Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (13-14)

Die erste Missionsreise des Paulus

Apg 13,4-5

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 13,4-5

 

 

Übersetzung

 

Apg 13,4-5:4 Sie nun, vom heiligen Geist ausgesandt, gingen nach Seleukia hinab und setzten von dort nach Zypern über. 5 (Und) In Salamis angekommen, verkündigten sie das Wort (des) Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten auch Johannes als Gehilfen [mit sich].

 

 

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V. 4

 

Beobachtungen: Mit "sie“ sind Barnabas und Saulus (= Paulus) gemeint, die gemäß 13,1-3 in Antiochia für das Missionswerk ausgesondert worden waren.

 

Hatte 13,3 annehmen lassen, dass es "sie“ − die Propheten und Lehrer, die Mitglieder eines nicht genannten Gremiums oder alle antiochenischen Gemeindeglieder − waren, die Barnabas und Saulus entsandt hatten, so geht aus V. 4 hervor, dass es der heilige Geist war. Wie schon in V. 2, wo der heilige Geist als Sprechender und Berufender erschienen war, wird auch in V. 4 der heilige Geist als selbstständig Handelnder dargestellt. Mit Blick auf 13,1-3 bedeutet das, dass die Antiochener in Gehorsam dafür sorgen, dass sich das Wirken des heiligen Geistes optimal entfalten kann. Da die Antiochener nicht selbst Barnabas und Saulus entsandt hatten, können die beiden auch nicht (offizielle) Gesandte der Gemeinde gewesen sein.

 

Seleukia lag etwa 25 Kilometer westlich von Antiochia am Mittelmeer. Dass Barnabas und Saulus dorthin hinab gingen, dürfte damit zu erklären sein, dass Seleukia als Hafenstadt tiefer als Antiochia gelegen war.

Seleukia spielt in V. 4 nur insofern eine Rolle, als es den Hafen bot, von dem aus Barnabas und Saulus zu ihrer Missionsfahrt mit dem Segelschiff aufbrechen konnten.

 

Von Seleukia aus fuhren die beiden Missionare nach Zypern ab. Weil Zypern nur etwa 150 Kilometer westlich von Seleukia lag und sich zwischen Seleukia und Zypern keine weiteren Inseln befanden, kann man auch von einem Übersetzen sprechen.

Zypern mag als erstes Ziel der ersten Missionsreise des Barnabas und Saulus gewählt worden sein, weil es die Heimat des Barnabas war (vgl. 4,36) und er vermutlich mit den dort lebenden Bewohnern umzugehen wusste. Außerdem war dort von hellenistischen Judenchristen, die infolge der von Stephanus ausgelösten Verfolgung u. a. nach Zypern versprengt worden waren, bereits der Boden bereitet worden. So hatten die Versprengten dort bereits das Wort Gottes verkündigt, allerdings nur unter den Juden (vgl. 11,19). Und schließlich stellte Zypern in der Antike eine wirtschaftliche und kulturelle Brücke zwischen dem ägäisch-griechischen Raum und dem Orient dar.

 

Weiterführende Literatur: L. Tosco 1989 ordnet Apg 13,4-12 (ebenso wie 5,1-11) der Gattung "Gericht Gottes“ zu. Dabei sei "Gericht Gottes“ positiv als Überwindung einer Grenze oder eines Anschlags zu verstehen, weniger im Sinne einer Bestrafung. Neben der Bestimmung der Gattung bietet L. Tosco auch eine Funktionsanalyse von 13,4-12 (und 5,1-11).

 

C. K. Economou 1994, 243-276 spürt den Quellen von Apg 13,1-12 und von den anderen Bezügen auf Zyprioten und Zypern nach. Dabei richtet er seinen Blick zunächst auf mögliche schriftliche Aufzeichnungen des Johannes Markus. Diese könnten die wichtigste schriftliche, Apg 13,1-12 zugrunde liegende Quelle sein. Weitere Aussagen von 13,1-12 und vor allem der weiteren Bezüge auf Zypern könnten gemäß C. K. Economou aber auch auf eine zusätzliche mündliche Quelle zurückgehen, wobei er an den aus Zypern stammenden "Jünger der ersten Stunde“ Mnason denkt (vgl. 21,16).

 

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V. 5

 

Beobachtungen: Salamis − nördlich der modernen Hafenstadt Famagusta − im Südosten Zyperns gelegen, war die größte zypriotische Hafenstadt und zugleich ein wichtiges Handelszentrum.

 

Der Plural "Synagogen“ lässt annehmen, dass in Salamis viele Juden wohnten und es somit mehr als nur eine Synagoge gab.

