Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (9-12)

Die Anfänge der Heidenmission

Apg 9,10-19a

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 9,10-19a

 

 

Übersetzung

 

Apg 9,10-19a:10 Es war aber ein Jünger in Damaskus namens Hananias. (Und) Zu ihm sprach in einer Erscheinung der Herr: "Hananias!“ Der aber sprach: "Siehe, [hier bin] ich, Herr!“ 11 Der Herr aber [sprach] zu ihm: "Steh auf und geh in die Straße, welche [die] "Gerade' genannt wird, und suche im Hause des Judas [jemanden] namens Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet; 12 und er hat in einer Erscheinung einen Mann mit Namen Hananias gesehen, der hereinkam und ihm die Hände auflegte, damit er wieder sehend werde.“ 13 Es antwortete aber Hananias: "Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. 14 Und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen.“ 15 Es sprach aber zu ihm der Herr: "Geh, denn dieser ist für mich ein auserwähltes Werkzeug, meinen Namen vor Heiden und Königen und Söhnen Israels zu tragen. 16 Ich nämlich, ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.“ 17 Hananias aber ging fort und ging hinein in das Haus. Und legte ihm die Hände auf und sprach: "Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir erschienen ist auf dem Weg, auf dem du kamst, damit du wieder sehend und von heiligem Geist erfüllt werdest.“ 18 Und sogleich fiel es wie Schuppen von seinen Augen; er konnte wieder sehen, stand auf und ließ sich taufen. 19a Und er nahm Speise zu sich und kam wieder zu Kräften.

 

 

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V. 10

 

Beobachtungen: Zwischen V. 9 und V. 10 findet ein Szenenwechsel statt. Der von der Christuserscheinung erblindete Saulus (= Paulus) ist von seinen Begleitern in die Stadt Damaskus hineingeführt worden. In V. 10-19a wird nun das Geschehen erzählt, das Hananias, durch den Saulus sein Augenlicht wieder zurückerlangen sollte, widerfuhr.

 

Zur Person von Hananias wird nur gesagt, dass er ein "Jünger“ ("mathêtês“) war. Dabei ist anzunehmen, dass er ein Jünger Jesu war. Warum gerade ihm der "Herr“ mit einem Auftrag erschien, ist fraglich. Was zeichnete Hananias gegenüber den Glaubensgenossen aus? Weitere Informationen zu Hananias bietet Apg 22,12: Hananias war demnach gesetzestreu eingestellt und bei den Juden in Damaskus angesehen. Doch warum sollte ihn die Treue gegenüber dem Gesetz, der Tora, und das besondere Ansehen bei den Juden zur Ausführung eines Auftrags befähigen, infolge dessen der gesetzestreue Jude Saulus sich zu Jesus Christus hinwendet und sich taufen lässt? Sollen die Berufung und die Taufe des Saulus und das sich ausbreitende Christentum als gesetzeskonform erscheinen? Soll verdeutlicht werden, dass Jesus Christus der in der hebräischen Bibel (= AT) verheißene Messias ist? Oder soll das hohe Ansehen Hananias als führenden Christen erscheinen lassen? Bei letzterer Annahme stellt sich die Frage, ob das Ansehen des Hananias bei den Glaubensgenossen genauso hoch wie bei den Juden war und − falls ja − warum nicht das hohe Ansehen bei den Glaubensgenossen betont wird. Schließlich ist die − wenig wahrscheinliche - Möglichkeit zu bedenken, dass Hananias kein "Jünger“ Christi war, sondern ein Jude, der einer anderen charismatischen Persönlichkeit anhing. In diesem Falle wäre zwar hohes Ansehen bei den Juden verständlich, nicht jedoch die Beauftragung durch den "Herrn“. Grundsätzlich ist bei diesen Überlegungen zu berücksichtigen, dass die Aussage 22,12 Bestandteil einer Rede ist, die von Paulus vor einer ihm und den Christen allgemein feindlich gesonnenen jüdischen Zuhörerschaft gehalten wurde. Insofern dürfte es Ziel der Darstellung des Hananias als gesetzestreuer und angesehener Jude gewesen sein, den Juden aufzuzeigen, dass die Verehrung des Messias (= Christus) Jesus gesetzeskonform ist.

 

Hananias wurde eine Erscheinung (horama) zuteil. Der altgriechische Begriff "horama“ lässt eine Vision erwarten (horaô = sehen), doch genau genommen handelt es sich um eine Audition, d. h. die von Hananias gehörte Rede des "Herrn“ steht im Mittelpunkt. Dass Hananias in der Erscheinung auch etwas sah, wird nicht gesagt. Sollte dies der Fall sein, so bleibt offen, was er sah.

