.). Deshalb ist der Grund zunächst einmal in der heidnischen Welt, die die meisten römischen Christen geprägt hat, zu suchen und nicht in der jüdischen Welt. In der antiken Welt war Vegetarismus durchaus ein Thema, insbesondere aufgrund der Philosophie des Pythagoras, der einen Glauben an die Seelenwanderung vertrat. Dieser Glaube ging davon aus, dass die unsterbliche Menschenseele einen Läuterungsprozess durch immer erneute Wiederverkörperungen, die auch in Tiergestalt erfolgen könnten, durchlaufe. Deshalb dürfe der Mensch kein Tier töten oder opfern und auch kein Fleisch zu sich nehmen. Neben den Pythagoreern übten auch die Orphiker Fleischverzicht. Auch für die Mysterienreligionen ist eine zeitweilige kultische Enthaltung von Fleisch bezeugt. Ob eine solche, in der heidnischen Philosophie bzw. in dem heidnischen Glauben fußende Begründung hinsichtlich der römischen Christen treffend ist, ist jedoch fraglich. Eher ist daran zu denken, dass die Christen sich in der heidnischen Umwelt vor jeglicher Verwicklung in den heidnischen Glauben hüteten. So geht aus 1 Kor 8; 10,14-11,1 hervor, dass Christen Skrupel hatten, Götzenopferfleisch zu essen. Angesichts der Tatsache, dass beim Fleischkauf auf dem Markt ebenso wie bei einer Einladung zum Mahl grundsätzlich die Gefahr bestand, dass von heidnischen Opfern stammendes Fleisch angeboten wurde, mögen sich Christen gänzlich vom Fleischgenuss enthalten haben. Auf diese Weise konnten sie sicher gehen, kein Götzenopferfleisch zu sich zu nehmen. Der Grund für den Vegetarismus kann aber auch in dem Inhalt der Bibel liegen. Ein biblischer Grund kann sowohl bei Heiden- als auch Judenchristen vorliegen, weil beiden die zu Lebzeiten des Paulus schon vorliegende hebräische Bibel, heute auch „Altes Testament“ oder „Erstes Testament“ genannt, schon als abgeschlossene, als glaubensverbindlich angesehene Schriftensammlung vorlag. In der hebräischen Bibel findet sich kein grundsätzliches Verbot, Fleisch zu essen. Allerdings wird das Fleisch nicht als schöpfungsgemäße Speise von Mensch und Tier genannt, ganz im Gegensatz zu den Pflanzen und deren Früchten (vgl. Gen 1,29-30; 2,16-17). Das Fleisch erscheint als eine dem Menschen erst nach der Vertreibung aus dem Paradies und nach der Sintfut gegebene Speise, wobei es kein Blut mehr enthalten darf (vgl. Gen 9,2-4; Lev 17,10-14). Grundsätzlich verboten ist nur der Genuss vom Fleisch unreiner Tiere. Folglich darf das Fleisch reiner Tiere ohne Bedenken genossen werden (zur Unterscheidung siehe v. a. Lev 11). Nun ist jedoch zu bedenken, dass die Befolgung der religiösen Speisevorschriften im jüdischen Siedlungsgebiet unproblematisch gewesen sein mag, nicht jedoch in der heidnischen Welt, zu der Rom gehörte. Denn koscheres (= den religiösen Reinheitsgeboten entsprechendes) Fleisch wird man nur von jüdischen Schlachtern bekommen haben. Nach der Vertreibung von Juden und Judenchristen aufgrund des Claudius-Ediktes 49 n. Chr. dürfte es jedoch für Christen aufgrund der verringerten Zahl Juden und Judenchristen noch schwieriger geworden sein, an koscheres Fleisch zu kommen. Außerdem war das Verhältnis zwischen Juden und Christen konfliktbeladen, sodass durchaus möglich ist, dass bestimmte jüdische Metzger keine Christen bedient haben. Abgesehen von diesen Überlegungen stellt sich die Frage, ob die Vegetarier unter den Adressaten des Römerbriefes Heiden- oder Judenchristen waren. Wenn auch die Mehrheit der römischen Christen nach dem Claudius-Edikt Heidenchristen gewesen sein dürften, so gab es jedoch weiterhin auch Judenchristen (vgl. Röm 16,7.11). Von den Judenchristen dürfte die Notwendigkeit der weiteren Befolgung der jüdischen Speisegebote nicht angezweifelt worden sein. Bei den Heidenchristen dürfte die Lage schon anders ausgesehen haben. So ist durchaus möglich, dass sich in den von Paulus angesprochenen Streitigkeiten in der Gemeinde Auseinandersetzungen um die Gültigkeit der jüdischen Reinheitsgebote für Christen widerspiegeln. Dabei ist jedoch keineswegs gesagt, dass sich als entgegengesetzte Gruppen die Heidenchristen und die Judenchristen gegenüber gestanden haben. Es kann durchaus sein, dass auch Heidenchristen sich für die Befolgung der jüdischen Reinheitsgebote ausgesprochen und eingesetzt haben.


