Auslegung und Bibliographie zur Bibel


Apostelgeschichte (Apg 21,18-26,32)

Apg 21,18-19

Studieren Sie die Bibel! Hier finden Sie einen Einstieg in die wissenschaftliche Auslegung von Bibeltexten mit Literaturangaben.

Wenn Sie diese Bibliographie zum ersten Mal nutzen, lesen Sie bitte die Hinweise zum Gebrauch.

Jede Seite enthält eine Übersetzung des jeweiligen Bibeltextes, sowie Beobachtungen (Vorbereitung der Auslegung), Hinweise zu weiterführender Literatur und eine abschließende Literaturübersicht.

Apg 21,18-19

 

 

Übersetzung

 

Apg 21,18-19:18 Am folgenden Tag ging (der) Paulus mit uns zu Jakobus (hinein); auch alle Ältesten fanden sich ein. 19 Nachdem er sie begrüßt hatte, schilderte er ihnen in allen Einzelheiten, was (der) Gott unter den Heiden durch seinen Dienst getan hatte.

 

 

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V. 18

 

Beobachtungen: 21,18-19 folgt direkt auf die Ankunft des Paulus und seiner Begleiter in Jerusalem. Der Abschnitt schildert, was Paulus und seine Begleiter als erstes in Jerusalem machten, nachdem sie zu ihrem Gastgeber Mnason geführt und von den Jüngern in Jerusalem freudig begrüßt worden waren.

 

21,18 stellt den Abschluss des zweiten Wir-Berichts 20,5-6.13-15; 21,1-18 dar. Erst in 27,1 findet sich die Fortsetzung aus der Perspektive des unbekannten Sprechers. Vielleicht lässt sich die große Lücke zwischen dem Ende des zweiten und dem Beginn des dritten Wir-Berichtes damit erklären, dass nun Paulus die ganze Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Nimmt man 21,18 für sich, so ist völlig offen, wer der Sprecher ist. Geht man von einem in 16,10-17, dem ersten Wir-Bericht, und 20,5-15; 21,1-18 identischen Sprecher aus, so kann Paulus selbst nicht der Sprecher sein, weil er namentlich erwähnt und über sein Handeln gesprochen wird. Vermutlich wird der Sprecher in beiden Wir-Berichten nicht namentlich genannt. Wenn er aus Troas stammte bzw. dort wohnhaft war, ist bemerkenswert, dass er nicht in Troas blieb, sondern weiterreiste. Ist dies ein Argument gegen eine Herkunft aus Troas? Dass der Verfasser der Apg dieser Sprecher war, ist eher unwahrscheinlich (ausführlich zum Sprecher der Wir-Berichte bzw. des zweiten Wir-Berichtes siehe Beobachtungen zu 20,5; zum Verfasser der Apg als Sprecher des Wir-Berichtes siehe Beobachtungen zu 16,10).

Fraglich ist, ob es neben dem Sprecher noch weitere Begleiter des Paulus gab. In 20,4 wurden zwar Sopater, Aristarch, Sekundus, Gaius, Timotheus, Tychikus und Trophimus genannt, doch hieß es nur, dass diese bis nach Troas reisten. Dass sie darüber hinaus Paulus begleiteten, ist angesichts fehlender Informationen fraglich.

 

