Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Römerbrief

Brief des Paulus an die Römer

Röm 6,12-14

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

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Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Röm 6,12-14



Übersetzung


Röm 6,12-14:12 Es soll also nicht [mehr] die Sünde in eurem sterblichen Leibe herrschen, um seinen Begierden zu gehorchen. 13 Stellt auch nicht [mehr] eure Glieder der Sünde als Waffen der Ungerechtigkeit zur Verfügung, sondern stellt euch (dem) Gott zur Verfügung, gleichsam als von Toten Lebendige, und eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit für (den) Gott. 14 Denn die Sünde soll nicht [mehr] über euch herrschen, seid ihr doch nicht unter [dem] Gesetz, sondern unter [der] Gnade.



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V. 12


Beobachtungen: 6,11 hat - deutlich gemacht durch den Wechsel vom Wir-Stil (der V. 1-10) zur direkten Anrede „ihr“ - Forderungen eingeleitet, die zu einem Lebensstil bewegen sollen, der den Heilszusagen entspricht. 6,12-14 setzt die Forderungen fort, wobei die Taufe, um die es in 6,1-11 schwerpunktmäßig ging, in den Hintergrund rückt.


In 6,1-11 war eine Hervorhebung des menschlichen Leibes zu bemerken. Diese ließ sich jedoch weniger mit einer Fokussierung körperlicher Sünden als vielmehr mit der Bedeutung des Körpers bei Jesu Kreuzigung und für die menschliche Existenz im Allgemeinen erklären. In V. 12 scheinen nun aber tatsächlich in erster Linie körperliche Sünden im Blick zu sein.


Wie schon in 6,1-11 geht es um Herrschaft. Dabei erscheint wiederum die Sünde als Herrscherin über den ungetauften Menschen. Mit der Taufe soll jedoch die Herrschaft der Sünde beendet sein.

Die Herrschaft der Sünde wird genauer lokalisiert, und zwar in dem sterblichen Leib der Adressaten. Doch wie ist diese Lokalisierung zu verstehen? Der Mensch bewegt sich in Machtbereichen, sei es „in der Sünde“ oder „in Christus Jesus“ (vgl. 6,1.11 u. a.), die Machtbereiche finden sich nicht in den Menschen. Dass in 6,12 der Sachverhalt anders zu sein scheint, mag damit zusammenhängen, dass der materielle Leib des Menschen sterblich ist und nach dem Tod verwest. Er ist an das Diesseits gebunden und geht nicht in das Jenseits ein (vgl. 1 Kor 15,35-49). Die enge Verbindung des menschlichen Leibes mit dem Tod führt zu dem Gedanken, dass der menschliche Leib auch eng mit der Sünde verbunden ist. Der Tod ist nämlich durch die Sünde in die Welt gekommen (vgl. 5,12), d. h. Sünde und Tod gehen miteinander einher. Aufgrund seiner Sterblichkeit erscheint der Leib geradezu als „Gefäß“ der Sünde.


Weil der menschliche Leib eng mit der Sünde und dem Tod verbunden ist, liegt es nahe, auch die Begierde mit ihm in Zusammenhang zu bringen. Und tatsächlich sind ja auch verschiedene Begierden wie das sexuelle Verlangen oder die Trink- und Fresssucht körperlicher Art.


Die Infinitivkonstruktion „um seinen Begierden zu gehorchen“ lässt offen, wer den Begierden des Körpers gehorcht bzw. nicht mehr gehorchen soll. Ist es die Sünde oder der Leib oder sind es die Adressaten des Briefes? Es ist kaum anzunehmen, dass die Sünde gehorcht, denn sie ist es ja, die herrscht. Der Körper ist nicht das Subjekt des Geschehens, sondern der Ort der Sünde, von dem die Begierden ausgehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind also die Adressaten gemeint, die den Begierden des Körpers gehorchen bzw. nicht mehr gehorchen sollen.


Weiterführende Literatur: Den wesentlichen Aussagegehalt von 6,1-23 versucht G. Bray 2000, 72-76 herauszuarbeiten.

Eine Auslegung von 6,1-14 bietet E. Cuvillier 1990, 3-16.