 

Hananias wurde in der Erscheinung vom "Herrn“ direkt mit dem Namen angesprochen. Hananias bekräftigte seine körperliche und geistige Präsenz, seine Bereitschaft zum Hören und wohl auch seine Bereitschaft zur Ausführung des Gehörten mit den Worten "Siehe, [hier bin] ich, Herr!“.

Offen bleibt, ob mit "Herr“ Gott oder Jesus Christus gemeint ist. In 9,5 bezeichnete Saulus Jesus als "Herrn“, wobei er allerdings noch nicht wusste, dass es sich tatsächlich um eine Erscheinung des "Herrn“ Jesus handelte. Insofern dürfte dort "Herr“ wohl eher eine ehrfürchtige Anrede eines noch unbekannten höheren Wesens darstellen als einen christologischen Titel. Die Bestimmtheit, mit der Hananias antwortet, lässt annehmen, dass er im Gegensatz zu Saulus weiß, wer mit ihm spricht.

 

Weiterführende Literatur: J. Calloud 1985, 3-29 analysiert Apg 9,1-19 unter semiotischen Gesichtspunkten. Dabei legt er dar, dass sich in diesem Abschnitt zwei Visionen ereigneten. Die erste Vision sei diejenige des Paulus. Sie werde allerdings nicht ausdrücklich als "Vision“ bezeichnet und erwähne auch kein Sehen des Paulus, sondern kombiniere ein visuelles und ein auditives Element, nämlich das Licht aus dem Himmel und die Stimme (V. 3-4). Diese Vision führe dazu, dass Paulus von seinem geplanten Vorgehen abkommt. Die zweite Vision sei diejenige des Hananias (V. 10-16), wobei erst jetzt der Begriff "horama“ ("Vision/Erscheinung“) gebraucht werde. In dieser Vision werde auf eine dritte Vision (V. 12) verwiesen. Die semiotische Analyse von Apg 9.1-19 setzen J. Calloud 1985, 40-53; J. Calloud 1985, 21-42 und J. Calloud 1986, 1-19 fort.

 

I. Czachesz 1995, 5-32 wendet V. Robbins' sozial-rhetorische Exegese auf Apg 9,1-30 an.

 

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V. 11

 

Beobachtungen: Die Aufforderung "steh auf!“ ("anastas“) besagt nicht unbedingt, dass Hananias seinen Auftrag im Sitzen oder Liegen erhielt. Sie macht vielmehr deutlich, dass Saulus eine Handlung in Angriff nehmen sollte.

 

Die "Gerade“ genannte Straße wird nicht weiter beschrieben. Es dürfte sich wohl um die Prachtstraße handeln, die Damaskus von Westen nach Osten durchquerte. Zu ihren beiden Seiten befanden sich Säulenhallen und an ihren beiden Enden befanden sich Tore. Die Bezeichnung "Gerade“ ist wohl mit dem geraden Straßenverlauf zu erklären.

 

Das Haus des Judas befand sich an der "Geraden“. Dabei wird nichts weiter zur Person des Judas, die wohl keine Rolle spielt, gesagt. Somit bleibt auch offen, ob es sich um einen Christen handelt.

 

Das Gebet gehört ebenso wie das Fasten zu den Riten, die die Taufe vorbereiten (vgl. die frühchristlichen Schriften Did. 8,2-3; Tert. de bapt. 20, Justin Apol. I, 61). Allerdings ist fraglich, ob Saulus' Nahrungsverweigerung (vgl. 9,9) tatsächlich als Fasten zu deuten ist und − falls ja − ob das Fasten und das Gebet tatsächlich als Taufvorbereitung zu verstehen ist.

Interessanterweise wird in 9,1-9 nur die Nahrungsenthaltung, nicht aber das Gebet als Handlung infolge der Christuserscheinung genannt. Und umgekehrt fällt auf, dass in 9,10-19a nur von dem Gebet, nicht aber von der Nahrungsenthaltung bzw. dem Fasten die Rede ist.

 

Tarsus ist die Heimatstadt des Saulus (= Paulus). Sie gehörte zu Lebzeiten des Saulus zum Römischen Reich und lag in der Landschaft Kilikien, einer Landschaft im Süden der heutigen Türkei. Sie war ein Zentrum des Handels und der Bildung. Verschiedenste Religionen prägten die Stadt, darunter auch das Judentum, das mit einer starken Gemeinde präsent war. In den paulinischen Briefen wird Tarsus nicht namentlich genannt.

 

Weiterführende Literatur: B. Rapske 1994, 71-112 befasst sich mit den verschiedenen Facetten der Bürgerschaft und des Status' des Paulus: Paulus als Bürger von Tarsus, als römischer Bürger und als Jude.