Weiterführende Literatur: E. R. Kalin 1998, 461-472 ist der Überzeugung, dass es im Kern des Römerbriefes um ethnische Konflikte gehe und dass Paulus, wenn er das Evangelium darlegt und auf die Schlussfolgerungen für das Leben in Christus zu sprechen kommt, beständig ethnische Unterscheidungen, insbesondere zwischen Jude und Heide sowie Jude und Grieche, im Kopf habe. Die ethnischen Gräben drohten zum Anlass für Stolz und Hochmut auf Kosten Anderer zu werden. Gottes gnädige Unparteilichkeit und Umarmung aller – Juden und Griechen - weise alle zur gleichen Umarmung. E. R. Kalin geht den ethnischen Konflikten nach und fragt nach Möglichkeiten der Überwindung der Gräben, auch innerhalb der christlichen Gemeinde. Die an Luther („Wie finde ich einen gnädigen Gott?“) angelehnte Leitfrage laute: „Wie finde ich eine gnädige Gemeinschaft?“ Ein ethnischer Konflikt werde im Streit um das Halten der jüdischen Speisegebote, evtl. auch der Festtage und insbesondere des Sabbats, deutlich. Dabei versuche Paulus mittels der Ermahnungen sowohl an die Glaubensschwachen als auch an die Glaubensstarken wieder die Einheit beider Gruppen herzustellen.


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V. 3


Beobachtungen: Ließ V. 1 noch annehmen, dass sich Paulus mit seiner Mahnung zur Toleranz und Rücksichtnahme nur an die Glaubensstarken wendet, so erscheinen jetzt die Glaubensschwachen in gleichem Maße wie die Glaubensstarken als Ermahnte. Beide Gruppen werden ermahnt, die Gegenseite nicht gering zu achten bzw. zu richten.


Das Verb „richten“ („krinô“) ist stärker als das Verb „gering achten“ („exoutheneô“), weil es den Aspekt der Verurteilung enthält. Die Verurteilung der Glaubensstarken seitens der Glaubensschwachen lässt sich so erklären, dass letztere erstere der Gesetzesübertretung oder - allgemeiner ausgedrückt - der zu laschen Glaubensbefolgung bezichtigen. Gesetzesüberschreitung oder Laschheit wird verurteilt, übermäßiger Skrupel wird gering geachtet.