Mit der Struktur und Bedeutung von 6,1-14 befasst sich H. Boers 2001, 664-682.


J. L. Price 1980, 65-69 befasst sich mit 6,1-14 als Anfrage an den Christen, ob er tatsächlich Zeugnis vom Evangelium Christi ablegt.


A. J. M. Wedderburn 1983, 337-355 geht anhand von Röm 6 der Frage nach, inwieweit Paulus hellenistischen Traditionen und insbesondere der Theologie der Mysterienreligionen verpflichtet ist. A. J. M. Wedderburn geht nicht von einer direkten Beeinflussung seitens letzterer aus. Die Frage müsse eher lauten, ob Paulus diesem Milieu über den hellenistischen Judaismus oder über seine stärker hellenisierten Vorgänger im christlichen Glauben oder über beide verpflichtet ist.


E. Wasserman 2008, 387-415 wendet sich gegen die ihrer Meinung nach vorherrschende Sicht, dass Paulus nur in geringem Maße von griechischen gelehrten Traditionen beeinflusst sei. Tatsächlich lägen Röm 6-8 bestimmte platonische Traditionen über die Seele zugrunde. Platonischer Diskurs erkläre die Attribute und Funktionen der Sünde in Röm 6-8, wo sie in ähnlicher Weise herrsche (6,12), versklave (6,13.18.20; 7,14), Krieg führe (7,23), gefangen nehme (7,23) und töte (7,10-11.13)


Ausgehend von der Beobachtung, dass im Römerbrief anstelle vom „Kreuz“ vom „Tod“ die Rede ist, befasst sich M. Quesnel 2009, 55-73 mit der Gestalt des Todes in Röm 5-6. In den ersten Kapiteln des Römerbriefes sei von dem erlösenden Tod Jesu die Rede, wie er im Lichte der Auferstehung erscheine. Von 5,12 an kehre sich die Anordnung der Darstellung um: Die personifizierte Sünde gehe dem personifizierten Tod der Menschen voraus. Die Sünde erscheine wie die Mutter (frz.: Vater) des Todes. Der Tod sei also dysphorisch, er sei die tragische Folge der Sünde. In dem Abschnitt, in dem die Taufe thematisiert wird, 6,1-14, sei der Tod bereits zu Fall gebracht. Hier gehe es um den Tod der Gläubigen mit Christus, um ein der Sünde sterben.


W. J. Fogleman 1993, 294-298 betrachtet die Taufe als Übergangsritus.


Laut I. Mitsunobu 1994, 131-168 sei die paulinische Lehre von der Einheit mit Christus in Tod und Auferstehung in der Vergangenheit häufig als Tauflehre verstanden worden. In neuerer Zeit würden jedoch vermehrt Stimmen laut, die von einer Lehre bezüglich des realen Lebens des Christen ausgehen. Im Zusammenhang der gesamten paulinischen Theologie gesehen scheine letztere Auslegung die richtige zu sein. Die Einheit mit Christus in Tod und Auferstehung könne als Synthese der zentralen Themen paulinischer Theologie angesehen werden: Rechtfertigung durch Glauben, neue Schöpfung, Moral gemäß den Prinzipien von Geist und Fleisch. Im Zentrum all dieser Themen stehe der eschatologische Übergang vom Reich der Sünde zum Reich Christi.


Das auf die Taufe folgende neue Sein des Christen, wie es in Röm 5,20-7,6 zur Sprache kommt, hat Z. I. Herman 1986, 225-273 zum Thema.


Mit der Bedeutung des Imperativs 3. Pers. Sing., „basileuetô“ („es soll herrschen“), in V. 12 befasst sich J. Marcus 1988, 386-395. Aus der Übersetzung sollten sowohl der imperativische als auch der indikativische (3. Pers. Sing.) Charakter hervorgehen. J. Marcus paraphrasiert den Beginn von V.12 „Let Sin be dethroned in your mortal body!...“. V. 12 habe Gebetscharakter und V. 14 stelle eine Verheißung dar. Von Gebet und Verheißung seien die Imperative 2. Pers. Pl. eingeschlossen.