Unklar ist, welcher Jakobus gemeint ist. Dass der Verfasser der Apg den Namen nicht weiter erläutert, weist darauf hin, dass er davon ausging, dass den Adressaten seiner Schrift Jakobus bekannt war. Dies spricht dafür, dass es sich bei Jakobus um eine bekannte und angesehene Persönlichkeit handelte. Zunächst ist an den Apostel Jakobus, den Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, zu denken, doch ist dieser gemäß 12,1-2 von König Herodes (= Herodes Agrippa I.) getötet worden und kommt daher nicht infrage. Sofern Jakobus mit einem anderen im NT erwähnten Jakobus identisch ist, kommen nur Jakobus, der Sohn des Alphäus, Jakobus, der Herrenbruder, und Jakobus, der Vater des Judas (nicht Iskariot!) infrage. Ein ausreichender Bekanntheitsgrad ist aber nur bei Jakobus, dem Sohn des Alphäus, der immerhin einer der Zwölf war (vgl. Mk 3,18; Mt 10,3; Lk 6,15; Apg 1,13), und bei Jakobus, dem Herrenbruder, der in der frühen Jerusalemer Gemeinde eine führende Stellung innehatte, gegeben. Jakobus, der Vater des Judas (nicht Iskariot!), spielt im NT keine Rolle und dürfte somit auch in der Jerusalemer Gemeinde keine bedeutende und bekannte Persönlichkeit gewesen sein. Die Tatsache, dass Paulus bei einem früheren Besuch in Jerusalem nur Petrus und Jakobus, den Herrenbruder, getroffen hatte (vgl. Gal 1,19), spricht dafür, dass Jakobus, der Herrenbruder, in der Jerusalemer Gemeinde eine führende Rolle einnahm. Insofern ist anzunehmen, dass es sich bei dem in Apg 21,18 erwähnten Jakobus um Jakobus, den Herrenbruder, handelte.

 

Als die "Ältesten“ ("presbyteroi“) bezeichnete man wohl ursprünglich das Leitungsgremium einer jüdischen Gemeinde (vgl. 4,5.8.23; 6,12). Bei der Apostelversammlung (15,2.4.6.22-23; 16,4) tauchten sie jedoch als Leitungsgremium der (juden)christlichen Gemeinde in Jerusalem auf, und zwar neben den Aposteln, vermutlich dem Kreis der Zwölf um Jesus. Warum in 21,18 nicht die Apostel erwähnt werden ist unklar. Möglicherweise hielten sie sich gerade nicht in Jerusalem auf. Oder sie hatten in der Zwischenzeit in der Gemeinde an Bedeutung verloren.

 

Das Verb "paragignomai“ bedeutet "anwesend sein“ oder "sich einfinden“. Das Imperfekt "paregenonto“ in V. 18 ist demnach mit "sie waren anwesend“ oder mit "sie fanden sich ein“ zu übersetzen. Weil das Imperfekt eine länger währende Handlung kennzeichnet, können sich die Ältesten nicht alle auf einen Schlag eingefunden haben, sondern müssen nach und nach eingetroffen sein. Die Partikel "te“ ("und“) lässt annehmen, dass die Handlung der Ältesten der Handlung des Paulus und seiner Begleiter entsprach und in etwa gleichzeitig stattfand: Als Paulus und seine Begleiter zu Jakobus gingen und bei diesem schließlich ankamen, fanden sich auch nach und nach auch alle Ältesten bei Jakobus ein. Gemäß einer Variante waren dagegen die Ältesten bei der Ankunft des Paulus und seiner Begleiter bereits eindeutig im Haus des Jakobus versammelt.

 

Das Verb "eiseimi“ bedeutet "hineingehen/eintreten“. Jakobus muss sich also in seinem Haus befunden haben, in dem sich Paulus und die Ältesten nach und nach einfanden.

 

Weiterführende Literatur: J. Wehnert 1989, 193 geht kurz auf die durch Einschaltungen in mehrere Wir-Stücke zerfallene zweite Wir-Passage 20,5-21,18 ein, die offensichtlich die Kollektenreise des Paulus von Makedonien über Kleinasien nach Jerusalem schildere. J. Wehnert geht davon aus, dass sich Lukas bei den Wir-Passagen eines Stilmittels der jüdischen Literatur bediene, nämlich der (nachträglichen) Autorisierung eines Textes, und auf diese Weise seine um unbedingte Zuverlässigkeit bemühte Darstellung absichere (vgl. S. 182-183).