Gott tut das, was die Glaubensstarken - und sicherlich auch die Glaubensschwachen - gemäß V. 1 auch tun sollten: Er nimmt die Christen an. Im Hinblick auf Gott besagt das Verb „annehmen“ („proslambanô“), dass Gott den Christen nicht gering geachtet oder verurteilt hat und ihn auch nicht gering achten oder verurteilen wird. Der Aorist zeigt an, dass es sich bei der Annahme um einen vergangenen und abgeschlossenen Vorgang handelt. Die Annahme des Christen dürfte also mit dessen Taufe in Verbindung zu bringen sein, die ein einmaliges, vergangenes und abgeschlossenes Ereignis ist. Wenn nun die Glaubensstarken die Glaubensstarken - und umgekehrt - annehmen sollen, so ist damit ausgesagt, dass nicht die Glaubensgenossen wegen einer anderen Einstellung zum Fleischgenuss gering geachtet oder verurteilt werden sollen. Fraglich ist jedoch, ob es sich bei dieser Annahme um eine Aufnahme in die Tischgemeinschaft handelt, die bisher nicht ausgeübt wird. Sollte das der Fall sein, dann soll die Aufnahme in die Tischgemeinschaft so erfolgen, dass es nicht zu Streitereien über die Skrupel der Glaubensschwachen kommt. Oder man kann auch deuten, dass die Aufnahme in die Tischgemeinschaft bewirken soll, dass es nicht mehr zu Streitereien über die Skrupel kommt. Geht man davon aus, dass die Tischgemeinschaft schon vorliegt, jedoch über die Skrupel der Glaubensschwachen gestritten wird, dann würde Rücksichtnahme und Toleranz den Vegetariern gegenüber angemahnt. Nicht gemeint sein kann bei schon vorliegender Tischgemeinschaft, dass die Toleranz und Rücksichtnahme so erfolgen soll, dass es nicht zu Streitigkeiten über die Skrupel der Glaubensschwachen kommt. Toleranz und Rücksichtnahme schließen nämlich von vornherein solche Streitigkeiten aus.


Weiterführende Literatur:


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V. 4


Beobachtungen: Paulus spricht nun direkt ein fiktives „Du“, einen richtenden Glaubensschwachen, an. Die Anrede eines fiktiven Gesprächspartners ist typisch für die Diatribe („diatribê“ = „Unterredung“), eine von rhetorischen Fragen, Zitaten und Sprüchen, ironischen Aussagen, fiktiven Reden, Paradoxien sowie Antithesen und Parallelismen geprägte Unterredung. Dabei ist jedoch nur der Gesprächspartner an sich fiktiv, nicht jedoch dessen Gedankengut. Dieses ist durchaus real und dürfte Paulus bei verschiedenen Begegnungen mit Menschen begegnet sein.


Ein Christ hat kein Recht, über einen „fremden Haussklaven“ („allotrios oiketês“) zu richten. „Fremd“ ist dieser Haussklave insofern, als er nicht der Haussklave des Christen ist. Der Haussklave, der Glaubensgenosse, gehört Gott allein. Folglich hat auch Gott allein das Recht, über den Haussklaven zu richten. Ein Christ, der richtet, reißt widerrechtlich die Stellung Gottes, des „Herrn“ an sich.

In V.4 wird wohl Gott und nicht Jesus Christus als „Herr“ bezeichnet, denn nur Gott wird im vorhergehenden Vers genannt. Allerdings wäre eigentlich eher an Jesus Christus als „Herrn“ der Christen zu denken, denn die Taufe führt ja in dessen Machtbereich hinein. Dass Paulus hier jedoch Gott und nicht Jesus Christus als „Herrn“ bezeichnet, mag damit zusammenhängen, dass er Jesus Christus als Sohn Gottes ansieht. Als Sohn Gottes ist Jesus Christus mit Gott, dem Vater, eng verbunden, diesem aber auch in gewisser Weise untergeordnet.


Das Verb „richten“ („krinô“) enthält zum einen den Aspekt der Befugnis zum Richten, zum anderen aber auch den Aspekt der Verurteilung. Das Richten kann eine Verurteilung beinhalten, muss es aber nicht. Im Falle des Glaubensschwachen handelt es sich eindeutig um ein Verurteilen (des Glaubensstarken).


Dass das Richten sowohl in einer Verurteilung als auch in einer Rechtfertigung münden kann, geht aus dem Bild des Stehen und Fallens hervor. Wenn der Haussklave seinem „Herrn“ steht oder fällt, dann bedeutet dies, dass der „Herr“ seinen Haussklaven rechtfertigen oder auch verurteilen kann. Paulus beseitigt aber sogleich alle Zweifel daran, dass der „Herr“ seinen Haussklaven rechtfertigt, indem er sofort anfügt, dass der Haussklave stehen bleiben wird. Paulus benutzt vermutlich eine passive Verbform („stathêsetai“), um zu unterstreichen, dass dieses Stehenbleiben nicht aufgrund der eigenen Kraft des Haussklaven geschieht. Dass der Haussklave stehen bleibt, hängt mit der Kraft eines anderen, nämlich des „Herrn“, zusammen. Der „Herr“ hält ihn aufrecht, könnte ihn aber auch fallen lassen. Das Aufrechthalten erfolgt unabhängig davon, ob jemand Fleisch zu sich nimmt oder nicht.