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V. 13


Beobachtungen: Der menschliche Leib besteht aus verschiedenen Gliedern. Die irdische, menschliche Existenz ist an den aus vielen verschiedenen Gliedern bestehenden Leib gebunden. Die Glieder sind es also auch, die Sünden ausführen. Der Dienst an der Sünde ist aber nicht die eigentliche Aufgabe der Glieder; sondern sie werden der Sünde nur vom Menschen zur Verfügung gestellt.


Im Dienst der Sünde sind die Glieder „Waffen der Ungerechtigkeit“ Der griechische Begriff „hoplon“ kann allgemein das Werkzeug, aber auch ganz konkret militärisch die „Waffe“ meinen. Da Paulus an anderen Stellen (Röm 13,12; 2 Kor 6,7; 10,4) den Begriff im Sinne von „Waffe“ benutzt, dürfte auch hier eine solche Bedeutung vorliegen.


Der Genitiv „Waffen der Ungerechtigkeit“ besagt vermutlich ebenso wie die parallele Formulierung „Waffen der Gerechtigkeit“, was die Waffen bewirken. Die Glieder, die zur Verfügung gestellt werden, gehören dem Menschen, nicht der Ungerechtigkeit oder Gerechtigkeit. Ein „genitivus subiectivus“ liegt folglich wohl nicht vor.

Bewirkt werden „adikia“ und „dikaiosynê“. Ersterer Begriff ist mit „Ungerechtigkeit“ zu übersetzen, letzterer mit „Gerechtigkeit“. Beide Begriffe enthalten drei verschiedene Aspekte. Der erste Aspekt ist sozialer Art: Bewirkt werden Ungerechtigkeit bzw. Gerechtigkeit zwischen den Menschen. Der soziale Aspekt dürfte jedoch nicht vorherrschend sein, denn Paulus erscheint in seinen Briefen kaum als ein sozialer Reformer im eigentlichen Sinne. Seine Aussagen zum Zusammenleben der Menschen sind immer im Bezug zu Gott zu sehen. Die Menschen sollen sich und ihre einzelnen Glieder Gott zur Verfügung stellen. An Gottes Maßstab hat sich menschliches Handeln zu orientieren. „Ungerechtigkeit“ ist - das ist der zweite Aspekt - demnach alles, was widergöttlich ist, „Gerechtigkeit“ alles, was Gottes Wohlgefallen findet. Von dem Urteil Gottes hängt letztendlich auch das Schicksal der Menschen ab. Dieses letztendliche Schicksal ist der dritte Aspekt der beiden Begriffe „adikia“ und „dikaiosynê“. Wer widergöttlich handelt, wird bei dem Weltgericht am Ende der Tage von Gott nicht gerechtfertigt werden und hat folglich das Verderben zu erwarten. Wer dagegen gottgefällig handelt, wird gerechtfertigt werden und das ewige Leben haben.


Wenn Paulus schreibt, dass sich die Adressaten Gott zur Verfügung stellen sollen, dann sind sie in ihrer Ganzheit als Menschen gemeint. Es geht also um Belange des Lebens, die den ganzen Menschen betreffen und nicht nur den materiellen Leib. Folglich sind die V. 12-14 auch nicht nur auf körperliche Aspekte zu beziehen, sondern auf alle Aspekte des menschlichen Lebens, zu denen aber auf jeden Fall auch die körperlichen Aspekte wie die körperlichen Sünden gehören.


Die Formulierung „als von Toten Lebendige“ verweist auf das Wesen des Daseins nach der Taufe. Die Taufe wurde in 6,1-11 als Teilhabe am Schicksal Jesu Christi und als Teilhabe an dem durch dieses Schicksal vermittelte Heil dargestellt. Die Christen sterben in der Taufe mit Christus, werden mit ihm begraben und wandeln schließlich in der „Neuheit des Lebens“. Diese „Neuheit des Lebens“ hat bei Jesus Christus mit der Auferstehung von den Toten begonnen. Weil die Christen ihre eigene Auferstehung von den Toten erst in der Zukunft am Ende der Tage zu erwarten haben, sind die einzigen Voraussetzungen für ihre „Neuheit des Lebens“ die Auferstehung Jesu und ihre eigene Taufe. Allerdings ist ihre „Neuheit des Lebens“ im Lichte der zukünftigen Auferstehung und des ewigen Lebens zu sehen.