 

Die Formulierung "Wort (des) Gottes“ ("logos tou theou“) ist eine der vom Verfasser der Apg am häufigsten gebrauchten Wendungen. Der Genitiv kann besagen, dass das Wort von Gott stammt oder ihn zum Inhalt hat. Gemeint ist mit dem "Wort“ nicht ein einzelnes Wort, sondern eine Botschaft, nämlich die "frohe Botschaft“ (Evangelium). Sie hat göttliches Heilshandeln − insbesondere Tod und Auferstehung Christi − zum Inhalt, ist also nicht vom Menschen ersonnen. Auch die Art und Weise der Verkündigung der "frohen Botschaft“ ist nicht dem Ermessen des Menschen anheim gestellt. Soll die Verkündigung der "frohen Botschaft“ recht sein, so muss sie von Gott bewirkt werden. Mit Blick auf die rein jüdische Zuhörerschaft des "Wortes (des) Gottes“ in Salamis ist davon auszugehen, dass ein wesentlicher Bestandteil der Botschaft aus dem Nachweis bestand, dass Jesus tatsächlich der den Juden verheißene Messias (= Christus) ist.

 

Dass die beiden Missionare sich zunächst nur der Mission unter den Juden zuwandten, mag damit zu begründen sein, dass sich das Christentum aus dem jüdischen Messiasglauben entwickelt hatte. Weil der Messias dem Volk Israel verheißen war, lag es nahe, zunächst den Juden den Messias (= Christus) Jesus zu verkündigen. Außerdem mögen die jüdischen Gemeinden für das Anliegen der beiden Missionare offen gewesen sein. Vielleicht waren die jüdischen Gemeinden in Salamis grundsätzlich für verschiedene innerjüdische Strömungen − als solche ist das Christentum in der Anfangsphase anzusehen − offen. Sollten die jüdischen Gemeinden schon mit den wegen der Verfolgung aus Jerusalem Versprengten in Berührung gekommen sein, so werden sie keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Für eine Predigt in den Synagogen sprach auch, dass sich dort auch Gottesfürchtige erreichen ließen, also Menschen, die sich dem Judentum zugewandt hatten, ohne zum Judentum übergetreten zu sein.

Es ist keine Rede davon, dass Barnabas und Saulus bei ihren Missionsbemühungen in Salamis auf andere Christen, Missionare oder sogar christliche Gemeinden trafen. Entweder hatten die aus Jerusalem Versprengten in Salamis nicht das Wort Gottes verkündigt oder die Verkündigung war − zumindest nicht dauerhaft − auf fruchtbaren Boden gefallen.

Fraglich ist, von wem Barnabas und Saulus als Gäste aufgenommen wurden. Es können durchaus für die messianische Botschaft offene Juden Gastgeber gewesen sein. Neben einer privaten Unterkunft ist auch an eine Unterkunft in einer der Synagogen zu denken, denn diese boten in der Antike als Zentren des Gemeindelebens auch Zimmer für Fremde. Schließlich kann es aber auch sein, dass in Salamis oder Umgebung wohnende Christen ihr Haus den beiden Missionaren geöffnet hatten.

 

Im Vorhergehenden spielte in Verbindung mit den beiden Missionaren Barnabas und Saulus nur ein Johannes eine Rolle: Johannes, der mit Beinamen Markus genannt wurde. Diesen hatten Barnabas und Saulus laut 12,25 bei ihrer Rückkehr aus Jerusalem mitgenommen. Gemäß 12,12 war Johannes Markus der Sohn der Maria, deren Haus Petrus nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis aufgesucht hatte. Geht man davon aus, dass Johannes (Markus) mit dem in Kol 4,10 erwähnten Markus identisch ist, so war er Barnabas' Vetter oder Neffe (anepsios). Ein enger Kontakt zwischen Johannes Markus und Barnabas geht auch aus Apg 15,37.39 hervor, allerdings ohne Hinweis auf eine verwandtschaftliche Beziehung. Dies erklärt wahrscheinlich auch, warum die beiden Missionare Johannes (Markus) mit sich genommen hatten. Theoretisch könnte auch der u. a. in Apg 12,2 erwähnte Johannes, der Sohn des Zebedäus und Bruder des von Herodes Agrippa I. ermordeten Jakobus, gemeint sein, der zum Kreis der Zwölf gehörte und den ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Jesus auszeichnete. Für dessen Mitnahme nach Zypern wäre jedoch kein Grund ersichtlich und seine Erwähnung in 13,5 käme sehr überraschend.