Das Bild des Stehens und Fallens kann der Welt des Krieges entnommen sein. Solange ein Krieger steht, lebt er noch und kann kämpfen, fällt er, so ist er verwundet oder stirbt. Auch für den Christen geht es im Gericht des „Herrn“ um Leben und Tod, und zwar um das ewige Leben und den ewigen Tod. Leben und Tod betreffen also nicht nur den Leib, sondern die gesamte Existenz.


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Weiterführende Literatur:


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V. 5


Beobachtungen: Nun kommt Paulus auf einen zweiten Streitpunkt unter den Christen zu sprechen, das Beurteilen der Tage. Die Präposition „para“ enthält sowohl den Aspekt des Vergleiches als auch der Höherschätzung. Der Christ, der die „Tage“ beurteilt, vergleicht also die Bedeutung der Tage miteinander und gibt bestimmten Tagen ein besonderes Gewicht. Andere Christen scheinen kein besonderes Augenmerk auf die „Tage“ zu richten, was zu Konflikten führt.


Unklar ist, was für „Tage“ gemeint sind. Da sich der erste Streit um das Essen, nämlich das Essen von Fleisch dreht, kann man bei den „Tagen“ an Fastentage denken. Allerdings ist einzuwenden, dass Vegetarismus etwas anderes als Fasten ist, auch wenn es sicherlich Vegetarier geben mag, die fasten. Mit Blick auf das Judentum ist an Ruhe- und Festtage zu denken. So legt die hebräische Bibel auf das Einhalten des Sabbats als Ruhetag und der Festtage, die oftmals auf Ereignisse aus der Geschichte Israels hin gedeutet werden, besonderes Gewicht. Es ist wie auch schon im Hinblick auf den Streit um das Essen von Fleisch gut möglich, dass es unter den Heidenchristen Unklarheit gibt, inwieweit die Bestimmungen der hebräischen Bibel auch für sie relevant sind.


Paulus ermahnt dazu, den Meinungsverschiedenheiten, die zu Spaltungen in der Gemeinde führen, nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Stattdessen soll jeder Christ zu seiner Überzeugung stehen und die Meinung des Glaubensgenossen respektieren.


Weiterführende Literatur: J. Becker 1984, 364 sieht einen seiner früheren Artikel, in dem er eine vom heutigen Konsens abweichende Deutung von „plêrophoreisthai“ in Röm 14,5 vorgelegt habe, missverstanden: An die Stelle der durch Röm 4,21 und 14,22-23 irregeführten Deutung „überzeugt sein“ setze er keineswegs –wie verschiedentlich behauptet – die Deutung „sich (auf seine Meinung) etwas zugute halten, suis placitis indulgere, suo sensui permitti“, obwohl diese Sentenz einmal hoch in Ehren gestanden habe. Er entscheide sich vielmehr für eine dritte Sentenz, die „plêrophoreisthai“ an dieser Stelle als gleichbedeutend mit dem bekannten paulinischen „perisseuein“ („überragen / sich hervortun / im Überfluss haben“) betrachte.


Laut L.-K. Lo 2002, 1-32 habe sich die kommunistische Regierung des Festland-China während der Kulturrevolution (1966-76) eine Linie der Unterdrückung religiöser Aktivitäten wie auch der Ahnenverehrung zu eigen gemacht, doch werde seit 1980 eine tolerantere Linie verfolgt. Seitdem sei die Ahnenverehrung vermutlich immer populärer geworden, wobei sich für die Christen die Streitfrage stelle, ob Christen an solcher Ahnenverehrung teilnehmen dürfen. Die Antwort darauf hänge von der Interpretation der Bedeutung des Ritus im chinesischen Kontext ab und habe für die chinesische Identität, insbesondere der außerhalb Festland-Chinas wohnenden Chinesen, besondere Bedeutung. L.-K. Lo befasst sich mit Röm 14,1-15, weil der Text – insbesondere 14,5b – einen Beitrag zur Diskussion leisten könne. Sowohl die Judenchristen als auch die chinesischen Christen sähen sich einer Identitätskrise gegenüber.