Weiterführende Literatur: W. Schrage 1989, 222-234 setzt sich – von der Begrifflichkeit im Zusammenhang mit „Heiligung“ und „Heiligkeit“ ausgehend – mit der Frage auseinander, inwiefern Heiligung ein Prozess ist und wie dieser genauer zu verstehen ist. Dass Gott selbst heiligt, entspreche der alttestamentlich-jüdischen Tradition. Auch dort erwachse Heiligkeit nicht aus Aktivität, sondern Partizipation. Im NT geschehe die Heiligung nicht durch den Gott Israels, sondern „in Christus“. Der geheiligte Christ bewege sich „in Christus“, der die Heiligung ist. Es folgt eine Bestimmung des Verhältnisses zwischen Rechtfertigung und Heiligung, das von Gleichzeitigkeit geprägt sei. Die Heiligung sei ethischer akzentuiert als die Rechtfertigung und sei sowohl ethische Größe als auch Gottes Heilswille. Der Prozess der Heiligung erfasse die ganze Gemeinde und den ganzen Christen. In der Heiligung seien Christen als eschatologische „Heilige“ unterwegs als gleichsam schon von den Toten Lebendiggewordene (vgl. Röm 6,13) und zugleich als solche, die das ewige Leben als Ziel noch vor sich haben (vgl. Röm 6,22).


C. Gerber 2001, 129-142 erläutert zunächst anhand von 1 Kor 9,7a metaphorisches Argumentieren und befasst sich dann mit der Sündenmetaphorik Röm 6,12-14.23, wobei sie auch auf den Herkunftsbereich der in diesem Rahmen benutzten Militärmetaphern eingeht. Demnach habe das römische Heer als Berufsheer aus Soldaten bestanden, die sich in der Regel in jungen Jahren zu einer Dienstzeit von im Schnitt 20 Jahren verpflichtet hätten. Während die Gefahren des Soldatenlebens damals kaum gefürchtet gewesen seien, weil es für das stehende Heer nur selten Kriegszeiten gegeben habe, sei die Attraktivität des Berufs gerade für römische Bürger unterer Schichten und Männer ohne Bürgerrecht groß gewesen, habe der Soldatenberuf doch soziale Sicherheit, Unterhalt und eine Existenzgrundlage für ein späteres Leben sowie Aufstiegschancen, etwa die Möglichkeit für Peregrinen, durch Dienst in Hilfstruppen das römische Bürgerrecht zu erwerben, geboten. Der pekuniäre Aspekt des Dienstes – bis zum Ende der Dienstzeit seien verschiedene Summen zusammengekommen – habe den größten Reiz ausgemacht.


C. E. B. Cranfield 1994, 41-43 greift seine frühere Auslegung von 6,1-14 auf, in der er die These vertreten hat, dass das Sterben mit Christus auf viererlei verschiedene Weise verstanden werden könne: im juristischen Sinn, im Taufsinn, im moralischen Sinn und im eschatologischen Sinn. Weil wir es nicht nur mit dem Sterben mit Christus, sondern auch mit dem Auferstehen mit Christus zu tun hätten, ergebe sich ein achtfaches Schema. C. E. B. Cranfield untersucht nun, inwiefern sich die verschiedenen Elemente des achtfachen Schemas explizit oder implizit im Abschnitt finden.


W. H. Hagen 1981, 364-367 vertritt die Meinung, dass die V. 13.19 nicht von Paulus stammen, sondern von einem Redaktor später eingeschoben worden seien.