 

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V. 12

 

Beobachtungen: Die zweite Erscheinung des Saulus unterscheidet sich deutlich von der Erscheinung des Hananias. Obwohl beide Erscheinungen als "horama“ (horaô = sehen) bezeichnet werden, ist nur die Erscheinung des Saulus eine Vision (= Gesicht) im eigentlichen Sinne, bei der das Gesehene im Mittelpunkt steht. Ungewöhnlich ist, dass der Inhalt der Vision im Rahmen einer Audition erzählt wird.

 

Die zweite Erscheinung des Saulus macht deutlich, dass der Wille des "Herrn“ feststeht. Zielstrebig setzt der "Herr“ seinen Plan um, menschlicher Widerstand ist nicht möglich. Alles ist schon geschehen, bevor es im eigentlichen Sinne geschehen ist.

 

Der Zweck der Handauflegung ist in der Erscheinung die Aufhebung der Blindheit des Saulus. Auf die Aufhebung der Blindheit läuft letztendlich die gesamte Handlung hinaus, so dass anzunehmen ist, dass ihr besondere Bedeutung zukommt.

 

Weiterführende Literatur: J. Moles 2006, 65-104 geht davon aus, dass Lukas die "Bakchen“ des athenischen Tragikers Euripides gekannt und der Apg zugrunde gelegt habe. Bezüglich Apg 9,8-18 sieht er Bacchae 576-641 als Parallele: ein Blinder (Paulus/Pentheus) werde einer göttlichen Erscheinung gewahr.

 

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V. 13

 

Beobachtungen: Hananias wies auf die bisherige Verfolgertätigkeit des Saulus hin. Dieser Hinweis ist aber wohl nicht als anfängliche Weigerung zu verstehen, dem Auftrag nachzukommen, sondern hat vermutlich die Funktion, die Größe und Unerhörtheit der Forderung herauszustellen. Zudem wird die Radikalität des Wandels des Saulus unterstrichen. Ob Hananias befürchtete, dass Saulus nach dem Wiedererlangen des Augenlichts seine Verfolgungstätigkeit fortsetzen könnte, ist fraglich.

 

Hananias hatte von den Übeltaten des Saulus gehört, er war also kein Augenzeuge. Offen bleibt, von wem er seine Informationen hatte. Am ehesten ist an "Heilige“ zu denken, die aus Jerusalem geflohen waren, um den Verfolgungen zu entkommen. Ob all die "vielen“ solche Flüchtlinge waren, lässt sich nicht sagen. Auch lässt sich nicht sagen, ob die christliche Gemeinschaft in Damaskus solchen Flüchtlingen ihre Entstehung verdankte, zumal nicht sicher ist, dass den Worten des Hananias historische Tatsachen zugrunde liegen.

 

Das "Böse“, das Saulus getan hatte, wird nicht genauer konkretisiert. Sicherlich gehörten auch die Gefangennahmen, die Saulus auch im Hinblick auf die Christen in Damaskus geplant hatte, dazu.

 

Der Begriff "Heilige“ meint − gängigem frühchristlichem Sprachgebrauch gemäß - vermutlich alle Christen und nicht nur besonders herausragende Christen, die Wunder oder andere herausragende Taten vollbringen. "Heilige“ sind demnach Menschen, die aus dem gewöhnlichen Alltag herausgehoben und dem heiligen Gott Vater und dessen Sohn Jesus Christus zugeeignet sind. Sie befinden sich in deren Macht- und Heilsbereich.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 14

 

Beobachtungen: Im Gegensatz zu V. 1 geht V. 14 von einer Mehrzahl Hohepriester aus. Zur Zeit der Bekehrung und Berufung des Saulus war nur Kaiphas (oder: Kajaphas; Amtszeit: 18-36 n. Chr.) Hohepriester. Möglicherweise bezieht hier der Verfasser der Apg Personen ein, die zwar genau genommen keine Hohenpriester waren, aber zu dessen engem Verwandtenkreis, zum Tempelpersonal oder zu den Ältesten gehörten (vgl. 4,1.6.23; 5,17.21.24.27). Insbesondere Hannas, der Schwiegervater des Kaiphas, mag einbezogen sein. Hannas war zwar kein Hohepriester mehr (Amtszeit: 6-15 n Chr.), war aber sowohl politisch als auch wirtschaftlich weiterhin sehr einflussreich. Hannas war zwar vom römischen Präfekten Valerius Gratus abgesetzt worden, wurde von den Juden aber weiterhin als rechtmäßiger Hohepriester angesehen. Ob der Verfasser der Apg wusste, dass es nur einen Hohenpriester gab, oder ob er fälschlicherweise von einer Mehrzahl − Kaiphas und Hannas ? − ausging, ist unbekannt.