Die pluralistische Gesellschaft Singapurs hat Y.-H. Tan 2000, 559-581 bei der Beschäftigung mit 14,1-15,13 im Hinterkopf, wobei folgende Fragen im Mittelpunkt stehen: Kann man sich von der christlichen Gesellschaft unterscheiden, ohne von dieser verurteilt zu werden? Ist das Bewahren von Gemeinschaftsbeziehungen wichtiger als alles andere, als Prinzipien und Regeln? Die Beschäftigung mit 14,1-15,13 lege offen, dass Verurteilung durch die Gemeinschaft dazu führt, dass ein Mensch geächtet und an den Rand gedrängt wird, obwohl er zu der Gemeinschaft gehört. Es stelle sich die Frage, woher wir uns das Recht nehmen, ein Gemeindeglied an den Rand zu drängen, wo wir doch letztendlich alle vor Gott rechenschaftspflichtig seien.


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V. 6


Beobachtungen: Es folgt nun die Begründung für die geforderte Toleranz und Rücksichtnahme: Das Handeln der Christen ist nicht losgelöst von ihrem „Herrn“ zu sehen. Als Eigentum des „Herrn“ erfolgt das Handeln der Christen immer für diesen, so wie in der Antike Sklaven grundsätzlich für ihren Eigentümer arbeiteten.


Das Verb „eucharistein“ bedeutet allgemein „danken“. Wann dieses Danken geschieht, ist nicht gesagt. Da das Verb jedoch im Zusammenhang mit dem Essen erscheint, ist daran zu denken, dass es sich konkret um das Dankgebet bei Tisch handelt. Das Dankgebet ist mehr als nur ein Dank für das Essen: Mit ihm macht der Christ (wie auch der Jude) seine Zugehörigkeit zu Gott deutlich. Von Gott empfängt der Mensch nicht nur sein Essen, sondern auch seine Rechtfertigung.


Wenn sowohl die Fleischesser als auch die Vegetarier das Dankgebet zu Gott sprechen, so ist daran zu denken, dass beide Gruppen zu Tische sitzen. Fraglich ist jedoch, ob die Fleischesser und die Vegetarier an demselben Tisch sitzen und gemeinsam das Mahl einnehmen oder nicht. Das Dankgebet kann nämlich gemeinsam gesprochen werden oder auch getrennt voneinander.

Wenn gesagt ist, dass die einen essen, die anderen jedoch nicht, so ist damit wohl nicht ausgesagt, dass ein Teil der Christen nichts ist, also fastet. Gemäß V. 2 ist „essen“ als „alles essen“ zu verstehen und damit der Fleischgenuss eingeschlossen. Parallel dazu bedeutet „nicht essen“ also „nicht alles essen“, was den Fleischgenuss ausschließt. Diejenigen, die nicht essen, fasten also nicht, sondern sind die in V. 2 erwähnten Vegetarier.


Weiterführende Literatur:


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V. 7/8


Beobachtungen: Nicht nur einzelne Handlungen erfolgen für den „Herrn“, sondern das gesamte Leben und darüber hinaus auch das Sterben. Gott erscheint also als „Herr“ über die gesamte Existenz des Christen, sei er lebendig oder verstorben. Auch nach dem leiblichen Tod des Christen bleibt die Zugehörigkeit zu Gott also bestehen.


Weiterführende Literatur: Mit Röm 14,7-9 als häufig bei Beerdigungen verlesenem Text befasst sich J. Lambrecht 2003, 143-154. Seine Reflexion und Meditation besteht aus fünf Teilen: Nach einem ersten Lesen des Textes und einigen Überlegungen dazu, befasst sich J. Lambrecht mit zwei weiteren biblischen Texten (2 Kor 5,14-17; Röm 6,1-14), die vom Leben und Sterben handeln. Im dritten Teil geht er der Frage nach, wie Paulus vom Leben nach dem Tod spricht. Im vierten Teil kehrt er zu Röm 14,7-9 zurück und befasst sich dem überraschenden Gedankengang des Apostels in diesen Versen. Die Abhandlung wird mit kurzen, zusammenfassenden Schlussfolgerungen abgeschlossen.