C.-J. Thornton 1991 legt dar, dass es Lukas darauf ankomme, dass nicht missionarischer Ehrgeiz des Paulus oder eine zufällige Reiseangelegenheit das Evangelium nach Europa brachten, sondern Gott selbst habe diesen Schritt initiiert. Dafür sei Lukas Zeuge; das aber sei keine Zeugenschaft im Sinne historischer Autopsie, sondern ein Zeugnis des Glaubens, dass die miterlebte Vergangenheit von Gott geleitete Geschichte ist.

 

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V. 19

 

Beobachtungen: Es fällt auf, dass Paulus zwar die Ältesten begrüßte, nicht jedoch von diesen begrüßt wurde. Weist dies auf eine kritische Einstellung der Ältesten Paulus gegenüber hin? Oder wird die Begrüßung seitens der Ältesten verschwiegen, weil Paulus als Handelnder und Redender im Mittelpunkt steht?

 

Genau genommen handelte während der Missionsreisen nicht Paulus selbst, sondern Gott. Gott handelte durch Paulus, der Gott diente. Was genau Gott unter den Heiden tat, wird nicht aufgeführt, doch ist in erster Linie an die Bekehrung von Heiden zum Christentum und an das Wachsen der gegründeten Gemeinden zu denken.

Es fällt auf, dass die Juden nicht in den Blick kommen. Es scheint also allein die Heidenmission Thema der detaillierten Schilderung des Paulus gewesen zu sein.

 

Dass die Heidenmission das Thema des ausführlichen Berichts des Paulus war, zu dem sich die Ältesten bei Jakobus eingefunden hatten, schließt aus, dass die Apostel in V. 18 nicht erwähnt werden, weil für sie der Bericht des Paulus nicht in gleichem Maße von Interesse war wie für die Ältesten. Auf der Apostelversammlung war es auch um die Heidenmission gegangen und da waren die Apostel neben den Ältesten anwesend. Demnach war für sie die Heidenmission von gleichem Interesse wie für die

 

Es wird kein Grund dafür genannt, warum Paulus vor Jakobus und allen Ältesten dermaßen ausführlich Bericht erstattete. Da Gott und sein Handeln im Mittelpunkt standen, dürfte der ausführliche Bericht wohl den Zweck gehabt haben, die Heidenmission − nicht die Missionsreisen als solche! − als legitim und Bestandteil des göttlichen Heilsplanes darzustellen. Das grundsätzliche Einverständnis zur Heidenmission hatte die Apostelversammlung ja in der Vergangenheit schon gegeben, wobei dieses Einverständnis auch auf die wohlwollende Rede des Jakobus (des Herrenbruders) zurückzuführen war (vgl. 15,12-29). Insofern ist wahrscheinlich, dass der ausführliche Bericht des Paulus als Bestätigung der Richtigkeit der grundsätzlichen Zulassung der Heidenmission dienen sollte.

 

In den paulinischen Briefen wird verschiedentlich (vgl. 2 Kor 8,4; 9,1.12-13; Röm 15,31) die Kollekte und ihre Übergabe als "diakonia“ ("Dienst“) bezeichnet. Auch die Apg dürfte die Kollekte kennen, auch wenn sie nirgends ausdrücklich erwähnt wird. Möglicherweise ist in Apg 19,22 mit dem Verb "diakoneô“ ("dienen“) konkret das Sammeln der Kollekte gemeint. Allerdings bezeichnet in 20,24 das Substantiv "diakonia“ ganz eindeutig nicht die Kollektensammlung, sondern das Bezeugen des Evangeliums der Gnade Gottes. Diese oder eine ähnliche Bedeutung scheint auch in 21,19 vorzuliegen.

 

Weiterführende Literatur:

 

 

Literaturübersicht

 

Thornton, Claus-Jürgen; Der Zeuge des Zeugen: Lukas als Historiker der Paulusreisen (WUNT 56), Tübingen 1991

Wehnert, Jürgen; Die Reinheit des “christlichen Gottesvolkes” aus Juden und Heiden: Studien zum historischen und theologischen Hintergrund des sog. Aposteldekrets (FRLANT 173), Göttingen 1997

 

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