 

Gemäß V. 14 hatten die "Hohenpriester“ Vollmacht (exousia), Verfolgungstätigkeiten auch in anderen Städten als Damaskus zuzulassen. Im Licht von V. 14 erscheinen die "Briefe nach Damaskus an die Synagogen“ als Bevollmächtigungen, denen die Synagogengemeinden in Damaskus zuzustimmen hatten. Damit hätten die Synagogengemeinden eine den "Hohenpriestern“ untergeordnete Gewalt gehabt. Die Vollmachten scheinen aber auf Gefangennahmen begrenzt gewesen zu sein. Misshandlungen und Tötungen kommen nicht in den Blick.

 

Fraglich ist, ob die Bezeichnung der Christen als die, "die des "Herrn'/Christi/Jesu Namen anrufen“, eine Selbstbezeichnung der Christen oder eine Fremdbezeichnung ist.

Wann und wo die Anrufung des Namens des "Herrn“/Jesu Christi geschah, wird nicht gesagt. An erster Stelle ist an die Liturgie und speziell das Gebet im Gottesdienst zu denken, darüber hinaus an Anrufung in Notsituationen. Allerdings trifft eine Konkretisierung hier sicherlich nicht den Aussagekern. Wesentlich dürfte in erster Linie die Ausrichtung der Heiligen sein: es ist die Ausrichtung auf ihren "Herrn“ Jesus Christus, dem sie sich anvertrauten und an dessen heilbringendes Wirken sie glaubten. Wann und wo dies konkret geschah, ist zweitrangig.

Wenn der Name des "Herrn“ / Jesu Christi angerufen wurde, so wurde er nicht nur genannt, sondern man erwartete von ihm Wirkmacht. Dabei stand der Name Jesu Christi zugleich für seine Person als auch für seine Macht, in deren Bereich sich die Christen befanden.

 

Weiterführende Literatur:

 

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V. 15

 

Beobachtungen: Der "Herr“ wies den Einwand des Hananias zurück: Saulus war nicht mehr der gefährliche Verfolger, sondern sein auserwähltes "Werkzeug“.

 

Der griechische Begriff "skeuos kann "Gefäß“ oder "Werkzeug“ bedeuten. Als "Gefäß“ kann der Mensch etwas aufnehmen, beispielsweise den heiligen Geist. Als "Werkzeug“ dient er einem Zweck, beispielsweise der Verbreitung des Wortes Gottes. Ein Werkzeug ist nicht von sich aus tätig, sondern wird benutzt. Ebenso war auch Saulus nicht von sich aus tätig, sondern wurde vom "Herrn“ benutzt.

Die Formulierung "skeuos eklogês“ ist genau genommen "Gefäß/Werkzeug der Erwählung“ zu übersetzen. Gemeint ist hier sicherlich: "erwähltes Gefäß/Werkzeug“.

 

Welcher Name ist mit "mein Name“ gemeint? Gemäß V. 14 rufen die Christen "deinen Namen“ an. In V. 10-16 ist immer nur vom "Herrn“ die Rede, der auch Gesprächspartner des Hananias ist. Genau genommen ist "dein Name“ also der Name des "Herrn“. Der "Herr“ kann Gott oder Jesus Christus sein. Nun geht aus 9,5 eindeutig hervor, dass es Jesus war, der Saulus erschienen ist. Außerdem zeichnet es die Christen aus, dass sie Jesus Christus als ihren "Herrn“ anerkennen, obwohl auch Gott als "Herr“ bezeichnet werden kann. Und schließlich wird in V. 17 der "Herr“ ausdrücklich mit Jesus identifiziert. Insofern ist anzunehmen, dass in V. 10-16 der "Herr“ Jesus gemeint ist. Was ist nun aber der Name? Jesus? Christus? Oder Jesus Christus? Zu bedenken ist, dass der Name nicht mit einem gewöhnlichen, in Deutschland aus dem/den Vor- und Nachnamen zusammengesetzt, gleichzusetzen ist. "Jesus“ ist der Rufname, "Christus“ nicht der Nachname, sondern der Titel. Dieser bedeutet nichts weiter als "Gesalbter“ (griechisch: "christos“; hebräisch: māschia = Messias). Dabei wird vom Gesalbten, sei es ein König oder ein Priester, Heil erwartet. Jesus wird also als Heilsbringer ("Christus“) angesehen, was bedeutet, dass ihm Wirkmacht zugeschrieben wird. Diese Wirkmacht und die diese Wirkmacht innehabende Person sind mit dem Namen verbunden.

 

Mit dem "Tragen“ ist eine Ortsveränderung verbunden, die mit der Ortsveränderung des "Tragenden“ zusammenhängt. Der Name wechselt aber nicht nur seinen Ort, sondern wird auch genannt. Aufgrund des zukünftigen Wirkens des Saulus als Missionar ist davon auszugehen, dass die Nennung konkret ein Bekenntnis darstellt. Das Bekenntnis dient der Bekräftigung des eigenen Glaubens und der Bekehrung der Zuhörer. So ist mit dem "Tragen“ des Namens auch eine Verbreitung des christlichen Glaubens und der Wirkmacht Christi verbunden. Aufgrund des missionarischen Aspekts des "Tragens“ des Namens, kann dieses im Sinne des öffentlich zur Schau stellenden Tragens verstanden werden.