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V. 14


Beobachtungen: Fraglich ist, ob die futurische Verbform „ou kyrieusei“ als Futur („wird nicht herrschen“) oder im Sinne einer Ermahnung („soll nicht herrschen“) zu übersetzen ist. Da es um das gegenwärtige, irdische Leben der Adressaten geht, die allesamt Getaufte sind, wäre eigentlich ein Präsens zu erwarten: Weil die Adressaten gegenwärtig nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind, herrscht auch gegenwärtig nicht die Sünde über sie. Dass Paulus statt einer präsentischen eine futurische Verbform benutzt, mag damit zusammenhängen, dass er das Ende der Herrschaft der Sünde als Konsequenz aus der Hingabe der Christen an Gott darstellen will. Angesichts der Tatsache, dass in der Realität die Christen keinesfalls gänzlich vor Sünde gefeit sind, ist aber auch an eine Deutung der futurischen Verbform als Ermahnung zu denken. Möglicherweise sind beide Deutungen passend: Paulus hat sowohl die Konsequenz aus der Hingabe der Christen an Gott als auch eine Ermahnung zu einem gottgefälligen Leben im Blick.


Die Sünde herrscht nur über die, die unter dem Gesetz sind, nicht jedoch über die, die wie die Christen unter der Gnade sind. Mit dem „Gesetz“ dürfte das jüdische Religionsgesetz, wie es sich in der Tora (= fünf Bücher Mose) niedergeschrieben findet, gemeint sein. Dass Paulus das Gesetz mit der Sünde verbindet, mag daran liegen, dass er die Ansicht vertritt, dass das Gesetz die Sünden offenbar mache. Jede Übertretung eines Gebotes führt demnach dem Menschen seine Sündigkeit vor Augen (vgl. Röm 3,9-20; Gal 3,19-22).


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Weiterführende Literatur: Mit der Taufe und Gerechtigkeit im Römerbrief (3,25; 4,25; 6) befasst sich U. Schnelle 1983, 65-92. Er geht davon aus, dass drei Faktoren die paulinische Argumentation im Römerbrief beeinflussten: a) Die noch nicht lange zurückliegenden Konflikte in Galatien und Korinth. b) Die Auseinandersetzungen zwischen Heiden- und Judenchristen in Rom. c) Gedankliche Probleme der eigenen Theologie.


Laut J. M. Bassler 2003, 24-33, sei die Gnadentheologie des Heidenapostels nicht als „sola scriptura“ im strengen Sinne zu verstehen, sondern als Gnade und Gericht den Werken entsprechend. Darin unterscheide er sich nicht von seinen jüdischen Zeitgenossen. Damit stellten sich folgende Fragen: In welcher Hinsicht sind Paulus‘ Sichtweisen der Gnade eigentümlich? Und gegen welche Sichtweisen ist seine höchst polemische Rede von der Gnade gerichtet? Ergebnis: Paulus habe die Gnade nicht als ein statisches Konzept verstanden. Von der Annahme ausgehend, dass er vor seiner Begegnung mit Christus die Sichtweisen des Judentums des 1. Jh.s. teilte, sei anzunehmen, dass er schon eine lebendige Vorstellung von Gnade hatte. Seine Christuserfahrung habe ihm das Kreuz als neuen Gnadenort offenbart, was sein Verständnis von der Verbindung zwischen Gnade und menschlichem Leiden verändert habe. Seine Vorstellung von der menschlichen Verwundbarkeit der Sünde gegenüber sei vertieft worden und damit auch sein Verständnis von der Macht der vergebenden Gnade. Der durch seine Heidenmission entstandene Konflikt habe seine Augen für die radikale Eingeschlossenheit der Gnade geöffnet. Gnade sei eindeutig am wachsenden Rand der paulinischen Theologie gewesen.


D. J. Moo 1982, 215-220 befasst sich mit 6,1-14 unter der Fragestellung, inwiefern Paulus trotz des Glaubens noch die Notwendigkeit der Abkehr von der Sünde für erforderlich hält. Auffällig sei, dass Paulus eingangs nicht die Abkehr von der Sünde verlangt. Vielmehr mache er deutlich, dass es grundsätzlich widersprüchlich sei, wenn ein Mensch, der (aufgrund der Taufe) der Sünde gestorben ist, weiterhin in ihr lebt. Christen gehörten schon zum neuen Zeitalter. das von Leben und Gnade geprägt ist. Allerdings seien sie weiterhin dem alten Zeitalter, das von Tod und Sünde geprägt ist, unterworfen. Daher verbinde Paulus in Röm 6,1-14 Aussagen über den neuen Status „in Christus“ mit Imperativen, um uns dazu zu ermutigen, die bestehenden Bestandteile unseres Lebens in Einklang mit dem neuen Status zu bringen. Möge uns Gott dazu durch seinen Geist die Kraft geben.