J. L. Jaquette 1995, 126-136 macht deutlich, dass Leben und Tod angesichts der Bindung an Christus zu den „Adiaphora“ gehöre, also zu denjenigen Dingen, die für Paulus von keiner besonderen Bedeutung sind. Die Lebensweise müsse allerdings dem eigenen Glaubenshorizont entsprechen und Gott zur Ehre gereichen, wobei in bestimmten Einzelfragen wie z. B. hinsichtlich der richtigen Speise verschiedenen Meinungen und Verhaltensweisen möglich seien.


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V. 9


Beobachtungen: War bisher davon auszugehen gewesen, dass es sich bei dem „Herrn“ um Gott handelt, so erscheint plötzlich in V. 9 Jesus Christus als „Herr“. Dass nun der „Herr“ eindeutig als Jesus Christus identifiziert wird, heißt jedoch nicht unbedingt, dass Paulus auch in den vorhergehenden Versen Jesus Christus als „Herrn“ verstanden hat. Die Unklarheit, ob Gott oder Jesus Christus der „Herr“ ist, dürfte der Tatsache entspringen, dass zum einen Gott und Jesus Christus in einer engen Verbindung zu sehen sind, wobei letzterer ersterem in gewisser Weise untergeordnet ist, zum anderen aber die Taufe in den Machtbereich Jesu Christi hinein erfolgt und die Rechtfertigung des Christen nicht ohne Jesus Christus zu denken ist. Die Rechtfertigung wiederum ist aber auch nicht ohne Gott zu denken, denn das gesamte mit Jesus Christus verbundene Heilsgeschehen geht auf den Willen, den Heilsplan Gottes zurück.


V. 9 legt dar, dass das gesamte Heilsgeschehen darauf abzielte, dass Jesus Christus zum „Herrn“ der Gläubigen werde. Jesus Christus war nicht nur auf Erden unter den Lebenden, sondern durch seinen Tod auch unter den Toten. Er ist jedoch nicht unter den Toten geblieben, sondern wieder lebendig geworden. Nicht der Tod, sondern das Leben hatte also das letzte Wort, sodass Jesus Christus auch zum „Herrn“ über die Toten werden konnte. Diesen Sachverhalt unterstreicht das Verb „zêô“.

Der Aorist „ezêsen“ macht deutlich, dass es sich bei der Rückkehr ins Leben um ein einmaliges, abgeschlossenes Ereignis handelt, wobei davon auszugehen ist, dass die Auferstehung im Blick ist. Dass Paulus nicht das Verb „egeiromai“ („auferstehen“) benutzt, mag damit zu begründen sein, dass er die Bedeutung der Auferstehung, den Sieg des Lebens, hervorheben will.


Weiterführende Literatur:


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V. 10


Beobachtungen: Wenn Gott seine „Haussklaven“ annimmt, dann dürfen die Mitsklaven, denen das Richten nicht zusteht, nicht ihre Glaubensgenossen verurteilen oder gering achten. Dies schärft Paulus den Adressaten in Rom ein, indem er wieder ganz direkt ein fiktives „Du“ anspricht. Kein Christ ist Richter, unterstreicht Paulus, sondern alle Christen werden gerichtet. Alleiniger Richter ist Jesus Christus, vor dessen Richterstuhl alle treten müssen.


Das Substantiv „adelphos“ ist streng genommen mit „Bruder“ zu übersetzen, wobei nicht ein leiblicher, sondern ein Glaubensbruder gemeint ist Da hier aber nicht nur Männer angesprochen sind, sondern auch Frauen, kann „adelphos“ auch mit „Schwester“ übersetzt werden. Die Aussage bezieht sich auf Glaubensbrüder und Glaubensschwestern gleichermaßen.