 

Fraglich ist, ob der Reihenfolge Heiden/Völker, Könige, Söhne Israels Bedeutung zukommt.

 

Weiterführende Literatur: R. Berger 1995, 261-263 vertritt die Ansicht, dass Lukas (= der Verfasser der Apg) bei seinem Bericht über die Bekehrung des Paulus Apg 19,1ff. eine Lokaltradition der Gemeinde in Damaskus verarbeitet habe. Diese Lokaltradition erlaube uns nicht nur Aufschlüsse über die Christen in Damaskus, sondern ermögliche − da Paulus seine Kenntnisse über das Christentum wohl in hohem Maße der Gemeinde in Damaskus verdanke − auch Einblicke in eine frühe Phase des Apostels Paulus selbst und damit in die Ursprünge seiner Theologie. A. von Dobbeler 2000, 49-65 merkt an, dass diese Einschätzung im Widerspruch zur herrschenden Auffassung stehe, dass der Verfasser der Apg zwar einen in Apg 9 noch am deutlichsten erkennbaren Grundbericht benutzt habe, dieser aber gerade nicht in der Nähe des Apostels Paulus anzusiedeln sei, sondern im Gegenteil in einigen Abstand von Paulus führe. A. von Dobbeler versucht die Einschätzung K. Bergers zu stützen, indem er auf eine Eigentümlichkeit der lukanischen Erzählung aufmerksam macht, die bisher übersehen worden sei und die auf eine Nähe der von Lukas verarbeiteten Tradition zum theologischen Denken des Apostels Paulus weise. Oder anders ausgedrückt: In der narratio Apg 9 finde eine Denkfigur ihren Ausdruck, die wir als Strukturelement der theologischen argumentatio des Paulus kennen, nämlich die Gegenüberstellung der Macht der Briefe und der Kraft des Geistes. Um dies zu verdeutlichen, zeichnet A. von Dobbeler zunächst die narrative Struktur des lukanischen Berichts Apg 19,1-22 nach und fragt sodann nach Berührungspunkten mit der paulinischen Argumentation in 2 Kor 3. Abschließend beleuchtet er den möglichen religionsgeschichtlichen Hintergrund der hier wie dort begegnenden Denkfigur.

 

R. Buitenwerf 2008, 73-78 befasst sich mit der Frage, welche Quelle Apg 9,10-19a zugrunde liegt. Fazit: Die wesentlichen Aussagen von Apg 9,10-19a − beispielsweise der Gedanke, dass Christen in der Nachfolge Christi leiden müssen - ließen sich auch in den paulinischen Briefen finden. jedoch gebe es auch Unterschiede. So enthalte der Abschnitt Apg 9,10-19a zusätzliche Informationen über Hananias und Damaskus, die jedoch wenig konkret seien. Diese zusätzlichen Informationen seien noch kein Beweis dafür, dass eine von den paulinischen Briefen unabhängige Damaskus-Berufungstradition existierte. Der Hauptunterschied zwischen den paulinischen Briefen und Apg 9,10-19a sei die Zielgruppe der paulinischen Mission. Da sich in den paulinischen Briefen nur wenige Aussagen zur Vorgehensweise des Paulus fänden, habe der Verfasser der Apg anhand seines heilsgeschichtlichen Grundansatzes die Geschichte rekonstruieren können: das Heil sei an erster Stelle für die Juden, dann aber auch für die Heiden bestimmt. Daher werde Paulus in Apg 9 von Jesus sowohl zu den Heiden als auch zu den Juden gesandt. Der Verfasser der Apg berichte nicht nur Fakten, sondern gestalte die historische Erzählung einer bestimmten theologischen und literarischen Grundausrichtung gemäß.

 

J. T. Townsend 1988, 119-131 legt dar, dass gemeinhin angenommen werde, dass in Apg 9,1-29 von denselben Ereignissen die Rede sei, die Paulus selbst in Gal 1,11-20 zur Sprache bringe. Die Widersprüche müssten nicht unbedingt geglättet werden, sondern könnten auch −angesichts der vermutlich größeren historischen Zuverlässigkeit des paulinischen Selbstberichtes − auf Fehler seitens der Apg zurückgeführt werden. Von dieser These ausgehend untersucht J. T. Townsend die Apg und die ihr zugrunde liegende Tradition. Fazit: In Apg 9,1-29 habe der Verfasser der Apg wohl korrekte, aber rudimentäre Informationen ausgeschmückt. Ein Teil dieser Ausschmückungen stamme wohl von dem Verfasser der Apg selbst. Angesichts der Beobachtung, dass sich in dem Bericht der Apg Inhalte finden, die Paulus leugnet, sei wahrscheinlich, dass der andere Teil der Ausschmückungen auf diejenigen Personen zurückgeht, gegen die sich Paulus in seinen Briefen wendet.