J. W. Aageson 1996, 75-89 befasst sich mit der Sprache der Kontrolle, wie sie bei dem Wort „doulos“ („Sklave“) und allen abgeleiteten Worten besonders deutlich zutage trete. Im Kontrast dazu stehe „eleutheros“ („frei“), ein Begriff, der sich sowohl auf den Menschen beziehe, der nie Sklave war, als auch auf denjenigen, der es nicht mehr ist.



Literaturübersicht


Aageson, James W.; „Control“ in Pauline Language and Culture: A Study of Rom 6, NTS 42/1 (1996), 75-89

Bassler, Jouette M.; Grace: Probing the Limits, Interp. 57/1 (2003), 24-33

Boers, Hendrick; The Structure and Meaning of Romans 6:1-14, CBQ 63/4 (2001), 664-682

Bray, Gerald; Dead to Sin and Alive to Christ (Romans 6:1-23), Evangel 18/3 (2000), 72-76

Cranfield, C. E. B.; Romans 6:1-14 Revisited, ET 106/2 (1994), 40-43

Cuvillier, Elian; Évangile et traditions chez Paul. Lecture de Romains 6,1-14, Hok 45 (1990), 3-16

Fogleman, William J.; Romans 6:3-14, Interp. 47/3 (1993), 294-298

Gerber, Christine; Vom Waffendienst des Christenmenschen und vom Sold der Sünde. Metaphorische Argumentation am Beispiel von Röm 6,12-14.23, in: P. Müller u. a. [Hrsg.], „…was ihr auf dem Weg verhandelt habt“, Neukirchen-Vluyn 2001, 129-142

Hagen, Wayne A.; Two Deutero-Pauline Glosses in Romans 6, ET 92/12 (1981), 364-367

Herman, Zvonimir Izidor; La novità Cristiana secondo Romani 5,20-7,6. Alcune osservazioni esegetiche, Anton. 61/2-3 (1986), 225-273

Marcus, Joel; “Let God Arise and End the Reign of Sin!” A Contribution to the Study of Pauline Parenesis, Bib. 69 (1988), 386-395

Mathewson, Dave; Verbal Aspect in Imperatival Construction in Pauline Ethical Injunctions, FN 9/17 (1996), 21-36

Mitsunobu, Ichirō; Union with Christ in Death and Resurrection – St. Paul’s Theology as seen in Romans 6 (japan.), in: Theological Society of Sophia University [ed.], Katorikku Kenkyu, Catholic Studies 63, Tokyo 1994, 131-168

Moo, Douglas J.; Romans 6,1-14, TrinJ 3/2 (1982), 215-220

Price, James L.; Romans 6:1-14, Interp. 34 (1980), 65-69

Quesnel, Michel; La figure de la mort dans l’épître aux Romains: Fonction rhétorique et argumentative, in: U. Schnelle [ed.], The Letter to the Romans (BETL 226), Leuven 2009, 55-73

Schnelle, Udo; Gerechtigkeit und Christusgegenwart. Vorpaulinische und paulinische Tauftheologie (GTA 24), Göttingen 1983

Schrage, Wolfgang; Heiligung als Prozeß bei Paulus, in: D.-A. Koch u. a. [Hrsg.], Jesu Rede von Gott und ihre Nachgeschichte im frühen Christentum: Beiträge zur Verkündigung Jesu und zum Kerygma der Kirche, FS W. Marxsen, Gütersloh 1989, 222-234

Wasserman, Emma; Paul among the Philosophers: The Case of Sin in Romans 6-8, JSNT 30/4 (2008), 387-415

Wedderburn, Alexander J. M.; Hellenistic Christian Traditions in Romans 6, NTS 29/3 (1983), 337-355


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