 

Johannes (Markus) wird als "Gehilfe“ ("hypêretês“) bezeichnet. Er war also nicht Barnabas und Saulus gleichgestellt. Dazu passt, dass er nicht wie Barnabas und Saulus auf Geheiß des heiligen Geistes hin für das Missionswerk ausgesondert worden war (vgl. 13,2-3). Offen bleibt, welche Hilfsdienste er ausführte. Sind (auch) Dienste des täglichen Lebens (Einkäufe, Behördengänge) im Blick oder hat Johannes (Markus) (auch/nur) bei der Mission geholfen? Da der Verfasser der Apg seinen Bericht nicht am täglichen Leben, sondern an Belangen der Mission ausrichtet, dürfte wohl eher Hilfe bei der Mission gemeint sein. Allerdings stellt sich die Frage, inwieweit Johannes (Markus) lehren, prophezeien, predigen und taufen konnte und durfte, wenn er nicht zu den Propheten und Lehrern gezählt wurde (vgl. 13,1) und bei der Missionsreise Barnabas und Saulus nicht gleichgestellt war. Selbst von Barnabas und Saulus heißt es nur, dass sie das Wort Gottes verkündigten, nicht aber, dass sie lehrten, prophezeiten oder tauften. Wird dies stillschweigend vorausgesetzt? Wenn schon bei Barnabas und Saulus nicht klar ist, welche Tätigkeiten sie neben der Verkündigung ausübten, so ist der Tätigkeitsbereich erst recht im Hinblick auf Johannes (Markus) unklar. Darüber hinaus ist auch fraglich, bei welchen Tätigkeiten er assistiert haben könnte und wie eine solche Assistenz beschaffen gewesen sein könnte.

 

Weiterführende Literatur: Mit der römischen Verwaltung von Zypern zur Zeit des Paulus befasst sich Z. J. Kapera 2009, 17-30. Dabei geht er auf die Voraussetzungen, die ein Prokonsul bei der Bekleidung seines Amtes erfüllen musste, und auf die Befugnisse des Prokonsuls als höchstem Amtsinhaber auf der Insel Zypern ein. Danach kommt er auf die Eintreibung der Steuern und auf die Wirtschaft Zyperns zu sprechen, bevor er sich abschließend der administrativen Einteilung der Insel − es habe vier Distrikte gegeben: Salamis, Amathus, Lapithos und Paphos - und der griechischen Sprache als offizielle Verwaltungssprache Zyperns widmet.

 

Mit der Frage, wie Johannes Markus in der Apg dargestellt wird, befasst sich C. C. Black 1993, 235-254. Ergebnis: Die Person des Johannes Markus bleibe unscharf, lasse sich nur mit einiger Mühe herausarbeiten. Letztendlich ließen sich folgende Feststellungen treffen: a) Johannes Markus stehe in einem Zusammenhang mit der christlichen Gemeinde in Jerusalem (12,12; 13,13) und werde vielleicht unterschwellig auch mit Frömmigkeit und Wohlstand in Verbindung gebracht (12,12). b) Er sei direkt mit Barnabas und Paulus verbunden, auf deren Einladung hin er ihnen zu Beginn der ersten Missionsreise auf dem Weg nach Zypern zur Hand gehe. c) Er werde implizit mit der christlichen Mission innerhalb der jüdischen Synagogen (13,5) in Verbindung gebracht, jedoch von der weiter reichenden Heidenmission abgesondert. d) Er werde allgemein in ein dunkles (13,5.13) und gänzlich nachteiliges (15,38-39) Licht getaucht. e) Mit seinem Patron, Barnabas, verschwinde Johannes Markus nach Apg 15 von der Bühne und tauche bis zum Ende der Apg nicht mehr auf. Johannes Markus erscheine als eine − bei einer gewissen Individualisierung − typisierte Persönlichkeit, die als Folie diene, auf deren Hintergrund die Konturen der Persönlichkeiten anderer Protagonisten der Erzählung deutlicher zu erkennen seien.

 

Mit dem Reiseweg des Barnabas und Paulus von Salamis nach Paphos (vgl. V. 6) befasst sich D. W. J. Gill 1995, 219-228. Dabei merkt er an, dass die Stadt Salamis aufgrund ihres (Olympischer) Zeus-Heiligtums ebenso wie die Städte Amathus und Paphos den Status eines "asylum“ gehabt habe. Mit den bedeutenden Heiligtümern dieser Städte seien die beiden Reisenden auf dem Weg in das administrative Zentrum der Insel, Paphos, in Kontakt gekommen.

 

 

Literaturübersicht

 

Black, C. Clifton; The Presentation of John Mark in the Acts of the Apostles, PRSt 20/3 (1993), 235-254

Economou, Christos K.; A new approach to the problem of the sources of Acts of the Apostles and especially to the passage Acts 13:1-12 and the rest of the references to Cypriots and to Cyprus, GregPal 77 (1994), 243-276

Gill, David W. J.; Paul’s Travels Through Cyprus (Acts 13:4-12), TynB 46 (1995), 219-228

Kapera, Zdzisław J.; The Roman Administration of Cyprus in the Time of Paul’s Visit (Concerning Acts 13,4-12), PJBR 8/1 (2009), 17-30

Tosco, Lorenzo; Pietro e Paolo ministri del giudizio di Dio. Studio del genere letterario e della funzione di At 5,1-11 e 13,4-12 (Supplementi alla Rivista Biblica 19), Bologna 1989

 

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