 

D. Marguerat 1995, 127-155 geht den Fragen "Warum drei Berichte von Paulus' Bekehrung (Apg 9; 22; 26) und warum solch große Unterschiede zwischen den Berichten?“ unter erzählkritischen Gesichtspunkten nach. Fazit: Der Bericht variiere, je nachdem, wer berichtet − der Erzähler oder Paulus − und welches die Aussageabsicht ist. Wichtig sei auch die Frage nach der Funktion innerhalb der Gesamtkomposition der Apg. Apg 9,1-30 stelle Saulus' (= Paulus') Bekehrung als machtvolles Werk Christi dar. Dabei verwandele Christus zwar seinen eigenen Feind, müsse jedoch seine eigene Kirche erst zur Annahme der Akzeptanz von dessen neuer Identität bringen. Schließlich wird Paulus zum Werkzeug von Christi weltweiter Mission. Apg 22 stelle das Judesein des Paulus heraus und Apg 26 mache deutlich, wie die Bekehrung unter den Heiden legitimiert wird.

Auch B. R. Gaventa 1986, 52-95 geht davon aus, dass die Unterschiede zwischen den drei Bekehrungsberichten mit den verschiedenen narrativen Kontexten zu erklären seien. Grundlage sei jedoch ein und dieselbe Tradition. Apg 9 stelle Paulus als Feind der Kirche, der Christ werde, dar. In Apg 22 stelle sich Paulus nach seiner Festnahme in einer ersten Verteidigungsrede als loyaler Jude dar, der vom "Gott der Väter“ aufgefordert worden sei, allen Völkern Zeugnis abzulegen. In der letzten Verteidigungsrede Apg 26 schließlich stelle sich Paulus als Opfer innerjüdischer Auseinandersetzungen dar.

 

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V. 16

 

Beobachtungen: Der "Herr“ betont, dass er selbst Saulus zeigen werde, wie viel er für seinen Namen leiden muss. Der "Herr“ erscheint als Lenker der Ereignisse, durch die das Zeigen erfolgt und durch die Saulus Erfahrungen macht und lernt.

 

Das zur Schau stellende "Tragen“ des Namens führt zum Widerstand der Völker/Heiden, der Könige und der Söhne Israels und somit zu Verfolgung und Leid. Die Betonung des Leids macht die Radikalität des Wandels deutlich: Saulus ist vom Verfolger zum Verfolgten geworden.

 

Weiterführende Literatur: Laut J. Schröter 2009, 53-80 liege ein wichtiger Aspekt der neueren Diskussion darin, die Bedeutung, die Lukas Paulus als angeklagtem und leidendem Zeugen für Jesus beimisst, herausgestellt zu haben. Die in der älteren Forschung vertretene These, Paulus werde in der Apg in ein glanzvolles Licht gestellt, erweise sich angesichts dessen als revisionsbedürftig. Bei der Schilderung der Ereignisse verarbeite Lukas zweifellos Kenntnisse von konkreten Ereignissen der Paulusmission, auch wenn sich die von ihm geschilderten Begebenheiten durch die Paulusbriefe nicht unmittelbar bestätigen ließen. Das Leiden des Paulus in seinem Dienst für Jesus Christus diene in der lukanischen Paulusdarstellung sowie in den Briefen des Paulus in jeweils eigener Weise dazu, seinen Weg als glaubwürdiger Zeuge für Jesus Christus zu beschreiben. Lukas entwickle mit Hilfe dieses Themas anhand der Person des Paulus ein Modell christlicher Existenz und Verkündigung, das auch in späterer Zeit zur Orientierung diene. Dies werde anhand von zwei Stellen (9,15-16; 28,30-31) näher dargelegt, die am Beginn und Ende der lukanischen Paulusdarstellung stünden und schon von daher eine richtungsweisende Funktion besäßen.

 

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V. 17

 

Beobachtungen: Infolge der Worte des "Herrn“ führte Hananias seinen Auftrag aus. Das Geschehen entspricht dem, das Saulus in seiner zweiten Erscheinung sah. An der Umsetzung des göttlichen Plans gibt es keinen Zweifel.

 

Die direkte Rede und die Erzählung des Verfassers der Apg sind sprachlich eng miteinander verwoben: In der Erzählung der V. 10-15 ist mit dem Personalpronomen "ihm“ der Gesprächspartner des "Herrn“, Hananias, gemeint. In der direkten Rede dieser Verse ist jedoch Saulus im Blick, wenn von "ihm“ die Rede ist. Das ist auch in der direkten Rede des V. 16 der Fall. In V. 17 bezieht sich ohne jegliche Erklärung plötzlich auch in der Erzählung das Personalpronomen "ihm“ auf Saulus. Trotz des abrupten Wechsels bleibt der Text ohne weiteres verständlich.