Weiterführende Literatur: K. L. Yinger 1999, 195-202 befasst sich mit den Aussagen zum endzeitlichen Weltgericht in Rö 14,10-12. Die Verortung des Gerichtes entnehme Paulus seiner kulturellen Umwelt. Bei dem „Richterstuhl“ („bêma“) handele es sich um eine erhöhte Plattform, wie sie in den Städten des Römischen Reiches bei Reden vor der Volksversammlung gebraucht wurde. Vor dieser seien die prozessführenden Parteien erschienen. Die Vorstellung, dass diese Plattform als Richterstuhl Gottes (oder: „Thron“) dient, sei auch im Judentum bezeugt. Anders als in 2 Kor 5,10 handele es sich in Röm 14,10 nicht um den Richterstuhl Christi, sondern um den Richterstuhl Gottes.


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V. 11


Beobachtungen: Diesen Sachverhalt belegt Paulus mit einer Schriftstelle, die er auch als solche kennzeichnet. Die Formulierung „wie geschrieben steht“ markiert gewöhnlich ein Zitat aus der hebräischen Bibel, wobei offen bleibt, welcher biblischen Schrift das Zitat entnommen ist.


Das Zitat besteht genau genommen aus einer Kombination von zwei Zitaten: Das Zitat von Jes 45,23LXX wird durch eine Schwurformel eingeleitet, die sich vielfach bei den Propheten findet. In 45,23LXX findet sie sich nicht, sodass Paulus sie zu seinem Zitat hinzufügt. Ob die Hinzufügung bewusst erfolgt, um das Zitat als Schwur kenntlich zu machen, oder unabsichtlich aus der nicht wortgetreuen Erinnerung heraus, ist fraglich. Dass das Zitat aus der Erinnerung heraus erfolgt ist, legen leichte Umstellungen innerhalb des Zitates nahe. In etwas veränderter Form findet sich das Zitat auch in Phil 2,9-10.


Dass Jesus Christus (oder: Gott) der „Herr“ ist, haben die Christen, die ihre Glaubensgenossen nur wegen einer anderen Einstellung zum Fleischgenuss und Beurteilen von Tagen gering achten oder verurteilen, noch nicht wirklich verinnerlicht. Die allgemeine Erkenntnis wird jedoch in der Zukunft kommen. Auch wenn die Zukunft nicht genauer bestimmt wird, so ist doch anzunehmen, dass der Tag des „Herrn“, der Tag des Gerichtes des „Herrn“ über die Gläubigen, im Blick ist.


Das Beugen des Knies ist eine Geste der Verehrung. Mit dieser Geste wird das sprachlich mittels der Zunge geäußerte Bekenntnis verbunden sein.

Das Verb „exomologeomai“ enthält sowohl den Aspekt des Bekennens als auch den Aspekt des Preisens, weshalb die Übersetzungen „bekennen“, „preisen“ und „preisend bekennen“ gleichermaßen möglich sind.


Das preisende Bekenntnis wird Gott gelten. Wie schon in V. 1-8 und auch in V. 10, jedoch im Gegensatz zu V. 9, erscheint Gott als der „Herr“. Gott ist es nämlich, der in Jes 45,23LXX den Schwur ausspricht. Allerdings kann man in V. 11 auch Jesus Christus als sprechenden „Herrn“ identifizieren, weil das „Herr sein“ (oder: „herrschen“) zuletzt in V. 9 Jesus Christus zugeschrieben wurde.


Weiterführende Literatur:


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V. 12


Beobachtungen: Als Gerichtete haben die Christen nicht das Verhalten der Glaubensgenossen zu be- oder verurteilen, sondern ausschließlich über sich selbst Rechenschaft abzulegen.


Weiterführende Literatur:



Literaturübersicht


Becker, Joachim; Zu plêrophoreisthai in Röm 14,5, Bib. 65/3 (1984), 364

Bolton, David J.; Who Are You Calling “Weak”? A Short Critique on James Dunn’s Reading of Rom 14,1-15,6, in: U. Schnelle [ed.], The Letter to the Romans (BETL 226), Leuven 2009, 617-629

Gagnon, Robert A. J.; Why the “Weak” at Rome Cannot Be Non-Christian Jews, CBQ 62/1 (2000), 64-82

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