 

Aufgrund der Worte des "Herrn“ hinsichtlich der Bestimmung des Saulus, war die Einstellung des Hananias gegenüber Saulus vollständig gewandelt: Er trat an Saulus nicht wie an einen Verfolger, sondern wie an einen Glaubensgenossen heran und bezeichnete ihn als "Bruder“, wobei "Bruder“ im Sinne von "Glaubensbruder“ zu verstehen ist. Das ist umso bemerkenswerter, als Saulus noch kein Christ war. Weder hatte er den heiligen Geist empfangen, noch war er getauft. Wenn Hananias ihn dennoch als "Bruder“ bezeichnete, so zeigt das entweder, dass Hananias sich wie Saulus als ein Jude verstand, allerdings als ein christusgläubiger, oder dass er in keinster Weise an der weiteren Umsetzung des göttlichen Plans zweifelte.

 

Es fällt auf, dass Saulus von Hananias nicht mit der griechischen Namensform "Saulos“ angeredet wurde, sondern mit der hebräischen Namensform "Saoul“. Ist daraus zu schließen, dass Hananias ebenso wie Jesus zu Saulus auf Hebräisch sprach (vgl. 9,4; 26,14)?

 

Erst in V. 17 wird der "Herr“ eindeutig mit Jesus identifiziert. Dabei ist jedoch darauf hinzuweisen, dass einige Textzeugen in V. 17 den Namen Jesus fortlassen. Der Grund für die Auslassung ist unklar. Es kann sich um ein Versehen des Schreibers handeln, aber auch um eine absichtliche Auslassung, weil die späte ausdrückliche Nennung des Namens als störend empfunden wurde. Auf jeden Fall ist die Nennung des Namens ursprünglich.

 

Entgegen V. 12 wird in V.17 nicht die Wiedererlangung des Augenlichts als einziger Zweck der Handauflegung genannt, sondern als weiterer Zweck die Erfüllung mit dem heiligen Geist hinzugefügt.

 

Weiterführende Literatur: S. R. Bechtler 1987, 53-77 untersucht exegetisch die lukanischen Berichte von der Berufung und Beauftragung des Paulus innerhalb der Erzählung Lk-Apg, um deren Funktion innerhalb dieser Erzählung und deren Bedeutung und Wichtigkeit für Lukas aufzudecken.

 

M. Diefenbach 2006, 409-418 geht der Frage nach, was "Jesus erschien Paulus“ bedeutet. Er stellt eine Steigerung der Darstellung des so genannten Damaskusereignisses in der Apg fest. Obwohl der Verfasser der Apg aus einer ganz anderen zeitlichen und theologischen Perspektive auf Paulus zurückblicke, komme er ihm in vielem überraschend nahe. Obwohl die Damaskuserscheinung für diesen Verfasser keine Ostererscheinung sei, überrage sie doch in unvergleichlicher Weise alles, was in der Apg sonst noch an Visionen und Offenbarungen erzählt wird. Obwohl Paulus nach der Auffassung des Verfassers der Apg kein Apostel sei, würden die Größe seiner Berufung und die Vorbildlichkeit seines missionarischen Wirkens so meisterhaft geschildert, dass er als "Zeuge“ am Ende doch fast auf derselben Stufe wie die Apostel stehe. Die Missionstätigkeit des Paulus sei nach Apg 26 eine von Gott selbst gewollte, so auch der Standpunkt des Paulus im Galaterbrief.

 

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V. 18

 

Beobachtungen: Die "Schuppen“ sind nicht der Grund für die Blindheit, sondern ihre Erwähnung dient nur dem Zweck, bildlich den Übergang vom Nicht-Sehen zum Sehen deutlich zu machen. Dabei werden die "Schuppen“ ("lepides“) nicht weiter beschrieben. Es wird nur deutlich, dass es sich um etwas handelt, das aus einer materiellen Substanz besteht und auf den Augen liegend das Sehen unmöglich macht.

 

Das Sehen ist hier nur im Sinne der körperlichen Fähigkeit, nicht aber im Sinne der rechten Erkenntnis gemeint, denn es heißt, dass Saulus wieder sehen konnte. Die körperliche Fähigkeit zu sehen hatte Saulus auch als Christenverfolger vor seinem Bekehrungserlebnis und der daraus folgenden Blindheit, nicht jedoch war ihm rechte Erkenntnis zu eigen.

 

Wie schon in V. 11 ist das Aufstehen wohl weniger als das Aufstehen aus einer sitzenden oder liegenden Haltung als vielmehr als die Inangriffnahme einer Handlung zu verstehen.

 

Die Erfüllung mit dem heiligen Geist wird in der Erzählung zwar angekündigt, nicht aber geschildert. Es wird nur erwähnt, dass Saulus sich taufen ließ. Ist daraus zu schließen, dass die Geisterfüllung und die Taufe miteinander im Zusammenhang stehen? Dann wäre zu fragen, wie der Zusammenhang beschaffen ist. Die Geisterfüllung kann der Taufe vorausgegangen, mit der Taufe zusammen erfolgt oder auch auf die Taufe gefolgt sein. Bei einem Vorausgehen oder Folgen bliebe offen, wie groß der zeitliche Abstand zwischen Taufe und Geisterfüllung war. Alle diese Fragen stellen sich auch, wenn man die Geisterfüllung nicht in einem Zusammenhang mit der Taufe sieht, sondern eine direkte Verbindung mit der Handauflegung annimmt. Allerdings wäre dann ausgeschlossen, dass die Geisterfüllung der Handauflegung vorausging.

Auch das Wirken des heiligen Geistes kommt in V. 18-19a nicht zur Sprache. Es wird erst ab V. 20 deutlich, und zwar in den Schilderungen der Verkündigungstätigkeit des Saulus.

 

Wie die Taufe vor sich ging, ist nicht von Interesse. Wichtig ist nur die Tatsache, dass sich Saulus taufen ließ.

 

Weiterführende Literatur: J. T. Lamoreaux 2008, 122-134 analysiert Apg 9,1-19a im Lichte der "Social Identity Theory“ und "Ritual Theory“ und vergleicht den Abschnitt mit Passagen aus verschiedenen Texten der griechisch-römischen Antike. Er macht deutlich, dass im Rahmen kollektivistischer Kulturen der Wechsel von einer Gruppe zur nächsten − wie bei Saulus - ein mühsamer und manchmal gewaltsamer Akt sei. Bezüglich des Gruppenwechsels des Saulus sei die Bezeichnung "recruitment“ ("Stärkung/Zuwachs“) angemessener als die Bezeichnung "conversion“ ("Bekehrung“). Die Stärkung der Jesus-Gruppe durch Saulus werde durch die Taufe unterstrichen. Dieses Ritual kennzeichne den Einbruch in eine neue Gemeinschaft ("aggregation“) und die Wandlung der personalen und sozialen Identität.

Gemäß T. Reeve 2008, 129-143 ließen sich in Apg 9,1-20 in großem Umfang und detailliert Charakteristika von Übergangsriten nachweisen, wie sie ansonsten zahlreich in der lukanischen Erzählung (Lk-Apg) und griechisch-römischen Erzählungen auftauchten. T. Reeve untersucht den Bericht 9,1-20 vom Blickwinkel der Ritualstudien aus, um so Aufschluss über die Stichhaltigkeit dieses Ansatzes und über die Stellung und Bedeutung des Damaskusereignisses in der gesamten lukanischen Erzählung zu bekommen.

 

D. Hamm 1990, 63-72 legt dar, dass die Erblindung und das Wiedererlangen des Augenlichts in der Apg symbolische Bedeutung haben. In Apg 9 erfahre Paulus die Erblindung als eine Strafe Gottes und das Wiedererlangen des Augenlichts als göttliche Heilung. In Apg 22 werde derselbe Verlust und dasselbe Wiedererlangen des Augenlichts nur sehr zurückhaltend und dabei mehrdeutig berichtet. Und in Apg 26 schließlich wandele sich die Erblindung und das Wiederlangen des Augenlichts von einer konkreten Erfahrung des Paulus hin zu einer Metapher, die die endzeitliche Mission von Israel, Jesus und Paulus beschreibe.

 

V. 19a

 

Beobachtungen: Die Verweigerung der Nahrungsaufnahme und der daraus folgende Kraftverlust waren eine Folge der Erscheinung Jesu, der Blindheit und der damit einhergehenden Erschütterung des Welt- und Selbstbildes des Saulus gewesen (vgl. 9,9, wo der Kraftverlust jedoch nicht eigens erwähnt wird). Das Alte war vergangen, das Neue noch nicht eingetreten. Dass Saulus nun wieder Speise zu sich nahm und wieder zu Kräften kam, zeigt die Überwindung der Krise an. Er ist in das neue Leben eingetreten.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Bechtler, Steven Richard; The Meaning of Paul’s Call and Commissioning in Luke’s Story: An Exegetical Story of Acts 9, 22, and 26, SBT 15/1 (1987), 53-77

Berger, Klaus; Theologiegeschichte des Urchristentums: Theologie des Neuen Testaments, 2., überarb. und erw. Aufl., Tübingen − Basel 1995

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